RT Exklusiv: Kontroverses Interview mit dem niederländischen Politiker Geert Wilders [Video]

RT Exklusiv: Kontroverses Interview mit dem niederländischen Politiker Geert Wilders [Video]
Geert Wilders im RT-Interview: "Ich glaube, dass Islam und Freiheit unvereinbar sind"
Er kann es nicht lassen – in einem exklusiven Interview mit RT wiederholt Geert Wilders, Vorsitzender der niederländischen "Partei für die Freiheit", seine altbekannten und umstrittenen Ansichten zum Islam. RT bringt das komplette Interview zusätzlich auch als Transkript.

Der Niederländer war zu Gast in der RT-Sendung "SophieCo". Dort sprach er zudem auch über die Erfolge seiner Partei und über seinen Wunsch, die EU zu verlassen. Außerdem thematisierte der umstrittene Politiker die seiner Ansicht nach missglückte europäische Flüchtlingspolitik und seine Haltung gegenüber Donald Trump und Wladimir Putin.

In einer Studie im Auftrag des Innenministeriums klassifizieren niederländische Extremismusforscher des IVA (2009) die Politik von Wilders Partei als neo-rechtsextrem oder "nationaldemokratisch". Sie stehe nicht in der Tradition der "raciale revolutionairen" (Neonazis) oder anderer Rechtsextremer und distanziere sich ausdrücklich davon.

Aber die PVV lehne "das Fremde" ab, was sich auf eine vermeintliche Islamisierung und nichtwestliche Einwanderer beziehe. "Das Eigene" in dieser Perspektive sei die von ihr so bezeichnete "christlich-jüdische und humanistische Kultur in den Niederlanden". Ihrer Struktur nach könne die PVV als autoritär, nicht demokratisch eingeschätzt werden.

Hier das komplette Interview auch in schriftlicher Form:

Geert Wilders, willkommen zur Show. Schön, Sie noch einmal bei uns zu haben. Bei der niederländischen Wahl im März hatten Sie auf den Sieg gesetzt, aber das ist nicht wirklich passiert. War das für Sie ein klares Zeichen, dass die Niederländer die von Ihnen vorgeschlagenen Änderungen nicht wirklich mögen?

Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Wir waren eigentlich einer der Gewinner, denn wir erhielten 30 Prozent der Stimmen. Vor den Wahlen hatten wir 15 Sitze im niederländischen Parlament. Nach den Wahlen kamen wir auf 20 Sitze. Die Partei des jetzigen Premierministers Rutte hat in der Tat viele Sitze verloren. Wir sind zur zweitgrößten Partei geworden, sodass wir am Ende des Tages einer der größten Gewinner der Wahlen waren.

Sie kritisieren die Eliten, das Establishment, aber Sie sind seit 20 Jahren Teil der niederländischen Politik – sind Sie damit nicht selbst Teil des Establishments?

Das ist eine gute Frage. Es geht nicht darum, wie lange Sie schon in der Politik sind, sondern darum, was Sie vorhaben. Ich denke, die niederländischen Politiker und die niederländische Regierung sollten auf das niederländische Volk hören. Aber das tun sie nicht. In Holland ist es nicht wie bei "America First" oder "Russia First", sondern wie bei "Holland Last". Wenn es um die Europäische Union geht, in der wir der größte Nettozahler sind, dann zahlen wir das Geld unserer Steuerzahler an die südeuropäischen Länder. Wenn es um die Masseneinwanderung geht, so haben die niederländischen Wähler ein sehr schlechtes Geschäft gemacht. Ich schlage vor, dass wir den Menschen mehr zuhören. Das Volk will die souveränen und starken Niederlanden. Lassen Sie uns mit anderen Ländern zusammenarbeiten, wenn sie es für richtig halten und unsere Interessen teilen, und nicht so dumm sein, wie die heutige Politik es ist.

Bei den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden hatten rechtsgerichtete Parteien, wie die Ihre, gut abgeschnitten. Der französische Präsident Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel begannen sogar damit, von einer ernsthaften Reform der EU zu sprechen. Werden Sie sich mit der von den beiden vorgeschlagenen Reform zufrieden geben?

Wissen Sie, wenn europäische Politiker oder Befürworter der Europäischen Union über die europäische Reform sprechen, dann meinen sie eigentlich nicht Reformen an sich, sondern mehr Europäische Union. Und in der Tat haben Parteien wie meine die Wahlen gewonnen. Wie ich Ihnen bereits sagte, sind wir die zweitgrößte Partei im niederländischen Parlament, in dem wir dreizehn oder vierzehn Parteien haben. Die Partei von Marine Le Pen ist, wie Sie zu Recht erwähnt haben, die zweite Partei in Frankreich geworden. Die FPÖ hat sich zur zweitgrößten Partei Österreichs entwickelt und wird wahrscheinlich auch regieren. In Deutschland sahen wir, dass die Partei Alternative für Deutschland zur drittgrößten Partei wurde. Unsere Stimme, die von Millionen Europäern, wird heute stärker und wir wollen keine europäischen Reformen mehr. Wir wollen mehr nationale Souveränität. Wir wollen weniger Europäische Union. Und meine Partei will die Europäische Union verlassen. Wir sind der Meinung, dass wir nur dann souverän sein können, wenn wir uns außerhalb der Europäischen Union befinden. Und für unsere eigene Haustür zuständig sind, wenn es um die Einwanderung geht. Wir wollen wieder eine starke souveräne Nation werden.

Ihre Partei heißt "Die Partei für die Freiheit" und Sie sprechen ständig von Freiheit, aber gleichzeitig schlagen Sie vor, Moscheen in den Niederlanden zu schließen und den Islam unattraktiv zu machen. Wie geht das mit der Freiheit einher, die Sie fördern?

Nun, das ist eine sehr gute Frage. Eigentlich glaube ich, dass Islam und Freiheit unvereinbar sind. Schauen Sie sich die Länder an, in denen der Islam heute dominiert, und Sie werden einen völligen Mangel an Freiheit, Zivilgesellschaft, Rechtsstaatlichkeit sowie einen Mangel an individuellen und kollektiven Rechten feststellen. Ich glaube, je mehr wir gegen die Islamisierung unserer freien Gesellschaften kämpfen, desto mehr bewahren wir unsere Freiheit. Ich kämpfe für die Freiheit und habe meine Partei "Die Partei für die Freiheit" genannt, weil ich möchte, dass meine Familie, meine Kinder und meine Enkelkinder auch in 50 Jahren freie Bürger sein werden. Wenn wir eines Tages islamischer werden, wird das unsere Freiheit zum Schlechteren verändern.

Was ist mit der Freiheit der Religionsausübung? Sie sprechen über Ihre Kinder und Enkelkinder, aber Sie können nicht wissen, ob einer von ihnen nicht eines Tages einen Muslim heiraten oder sich zum Islam bekennen wird. Ihre Urenkel könnten vielleicht Muslime sein ... Was ist mit ihrer Freiheit, ihre Religion auszuüben? Das wird ihre Wahl sein, oder?

Nun, unsere Verfassung spricht, wie Sie schon erwähnt haben, von der Religionsfreiheit. Aber ich glaube, dass der Islam keine Religion, sondern eher eine Ideologie, eine totalitäre Ideologie ist, die nicht nur das persönliche Leben der Menschen, sondern die gesamte Gesellschaft dominieren will. Eines der Beispiele, die ich oft anführe, um zu zeigen, dass der Islam eher eine Ideologie und keine Religion ist, ist die Tatsache, dass auf das Verlassen des Islam der Tod steht. Du bist nicht frei zu gehen, wie es im Christentum, Judentum oder Buddhismus der Fall ist. Dies ist ein Zeichen einer totalitären Ideologie. Ja, wir haben die Religionsfreiheit in der niederländischen Verfassung. Aber wenn wir den Islam nicht so sehr als Religion sehen, sondern als eine totalitäre Ideologie, die sich nicht in unserer Gesellschaft assimilieren, sondern sie dominieren will ... Er verstößt gegen die Freiheit von Frauen, die Presse, Homosexuelle, Christen und Juden. Wenn man also eine Gesellschaft haben will, die frei ist, muss man weniger Islam haben.

Ich bin keine Befürworterin des Islams, ich selbst bin Christin. Aber ich denke, dass das, wovon Sie reden, eine sehr begrenzte Anhängerschaft im Islam hat, die als Wahhabismus oder Extrem-Islamismus bezeichnet werden kann. Aber ich bin nicht der Meinung, dass das auf die Mehrheit der Muslime zutrifft, die ich kenne, und weltweit. Aber das ist Ihre Meinung, gut. Dasselbe kann man auch über Christentum sagen: Wenn man sich wirklich tief in die Bibel einliest, findet man auch Sachen gegen Homosexuelle und Frauenrechte … Es geht wirklich darum, wie man die Religion deutet. Wie auch immer: sie sagten, es gebe keinen gemäßigten Islam. Aber bei einer Konferenz in Italien sagten Sie im September, dass „viele einzelne Muslime gemäßigt seien“. Wer sind diese moderaten Muslime, wenn es Ihnen zufolge keinen moderaten Islam gibt? Könnten Sie Beispiele nennen?

Schauen Sie, ich unterscheide wie immer zwischen der Ideologie und den Menschen. Es gibt tatsächlich keinen gemäßigten Islam, keinen europäischen Islam oder so einen Unsinn. Es gibt nur den Islam des Koran, des Lebens des Propheten Mohammed und das ist der einzige Islam, den wir kennen. Leider kann das nicht geändert werden. Der extreme Islam ist ein Pleonasmus, er bedeutet genau dasselbe. Andererseits gibt es die Menschen. Und ich glaube an gemäßigte Menschen. Und ich bestätige, dass es viele Muslime auf der Welt gibt, die gemäßigt sind. Leider, und das ist einer der Unterschiede des Islam zum Christentum oder zum Judentum, sehen wir heute Gesellschaften, in denen Muslime eine große Zahl oder sogar die Mehrheit ausmachen, und es herrscht ein völliger Mangel an Freiheit und Demokratie, ob man über liberale Länder wie Ägypten spricht  oder die härteren wie der Iran, das sunnitisch muslimische Land ... Sogar in meinem Heimatland, den Niederlanden, haben wir heute fast eine Million Muslime. Die linken liberalen Institutionen wie die Universität von Amsterdam führte eine Umfrage durch und hat bewiesen, dass 11% der niederländischen Muslime –  mehr als 100.000 Menschen, das ist doppelt so viel wie die niederländische Armee – bereit sind, für ihren Glauben und für den Islam Gewalt in Holland anzuwenden. Das sehen wir in keiner anderen Religion. Das importieren wir heute in den Westen. Wir sehen keine Terroranschläge in Europa, die einmal im Monat oder sogar einmal pro Woche im Namen des Christentums oder des Judentums begangen werden. Tatsächlich ist nicht jeder Muslim ein Terrorist. Aber leider sind die meisten Terroristen in Europa Muslime. Wir können politisch korrekt sein und alles ignorieren. Aber ich denke, es ist viel klüger, sich mit diesem Problem zu beschäftigen.

Die islamische Terrorgefahr in Europa ist natürlich sehr real, keiner bezweifelt das. Aber denken Sie nicht, dass solche Maßnahmen wie die Schließung von Moscheen und eine harte Bekämpfung von Muslimen sich anders auswirken würde  und das Risiko für Terroranschläge eher ansteigt als sinkt?

Nein, genau das Gegenteil. Wir müssen uns erheben. Wir dürfen nicht jeden Muslim als Terroristen bezeichnen, das wäre lächerlich, so einen Vorschlag würde ich ablehnen. Aber wir sollen nicht noch mehr Islam importieren. Im Gegenteil: wir sollten unsere Gesellschaft ent-islamisieren. Der Koran hat mehr Antisemitismus als zum Beispiel "Mein Kampf" von Adolf Hitler. Wir sollten es so betrachten, wie es wirklich ist. Nicht alle Menschen sind schlechte Menschen. Im Gegenteil. Aber diese Ideologie ist eine gefährliche Ideologie. Als ich noch ein freier Mann war und nicht rund um die Uhr von der diplomatischen Polizei beschützt wurde, als ich keine Todesdrohungen von al-Qaida und anderen Organisationen auf meinen Kopf hatte. Damals reiste ich durch den Nahen Osten und war fast in jedem islamischen Land. Ich traf sehr viele nette und gastfreundliche Menschen. Aber ich sah, dass der Einfluss des Islam auf fast jedes arabische und islamische Land vernichtend war. Die Leute waren nicht frei. Sogar innerhalb der islamischen Welt gab es Terror, nicht zu reden von den Ländern, die den Islam importieren. Wir sollten eins tun: bestimmen, wer wir sind. Wir sind kein islamisches Land. Unser Kontinent basiert auf dem Christentum und Judentum, auf Humanismus. Und der Islam sollte hier im Endeffekt nicht zur dominierenden Macht werden.

Wie Sie sagten, sind Sie durch Ihre Ansichten zum Islam auf der al-Qaida-Abschussliste gelandet. Ich weiß, dass Sie rund um die Uhr überwacht werden, Sie wohnen in einem geschützten Haus: Steigt Ihnen diese Isolation vielleicht zu Kopf? Ein Politiker müsste doch nah an den Menschen dran sein. Von der Realität so abgesondert zu sein, passt nicht so gut dazu, oder?

Hören Sie mal, bei der letzten Wahl hat meine Partei bei insgesamt 13 Parteien im Parlament ein Drittel der Stimmen bekommen und wir wurden zur zweitgrößten Partei in Holland. Unsere Partei gibt es erst seit 10 Jahren. In Holland ist es noch nie passiert, dass eine relativ neue Partei zur zweitgrößten Partei im Parlament wurde. Wir sind nicht abgesondert, vielleicht sind wir sogar mehr als jede andere Partei mit dem Volk verbunden. Sehen Sie sich den Ausgang der demokratischen Wahl an. Es ist nicht einfach, ich kämpfe für die Freiheit meiner Leute, für die Freiheit des Westens – sowie ich sie sehe – und dabei verlor ich meine persönliche Freiheit. Wenn ich das Christentum oder das Judentum kritisieren würde – was ich nicht mache–, dann würde ich nicht auf einer Abschussliste stehen, dann hätte ich meine persönliche Freiheit nicht verloren, und kein Mensch würde versuchen, mich umzubringen. Und genau darum geht es. Ich bin nicht der Einzige auf der Welt. Es gibt andere Menschen, Organisationen, Journalisten und Politiker, die den Islam kritisieren und dieselben Probleme bekommen. Der Islam ist von der Mäßigkeit weit weg.

Das Flüchtlingsproblem, das außer Kontrolle geraten ist, stellt Europas größte Errungenschaft in Frage – die offenen Grenzen. Glauben Sie, dass die Schengenzone abgeschafft gehört und damit auch die Bewegungsfreiheit innerhalb von Europa?

Das ist die einzige Lösung: die Schengenzone abschaffen. Der einzige Weg ist, die Immigration aus dem Nahen Osten oder aus Afrika zu stoppen. Wenn Sie denken, dass die Flüchtlingskrise, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, als die ganzen sogenannten Asylwerber in unseren Teil der Welt kamen, schlimm war, dann sag ich: das war noch gar nichts! Wenn man die Zahlen der UNO anschaut, sieht man, dass sich die Menschenanzahl in Afrika vervierfacht hat. Afrika hat heute eine Einwohnerzahl von einer Milliarde Menschen. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden das vier Milliarden Menschen sein. Umfragen belegen, dass über ein Drittel dieser Menschen gerne auswandern würde, in den reicheren Teil von Nordafrika oder nach Europa. Wenn wir also nicht aufwachen und Schengen nicht abschaffen, wenn wir nicht Herr im Haus werden und unsere Grenzen nicht unter Kontrolle haben werden, wird es uns nicht mehr geben. Ich übertreibe jetzt nicht. Wenn Sie sich die Zahlen anschauen, stehen wir heute vor einem Existenzproblem, das schlimmer ist, als jedes wirtschaftliche Problem, das wir je hatten. Das ist ein lebenswichtiges Problem, ob wir bis zum Ende des Jahrhunderts existieren werden oder nicht. Wenn wir nicht mit der Grenzkontrolle beginnen und selbst entscheiden, wer in unser Haus hineindarf und wer es verlassen soll, so wie alle normalen Menschen das tun, auch Ihre Zuschauer heute, in Russland oder sonst irgendwo. Im Großteil von Europa tun wir das nicht. Wir kennen nur die Politik der offenen Grenzen, und im Endeffekt wird das nicht mehr unser Haus sein.

Würde eine Schließung der Schengenzone nicht die EU zerstören?

Für mich würde das nichts Schlechtes bedeuten. Ich bin sehr stark gegen die EU. Ich mag Europa, ich finde, wir sollten mit anderen europäischen Staaten in Bereichen des gemeinsamen Interesses zusammenarbeiten, beispielswese beim Binnenmarkt oder beim Kampf gegen den Terrorismus, auch in wirtschaftlichen Beziehungen. Ich würde wirklich gerne zusammenarbeiten. Aber wir brauchen keine Institution wie die Europäische Union, in der die meisten Menschen nicht gewählt wurden, wie zum Beispiel die EU-Kommissare, die für unsere Demokratien entscheiden, was zu tun ist. Wenn Sie über Einwanderung sprechen, so ist die EU, Brüssel, heutzutage für unsere Einwanderungsregeln zuständig und nicht die nationalen Regierungen. Sie haben den Großteil der Einwanderungspolitik nach Brüssel verlegt, sodass wir nicht mehr für unsere Haustür verantwortlich sind. Es wäre also eher gut als schlecht, wenn die Institution der Europäischen Union zerstört würde.

Sie sagten, dass eine „hysterische Russophobie Europa und die Niederlande regieren würde“. Warum ist das so? Hat Europa nicht schon genug Probleme?

In den meisten europäischen Ländern passiert gerade etwas Schreckliches. Einerseits wird die US-Regierung kritisiert, Trump wird ausgelacht. Ich verteidige nicht Herrn Trump und die Dinge, die er macht. Aber 99 Prozent der Politiker kritisieren eine der Supermächte der Welt – die USA. Andererseits kritisieren dieselben Politiker eine andere Supermacht der Welt, die Russische Föderation. Das ist sehr unklug, sowohl geopolitischer Sicht als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Ich denke, die europäischen Länder brauchen beides: sowohl eine Freundschaft mit der Russischen Föderation als auch eine transatlantische Partnerschaft mit den USA. Tatsächlich ist es gerade Mode in Europa, Russland zu kritisieren, es für fast alles verantwortlich zu machen, was in der Welt schief läuft. Ich finde das sehr schlecht. Nicht nur, weil wir es uns nicht leisten können, es hat meistens keine Grundlage. Klar kritisiere ich auch manchmal Russland und die USA. Aber es ist in unserem Interesse, Verbündete zu sein und keine Feinde, da wir und Russland vieles gemeinsam haben.

Sie haben gesagt, dass Sie eine “Alternative” zu dieser Russophobie entwickeln möchten. Wie wird diese aussehen? Wie wollen Sie es schaffen, mit dieser Alternative die politischen Eliten anzusprechen?

Wenn es notwendig ist, sollten sich Verbündete gegenseitig als Freunde kritisieren können. Wenn es natürlich um den schrecklichen Terrorangriff gegen meine Landsleute geht wie den Abschuss des MH17-Flugzeugs oder andere Dinge, gibt es eine Menge Kritik beziehungsweise Forderung nach Zusammenarbeit mit Russland. Aber wir haben mit Russland in anderen Bereichen auch sehr viel gemeinsam. Wir haben die gleiche Kultur, wir sind Christen, ein großer Teil von Russland ist orthodox. Wir haben oft die gleichen Schwierigkeiten, wenn es um die Zukunft der Einwanderung geht. Wir beide hatten schlechte Erfahrungen mit Terrorismus. Sei es in Moskau oder in Tschetschenien, wir hatten ähnliche Erfahrungen, die Russland in der Vergangenheit machte. Deshalb sollten wir nicht nur Kritik üben, sondern auch zusammenarbeiten. Ich freue mich sehr, dass der russische Botschafter mich zu Beginn des nächsten Jahres eingeladen hat, Russland und das russische Parlament zu besuchen. Ich freue mich, Ihre Regierung zu treffen, vielleicht auch einige kritische Bemerkungen auszutauschen und dafür auch ein besseres Verständnis zu bekommen. Russland ist nicht unser Feind. Ich bin der Meinung, dass Russland unser Verbündeter ist und wir sollten in bessere Beziehungen zu Russland investieren.

Die Medien bezeichneten Sie als “den niederländischen Donald Trump”. Ich weiß nicht, ob das Ihnen gefällt. Was denken Sie dazu? Glauben Sie, viele Gemeinsamkeiten mit dem US-Präsidenten zu haben?

Ich respektiere Herrn Trump in einigen Aspekten. Bei anderen Aspekten habe ich keinen Respekt für ihn. Ich denke noch immer, dass, wenn ich ein Amerikaner wäre, was ich nicht bin, dann hätte ich Trump und nicht Clinton gewählt. Aber ich bin kein Amerikaner. Ich bin Niederländer und ich bin für die Politik meines Landes zuständig, obwohl ich derzeit in der Opposition bin. Also darf man mich da nicht vergleichen. Aber ich denke, die Stärke von Herrn Trump und auch von Herrn Putin liegt darin, dass sie die Interessen ihrer Länder allen anderen voranstellen. Herr Putin sagt „Russland zuerst“ im Interesse der Russen. Herr Trump macht das Gleiche in seinem Land. Ich wünsche mir, wir hätten genauso eine Führungskraft in Europa und in meinem Land, den Niederlanden, der genauso wie Trump oder Putin sagen würde „die Niederlande zuerst“ oder „Europa zuerst“, nicht die EU. Wir haben das aber nicht.

Ich möchte ein wenig über die Beziehungen der EU mit den USA sprechen. Kanzlerin Merkel meinte, die EU müsse sich nun auf sich selbst verlassen, da die Beziehungen zwischen den USA und Europa wegen Donald Trump zu bröckeln beginnen. Sehen Sie in der derzeitigen US-Administration einen verlässlichen Partner?

Ich denke nicht, dass es so schlecht ist. Ich glaube, die europäischen Politiker instrumentalisieren die Situation. Sie wünschen sich, dass die Beziehung zu den USA sich verschlechtern. Sie beklagen die schlechten Beziehungen zu den USA oder Russland, nur um zu ihren Bürgern sagen zu können, dass wir die EU brauchen. Aber lassen Sie sich bitte nicht in die Irre führen von Politikern wie Frau Merkel und Herrn Macron, dem französischen Präsident, der sagt, dass wir ein stärkeres Europa brauchen. Wir bekommen heute sogar eine europäische Armee. Ich will aber keine europäische Armee. Wir brauchen keine. Die Politiker wollen den Menschen Angst einjagen mit den schlechten Beziehungen zu Russland oder den USA, nur um die Supranationalität der Europäischen Union zu stärken. Das ist der echte Grund und das ist etwas, bei dem ich mich nicht anschließe.

Herr Wilders, die EU hat während der Obama-Führung die amerikanischen Strategien sehr beachtet. Jetzt gibt es aber Meinungsunterschiede mit Trump. Werden die USA ihren Einfluss auf Europa verlieren?

Ich denke, Amerika ist ein wichtiger Verbündeter für Europa. Die Amerikaner sind unsere Freunde, wie auch die Russen es sein sollten. Klar gibt es unterschiedliche Regierungen. Und obwohl man die Maßnahmen der US-Regierung kritisieren oder – umgekehrt – bejubeln kann, können wir uns keine schlechten Beziehungen sowohl zu Amerika als auch zu Russland leisten. Nur die russische oder nur die amerikanische Regierungsweise zu kritisieren, was viele Politiker tun, ist sehr verantwortungslos. Amerika ist ein wichtiger Verbündeter und Herr Trump ist der Präsident eines wichtigen Landes. Genau wie Herr Putin. Und wir sollten mit beiden gute Beziehungen haben.

Herr Wilders, danke, dass Sie bei uns waren.

Mehr lesen:  Oliver Stone im Exklusiv-Interview für RT: "Wladimir Putin ist der ultimative Verhandlungsführer"