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Wiener Forscher: Wir brauchen pädagogischen Rahmen für den Islam im Kindergarten

Wiener Forscher: Wir brauchen pädagogischen Rahmen für den Islam im Kindergarten
Symbolbild. Kinder bei einer Puppentheater-Vorstellung in ihrer Einrichtung.
Sind islamische Kindergärten in der österreichischen Hauptstadt Einrichtungen, die sprachliche und kulturelle Abschottung betreiben? Schicken die Eltern ihre Kinder aus religiösen Gründen dorthin? Eine Studie sechs Wiener Wissenschaftler brachte ernüchternde Ergebnisse.

In Wien wurde heute die mit Spannung erwartete Studie zu den sogenannten Islam-Kindergärten in der österreichischen Hauptstadt präsentiert. Die wissenschaftlich anerkannten Ergebnisse sollen nun die Debatte über moslemische Betreuungseinrichtungen beenden, die eine nicht repräsentative Vor-Studie aus dem Jahr 2015 entfachte.

Damals veröffentlichte der Religionspädagoge Ednan Aslan vom Institut für islamische Studien der Universität Wien Zwischenergebnisse einer sechsmonatigen Untersuchung, die muslimische Kindergärten als Orte präsentierte, in denen Parallelgesellschaften herangezüchtet werden. Es hieß, die Erziehung sei stark religiös geprägt und erfolge nicht immer auf Deutsch. Interreligiöser Dialog finde de facto nicht statt. Im Raum stand auch der Verdacht, dass ihre Tätigkeit zu wenig von der Stadt kontrolliert werde. Die Autoren bemängelten damals, dass es auch schwer durchschaubar sei, wer genau hinter den Betreibern der Einrichtungen stecke. Es hieß sogar, dass es bei einzelnen Verbindungen zu radikalen Organisationen geben könnte.

Der neue österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (l.) und sein Vize Heinz-Christian Strache: Sieben Wochen brauchten sie für ein gemeinsames Programm. Mehr Grund zur Freude über die neue Koalition müsste der FPÖ-Chef Strache haben - Verschärfung der Migrationspolitik ist eine der Kernaufgaben.

Daraufhin forderte der damalige Außenminister Sebastian Kurz, dessen Ministerium die Untersuchung in Auftrag gegeben und finanziert hatte, eine Schließung der Islam-Kindergärten. Die Einrichtungen sorgen seiner Ansicht nach für sprachliche und kulturelle Abschottung in Wien.

Nun zeigen die heute präsentierten Ergebnisse, dass die Religion zunehmend aus den Einrichtungen verdrängt wurde. "Wir können sehr klar nachweisen, dass es insbesondere seit 2015 einen dramatischen Rückgang von Religion, vor allem in Einrichtungen, die einen Bezug zum Islam haben, gibt", sagte Henning Schluß von der Uni Wien.

Stigmatisierung islamischer Kindergärten

Die Diskussion, die nach 2015 ausbrach, habe zu einer solchen Stigmatisierung von islamischen Kindergärten und -gruppen geführt, dass diese entweder von sich aus alle Bezüge zum Islam im Alltag der Einrichtungen kappten oder von der Kindergarten-Aufsicht massiv darauf hingewiesen wurden. Das sei keine positive Entwicklung, sondern "bedenklich", argumentierte Schluß laut dem österreichischen Online-Portal oe24. Auf diese Weise wandere der Islam aus den Kindergärten und Kindergruppen heraus, in einen Bereich, der pädagogisch nicht mehr verantwortet werden könne.

Einige Ergebnisse seien anders ausgefallen, als man erwartet hätte. So wurde auch untersucht, ob islamische Kindergärten zur Bildung von Parallelgesellschaften beitragen. "Sie sind manchmal ein Sammelbecken für diejenigen, die woanders keinen Platz finden und nicht aufgenommen werden. Wir haben es also nicht mit Abspaltung, sondern mit Ausgrenzung zu tun," so Henning Schluß.

Laut Forschern liege das teilweise an zu hohen Beiträgen, die sich sozial schwächere Familien nicht leisten könnten, oder auch daran, dass in Kindergärten der Stadt Wien Kinder oft nur einen Platz finden würden, wenn beide Eltern arbeiten. In einigen Einrichtungen werde auch kein Essen angeboten, dass den islamischen Speisevorschriften entspreche.

Die Studie wurde in Form von zwei Teilprojekten durchgeführt. Ednan Aslan war für die Analyse der Betreiber sowie die Erwartungen muslimischer Eltern verantwortlich. Laut der Kleinen Zeitung identifizierte er anhand von sieben Kriterien 166 Kindergärten (von 77 Betreibern) und 338 Kindergruppen (von 125 Betreibern) als islamisch. Von letzteren seien 110 auf vier, fünf Personen zurückzuführen, die seiner Ansicht nach den politischen Islam in Österreich betreiben würden. Ob diese politische Orientierung auch in den Einrichtungen wirke, könne er nicht sagen.

Religiöse Erziehung und Koranunterricht genießen hohe Wertschätzung

Nach Veröffentlichung der Pilotstudie 2015 sah sich die Stadt veranlasst, die Kontrollen zu intensivieren. Die Kinderbetreuungseinrichtungen reagierten unterschiedlich. Während ein Teil religiöse Erziehung und Koranunterricht ohne bestimmten Rahmenplan weiterhin anbietet, verschob ein anderer Teil die religiöse Erziehung in Sonderprogramme, außerhalb der Öffnungszeiten oder an den Wochenenden. Bei den Eltern genieße das Angebot an religiöser Erziehung und Koranunterricht hohe Wertschätzung. Deshalb würde ihr Widerstand gegen ein Verbot des Islamunterrichts entsprechend heftig ausfallen. Die islamischen Kindergärten verstehen sich laut Ednan Aslan selbst als Schutzräume für muslimische Kinder und Eltern gleichermaßen vor einer von ihnen empfundenen gesellschaftlichen Benachteiligung.

Alle Studien-Autoren seien sich einig, dass es einen pädagogischen Rahmen für die Religion, konkret den Islam, im Kindergarten brauche. „Die Entscheidung, alles Religiöse zu verbannen, ist nicht zuträglich. Religion als Teil der Lebenswirklichkeit ist sinnvoll“, sagt Nina Hover-Reisner von der Fachhochschule Campus Wien. Insgesamt 698 Einrichtungen in Wien wurden untersucht – mit Fragebögen, Gruppendiskussionen, Befragungen und einer Auswertung der bei den Kontrollen durch die Stadt angelegten Handakten.

Verstärkte Kontrollen in islamischen Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen 

Die Stadt Wien hat 2009 den Gratis-Kindergarten eingeführt, später kam das verpflichtende Kindergartenjahr. Damit soll der Erwerb deutscher Sprache bei den Kindern aus Familien mit einem Migrationshintergrund gefördert werden. Rund 70.000 Betreuungsplätze für Untersechsjährige stehen in Wien zur Verfügung. In den Kindergärten liegt der Anteil von Mädchen und Jungen mit nichtdeutscher Umgangssprache bei knapp 60 Prozent. In den Einrichtungen, egal ob städtisch oder privat betrieben, muss Deutsch gesprochen werden. Zudem sei ein expliziter Religionsunterricht nicht erlaubt.

Integration ist ebenfalls eines der Kernthemen des neuen österreichischen Regierungsprogramms. Verstärkte Kontrollen in islamischen Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen unter dem Aspekt des besonderen Schutzes von Frauen und Mädchen werden angestrebt. Unter anderem sollen auch die Mütter stärker an der Gesellschaft sowie am Arbeitsmarkt teilnehmen. 

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