Britischer Militärchef: Müssen uns vor russischen Angriffen auf Unterseekabel wappnen

Britischer Militärchef: Müssen uns vor russischen Angriffen auf Unterseekabel wappnen
Die der Schwarzmeerflotte angehörige "Krasnador" vor der syrischen Küste während eines Einsatzes gegen den "Islamischen Staat". Das russische U-Boot zählt zu den leisesten der Welt und ist daher kaum zu orten.
Der Befehlshaber der britischen Streitkräfte malt ein Horrorszenario an die Wand: Die russische Marine könnte mit Angriffen auf Unterseekabel die westliche Lebensweise zerstören und die Weltwirtschaft zum kollabieren bringen. Dagegen müsse sich der Westen wappnen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem westliche Medien, Politiker und Militärs nicht neue Bedrohungen heraufbeschwören, die angeblich von „Putins Reich“ ausgehen. Nun übt sich der militärische Befehlshaber der britischen Streitkräfte in antirussischer Panikmache. Gegenüber der BBC sagte Stuart Peach:

Weiß wo der Hammer hängt: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Es gibt ein neues Risiko für unsere Lebensweise, nämlich die Verwundbarkeit der Kabel, die die Meeresböden kreuzen."

Der oberste militärische Berater des britischen Verteidigungsministeriums meint auch zu wissen, was unsere Lebensweise bedroht: Die russische Marine. Diese stelle nach der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angeordneten Modernisierung eine ernsthafte Bedrohung für den Westen dar.

Russland, zusätzlich zu neuen Schiffen und U-Booten, perfektioniert weiterhin sowohl seine Fähigkeiten zur unkonventionellen Kriegsführung als auch die zur Informationskriegführung. Deshalb müssen wir unsere Seestreitkräfte gemeinsam mit unseren Verbündeten weiterentwickeln, um der Modernisierung der russischen Flotte gerecht zu werden."

Eine Unterbrechung der Unterseekabel wäre mit „unmittelbaren und potenziell katastrophalen“ Folgen für die Wirtschaft verbunden, so Peach, weshalb sich Großbritannien und dessen Verbündeten verstärkt gegen die russische Gefahr wappnen müssten.

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„Das sollte uns alle beunruhigen“

Die Warnung des Militärs erfolgt vor dem Hintergrund eines vor zwei Wochen veröffentlichten Berichts der britischen Denkfabrik „Policy Exchange“, die der konservativen Partei nahesteht. Darin ist die Rede davon, dass 97 Prozent der globalen Kommunikation über die Unterseekabel abgewickelt werden. Täglich rauschen demnach Finanztransaktionen in einem Wertumfang von 10 Billionen US-Dollar durch die Leitungen.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrieren immer wieder Menschen gegen das von Saudi-Arabien verursachte Elend.

Unter Verweis auf US-Geheimdienste behauptet der Bericht, russische U-Boote würden in der Nähe von Atlantikkabeln „aggressiv operieren“. Im von ihm verfassten Vorwort des Berichts schreibt der pensionierte US-Admiral James Stavridis:  

Es sind nicht Satelliten am Himmel, sondern Rohre auf dem Meeresboden, die das Rückgrat der Weltwirtschaft bilden. Wir haben zugelassen, dass diese lebenswichtige Infrastruktur immer anfälliger wird, und das sollte uns alle beunruhigen."

Während seiner eigenen Karriere habe er beobachten können, wie die einst nahezu vollständige Kontrolle des Atlantischen Ozeans durch die NATO nun zunehmend von der russischen Marine streitig gemacht werde.

Wenn die relative Schwäche der russischen Position einen konventionellen Konflikt mit der NATO unwahrscheinlich macht, erhöht dies auch die Attraktivität asymmetrischer Ziele wie Glasfaserkabel. Wir sollten uns auf eine verstärkte maritime Hybridaktivität vorbereiten, nicht nur aus Russland, sondern auch aus China und dem Iran“, so der US-Admiral.

Welches Motiv Russland haben könnte, durch Angriffe auf Unterseekabel einen weltweiten Finanzkollaps herbeizuführen, unter dem es selber leiden würde, ließ Stuart Peach offen. Für seine Panikmache über russische Angriffe auf die globalen Kommunikationsstränge lässt sich hingegen ein Motiv erahnen. Denn diese erfolgte „vor dem Hintergrund beabsichtigter Kürzungen bei den britischen Streitkräften, einschließlich einer Verringerung der Anzahl der Marinesoldaten von 7.000 auf 6.000 und der Verschrottung von zwei amphibischen Landungsschiffen im Rahmen einer Sicherheitsüberprüfung des Kabinetts, die Anfang nächsten Jahres ansteht“, so der Guardian.

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