UN-Menschenrechtschef fordert Untersuchung von Tötung eines behinderten Protesters durch IDF

UN-Menschenrechtschef fordert Untersuchung von Tötung eines behinderten Protesters durch IDF
Das UN-Menschenrechtsbüro hat die Ermordung eines Palästinensers im Rollstuhl sowie den exzessiven Einsatz von Gewalt durch Israel verurteilt. Zu den Protesten kam es, nach dem die USA die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels angekündigt hatten.

"Die Fakten, die bisher von meinen Mitarbeitern in Gaza gesammelt wurden, legen nahe, dass die Gewalt gegen Ibrahim Abu Thurayeh exzessiv war", erklärte der Hohe Kommissar für Menschenrechte der UN, Zeid Ra'ad Al Hussein, am Dienstag.

Mindestens vier Palästinenser wurden getötet und mehr als 150 verletzt, als Tausende am vergangenen Freitag auf die Straßen des Westjordanlandes, des Gazastreifens und in Jerusalems gingen. Unter den Getöteten ist der 29-jährige Thurayeh, ein Aktivist mit Behinderung, der an den Rollstuhl gefesselt war, nachdem er beim israelischen Angriff auf Gaza im Jahr 2008 angeblich beide Beine verloren hatte.

Soziale Medien wurden mit Videos und Fotos von Thurayeh - im Rollstuhl sitzend und eine palästinensische Flagge schwenkend - ein paar Stunden vor seinem Tod überschwemmt. "Dieses Land ist unser Land, wir werden nicht aufgeben. Amerika muss seine Entscheidung zurückziehen", sagte er angeblich in einem Video, das von AFP gesichtet wurde.

Auch interessant: Einer gegen alle: USA blockieren UN-Resolution gegen Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt

Stunden später wurde Thurayeh von israelischen Streitkräften bei Zusammenstößen in Anata, einem Dorf in der Nähe von Jerusalem, wo die IDF scharfe Munition und Gummigeschosse gegen die Palästinenser abfeuerte, erschossen. Der UN-Menschenrechtschef verurteilte die Masse an Munition und das brutale Vorgehen der israelischen Streitkräfte und bezeichnete Thurayehs Ermordung als "schockierende und mutwillige Tat".

Nichts deutet darauf hin, dass Ibrahim Abu Thurayeh unmittelbar mit dem Tod oder einer schweren Verletzung drohte, als er getötet wurde. Angesichts seiner schweren Behinderung, die für diejenigen, die ihn erschossen haben, deutlich sichtbar gewesen sein muss, ist seine Tötung unverständlich - ein wahrhaft schockierender und mutwilliger Akt", sagte Hussein.

Er behauptet, dass die IDF gegen internationale Menschenrechtsgesetze verstoßen habe, die die Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten strikt regeln. "Der tödliche Gebrauch von Schusswaffen sollte nur als letztes Mittel eingesetzt werden, wenn es absolut unvermeidlich ist, um das Leben zu schützen", betonte Hussein.

Nach den tödlichen Zusammenstößen am Freitag sagte das israelische Militär, dass "während der gewalttätigen Ausschreitungen die IDF-Soldaten selektiv auf die Hauptanstifter feuerten", nachdem die Randalierer Feuerbomben, Steine und brennende Reifen auf Soldaten und Grenzpolizisten geworfen hatten.

Nach der öffentlichen Reaktion auf den Tod des Palästinensers kündigte die israelische Armee am Sonntag an, dass sie eine Untersuchung des Falles einleiten werde. Bereits am Montag hieß es in einem Bericht des IDF, dass die eigenen Soldaten nicht absichtlich auf Thurayeh schossen. "Es wurde nicht mit scharfer Munition auf ihn gezielt. Es ist unmöglich festzustellen, ob Ibrahim Abu Thurayeh verletzt wurde, als die Unruhen zerstreut wurden, oder was seinen Tod verursacht hat."

Mindestens fünf Menschen sind bis jetzt getötet und über 1.000 verletzt worden – und Israel setzt weiterhin Phasenmunition, Gummigeschosse und andere Zerstreuungswaffen ein, um nach Trumps Erklärung vom 6. Dezember, die Massenunruhen hervorrief, gegen Palästinenser vorzugehen, erklärte die UNO am Dienstag. Palästinas Nachrichtenagentur Maan schätzt jedoch, dass in den zwei Wochen andauernder Zusammenstöße mindestens zehn Palästinenser getötet wurden, nachdem die Hamas auf eine neue Intifada zur Befreiung Jerusalems gedrängt hatte. Der Einsatz von scharfer Munition hat dazu geführt, dass in Gaza gemäß UNO-Angaben über 220 Menschen verletzt wurden, davon allein 95 am Freitag.

Dieses Maß an Opfern wirft ernste Bedenken darüber auf, ob die von den israelischen Streitkräften eingesetzte Gewalt richtig auf die Bedrohung kalibriert wurde", sagte Hussein.

Er forderte Israel auf, "unverzüglich eine unabhängige und unparteiische Untersuchung dieser" und anderer tödlicher Vorfälle einzuleiten. "Und diese Ereignisse, einschließlich des Verlustes von fünf unersetzlichen Menschenleben, sind leider direkt auf die einseitige Ankündigung der USA über den Status von Jerusalem zurückzuführen, die den internationalen Konsens bricht und gefährlich provokativ war."

Mehr lesen: Rechtsregierung ist nicht koscher: Israel stellt sich gegen die Zusammenarbeit mit FPÖ