Frostbedingte Engpässe: Großbritannien kauft sanktioniertes russisches Gas aus Arktis

Frostbedingte Engpässe: Großbritannien kauft sanktioniertes russisches Gas aus Arktis
Eisige Temperaturen haben eine große Gaspipeline nach Großbritannien lahmgelegt. Das Vereinigte Königreich will nun offenbar Ersatz über ein russisches Projekt erlangen, das durch US-Sanktionen tangiert ist. Bis Ende Dezember soll die Lieferung einlangen.

Ein britisches Unternehmen hat rund 170.000 Kubikmeter verflüssigtes Erdgas (LNG) erworben, das der Tanker Christophe de Margerie, das erste Schiff des von Novatek betriebenen Jamal-Projekts in der Arktis, befördert. Die Lieferung ist derzeit auf dem Weg zum Isle of Grain Terminal im Vereinigten Königreich, berichtet der Telegraph.

Novatek, einer der größten russischen Erdgasproduzenten, gab am Montag bekannt, die Ladung an die Petronas LNG UK Limited (PLUK), die britische Niederlassung der malaysischen Petronas, verkauft zu haben. PLUK hält eine 50-prozentige Beteiligung am Dragon LNG Terminal in Milford Haven, so dass der Tanker auch diesen ansteuern könnte, berichtet S&P Global Platts. Novatek hat zwar bisher keinen Kommentar zum endgültigen Bestimmungsort des Schiffes abgegeben, laut der Seite marinetraffic.com, auf der man Schiffe und deren Routen verfolgen kann, wird er die Isle of Grain aber am 28. Dezember erreichen.

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Während sich derzeit eine Kältewelle über Großbritannien festsetzt, hat die Schließung der wichtigsten Kraftstofftransportroute der Nordsee die Behörden in eine prekäre Lage gebracht. Ineos, ein privates Unternehmen, das eine wichtige Raffinerie in der Nähe von Aberdeen besitzt, sagte, man habe einen Riss in einer wichtigen 42 Jahre alten Öl- und Gaspipeline entdeckt. Dieser erfordere Wartungsarbeiten, die mindestens zwei Wochen andauern werden.

Temperaturen um 15 Grad kälter als üblich

Diese Erschwernisse, zusammen mit einer Explosion in einer großen Gasanlage in Österreich, haben in Summe dazu geführt, dass die Großhandelspreise für Gas in den vorangegangenen Tagen den höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht haben und innerhalb von 24 Stunden um mehr als 50 Prozent gestiegen waren.

Hinzu kommt, dass das Morecambe-Gasfeld in der Irischen See nur die Hälfte seiner üblichen Fördermenge liefert und dass es auch in den niederländischen und norwegischen Betrieben, die den Energiebedarf des Vereinigten Königreichs decken, zu Lieferungsunterbrechungen gekommen ist.

Die kritische Lage resultiert daraus, dass die Temperaturen in Mittelengland auf minus 13 Grad Celsius gefallen sind - das ist um fast 15 Grad kälter als der übliche durchschnittliche Dezember-Tiefststand.

In der Zwischenzeit hat die britische Premierministerin Theresa May ihre antirussische Rhetorik der letzten Wochen verschärft, indem sie Moskau beschuldigte, sich in Wahlen einzumischen und "Informationen als Waffe zu nutzen, um den Westen herauszufordern". Die konservativ geführte britische Regierung gehörte zu den lautesten Stimmen derer, die Sanktionen und Embargos gegen Russland forderten.

Ironischerweise wurde die Christophe de Margerie, die jetzt Gas nach Großbritannien transportieren könnte, auf persönliches Kommando des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Hafen Sabetta im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen im Norden Russlands beladen.

Russland liefert trotz Hetze aus der Downung Street

Gegenwärtig zielen britische und EU-Sanktionen nicht direkt auf das Jamal-Projekt ab, aber sie haben Russland durch verschiedene Einschränkungen behindert, die es dessen Energieunternehmen unmöglich machen, für andere Vorhaben Finanzmittel und Technologie zu erhalten. Dies wirkt sich auf die Innovation und die Entwicklung neuer Felder und Liefermechanismen aus. In weiterer Folge könnte diese Entwicklung letztendlich aber die künftige Fähigkeit Russlands gefährden, das übrige Europa zu beliefern. Die Financial Times zitierte eine "Person, die dem russischen Energieministerium nahe steht", die sagte, dass diese Situation des Vereinigte Königreiches "wie jemand erscheint, der die Hand beißt, die ihn füttert".

Die jüngste Erschütterung Großbritanniens und seiner Energieversorgung wirft eine umfassendere Frage der Energiesicherheit auf dem Kontinent auf. Dies gilt insbesondere angesichts der US-amerikanischen Versuche, die Entwicklung der Pipeline Nordstream 2, die den deutschen Markt mit russischem Gas versorgen soll, zu verhindern. Berlin betrachtet die neue Pipeline als lebenswichtig für seine Interessen, und Moskau sieht darin eine Möglichkeit, eine feindlich gesinnte Ukraine daran zu hindern, sich in russische Energieexporte in die Europäische Union einzumischen.

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