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Griechenland liefert russischen IT-Fachmann an die USA aus - Ihm drohen 55 Jahre Haft

Griechenland liefert russischen IT-Fachmann an die USA aus - Ihm drohen 55 Jahre Haft
Alexander Vinnik (38) wird am 4. Oktober in den Gerichtssaal geführt.
Das Oberste Gericht Griechenlands stimmte am Mittwoch einer Auslieferung des IT-Fachmanns Alexander Winnik an die USA zu. Ihm drohen dort 55 Jahre Haft. Zuvor hatte Griechenland auch seiner Auslieferung nach Russland zugestimmt.

Das Verfahren rund um den russischen IT-Fachmann Alexander Winnik ist nicht nur für Politiker und Juristen von Interesse, sondern in erster Linie für diejenigen, die sich mit Kryptowährungen beschäftigen, schreibt die russische Zeitung Kommersant. Die Gesetzgebung in diesem Bereich formiere sich erst und seine Geschichte könnte zum Präzedenzfall werden.

Die US-Justiz wirft Winnik das Betreiben einer Bitcoin-Börse namens BTC-e vor. Über diese habe er Gelder kriminellen Ursprungs weißgewaschen – die Rede ist von vier Milliarden US-Dollar seit 2011.

Die Festnahme Winniks erfolgte im Juli 2017 während seines Urlaubs mit Frau und Kindern. Beteiligt daran waren FBI-Offiziere, die speziell dafür nach Griechenland eingereist waren. Am 4. Oktober hat das zuständige Gericht in Saloniki dem US-amerikanischen Gesuch auf Auslieferung stattgegeben. Dort drohen dem Russen 15 Millionen US-Dollar Strafe und 55 Jahre Haft.

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Anwalt: "Winnik hatte weder eigene Banken noch Verbindung zu betroffenen Firmen"

Kurz nach Aufnahme der Ermittlungen in den USA warf auch die Staatsanwaltschaft in Moskau Winnik Betrug in Höhe von 600.000 Rubel (umgerechnet 8.500 Euro) vor. Einer Auslieferung nach Russland hat das zuständige Gericht ebenso zugestimmt. In Russland drohen Winnik bis zu sechs Jahre Haft. Die russischen Ermittlungen beziehen sich jedoch nicht auf die Kryptowährung. Moskau ging gegen den Beschluss, Winnik in die USA auszuliefern, in Berufung und die Angelegenheit landete beim Obersten Gericht Griechenlands. 

Am 13. Dezember entschied das Gericht zugunsten der Amerikaner. Die Begründung wird erst in einer Woche bekannt gegeben. Der Anwalt von Alexander Winnik, Timofej Muratow, hat mehrere Zeugen vorgeladen und sonstige Beweise gesammelt, welche die Unschuld seines Mandanten beweisen sollen. Winnik könne allein aus technischen Gründen die ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht begangen haben, sagte Muratow dem Kommersant:

Er wäre nur dann in der Lage, die Finanzmittel weißzuwaschen, wenn er über eigene Finanzstrukturen - wie Banken oder ähnliches - verfügte. Er stand in keiner Weise damit in Verbindung, und er hatte keine solchen. Dem Gericht hatten wir die Beweise vorgelegt, dass die Unternehmen, über die das Weißwaschen der Mittel erfolgt sein sollen, nichts mit Alexander Winnik zu tun haben", so der Anwalt weiter zu Kommersant.

Zeitliche Reihenfolge der Erstverfolgungshandlungen entscheidet - und die geopolitische Hackordnung

Am 13. Dezember ging es vor dem Obersten Gericht nicht um das russische Gesuch, da dieses nicht angefochten wurde. Die russische Seite legte ihrerseits jedoch gegen die Entscheidung, Winnik in die USA auszuliefern, Berufung ein. Die zweite Instanz hat diese nun verworfen. In Reaktion darauf appellieren die Russen nun erneut gegen diese Entscheidung und in zwei Wochen soll das griechische Justizministerium die endgültige Entscheidung darüber treffen, welches Verfahren gegen Winnik wo stattfinden soll.

Der Fall weist deutliche Parallelen zu den Verfahren gegen die russischen Bürger Wiktor But und Konstantin Jaroschenko auf, die in den USA zurzeit lange Haftstrafen absitzen. Der Ex-Anwalt von Wiktor But, Alexej Binezki, schätzt die Perspektiven für Winnik als wenig erfolgversprechend ein:

Es ist in der ersten Linie politischen Interessen geschuldet – der Kollision höherer Interessen, darunter der Kontrolle über Hochtechnologien und Computer-Kommunikationen. Außerdem: Das Gesuch der Amerikaner kam früher und es wiegt viel schwerer. Deswegen sagen sie: 'Wieviel hat er bei euch gestohlen? 600.000 Rubel? Wir merken es uns, aber ihr kriegt ihn erst später.'

Das russische Außenministerium kritisierte die Entscheidung über die Auslieferung an die USA. Das russische Gesuch sollte vorgezogen werden, weil Alexander Winnik russischer Staatsbürger ist.

Dieses Verdikt löst große Verwunderung im Kontext der freundschaftlichen zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Griechenland und Russland aus", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Bezug auf die Entscheidung der ersten Instanz.   

Der Politologe Wassili Koltaschow sieht in der Auslieferungsentscheidung die Konsequenz aus der starken Abhängigkeit Griechenlands von Deutschland. Wenn die Deutschen auf Druck der Amerikaner etwas von den Griechen wollen - und auch die Auslieferung könnte dazu gehören -, brächten auch Proteste von russischer Seite nichts, so Koltaschow zum Kommersant.

Ehefrau: Jagd auf russische IT-Profis

Auch sehr schlimme Haftbedingungen, denen Winnik ausgesetzt sein soll, sprechen für die These eines abgekarteten Spiels. Sein Mandant befinde sich in einer überfüllten Zelle mit Schwerkriminellen, er habe nicht einmal eine Matratze und schlafe auf Eisenrost, so Anwalt Muratow gegenüber RIA Nowosti. Ihm gegenüber gelte vonseiten der griechischen Behörden das strengste, das "rote Regime", wonach Winnik nicht einmal Gegenstände zur persönlichen Hygiene selbst besitzen dürfe.

Die Frau des Festgenommenen, Alexandra Schewtschenko, sagte im Gespräch mit RIA Nowosti, dass die Beschuldigungen gegen ihren Mann absurd seien. Über sie und ihren Mann werde in griechischen Medien viel gelogen. So werde beispielsweise wahrheitswidrig behauptet, dass Winnik mit seiner Familie ein Luxus-Apartment in Griechenland gemietet hätte. Die USA führe weltweit eine regelrechte Jagd auf russische IT-Spezialisten durch. Ähnliche Fälle habe es auch schon in Tschechien und Spanien gegeben, so Schewtschenko.

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