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Russische Olympia-Teilnahme: Kreml hält sich aus der Debatte zurück

Russische Olympia-Teilnahme: Kreml hält sich aus der Debatte zurück
Der russische Präsident Wladimir Putin und Premier-Minister Dmitri Medwedew.
Das offizielle Russland verzichtet auf einen Boykott der Winterspiele in Südkorea: Präsident Wladimir Putin hat die Auflagen des IOC gegen Russland akzeptiert. Die Anschuldigungen hinsichtlich eines organisierten Dopings weist der Kreml gleichzeitig zurück.

Russland verzichtet trotz der empfindlichen Strafen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Dopingskandal auf einen Boykott der bevorstehenden Winterspiele in Südkorea. Präsident Wladimir Putin akzeptierte, dass seine Sportler unter neutraler Flagge und ohne russische Hymne antreten müssen. Erfüllt der Verband alle Auflagen des IOC, kann Russland schon am 25. Februar zur Schlussfeier in Pyeongchang wieder unter seiner Flagge teilnehmen.

Wir werden zweifellos nicht diejenigen blockieren, die teilnehmen wollen", sagte Putin am 6. Dezember in Nischni Nowgorod, als er seine Kandidatur für eine vierte Amtszeit als Präsident ankündigte.

Für den 12. Dezember ist eine Sitzung des russischen Olympia-Teams anberaumt. Darin wollen die Verantwortlichen über die Teilnahme "einzelner Athleten aus Russland"- so der Wortlaut des IOC-Beschlusses - diskutieren. Über die Teilnahme derjenigen russischen Sportler, die an den Spielen unter weißer Olympiaflagge teilnehmen möchten, wird am Ende eine spezielle IOC-Kommission nach strengen Kontrollen individuell entscheiden.

Klagewelle aus Russland nach IOC-Entscheid

Der Wunsch vieler Sportler, ungeachtet der Vorwürfe an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ist jedoch nicht mit der Anerkennung der Richtigkeit dieser Vorwürfe gleichzusetzen. Sowohl die russische Regierung als auch die Sportler weisen die Anschuldigungen eines systematischen Dopings zurück. Vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gingen bereits die ersten Klagen von 22 russischen Wintersportlern ein, die das IOC lebenslang für Olympia gesperrt hatte. Auch das Nationale Olympische Komitee des Landes (ROC) könnte gegen seinen Ausschluss in Pyeongchang vor dem CAS klagen. Wladimir Putin selbst brachte am 6. Dezember erneut sein Unverständnis für die Schlussfolgerungen der Schmid-Kommission des IOC zum Ausdruck:

Die meisten Anschuldigungen basieren auf Vorwürfen, die in keiner Weise bestätigt wurden und zumeist keine Grundlage haben", sagte der russische Staatschef.

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Wie zuvor Wladimir Putin nannte auch der russische Premier Dmitri Medwedew das Vorgehen gegen den russischen Sport politisch motiviert. Es solle Unruhe vor der Präsidentenwahl 2018 schüren.

Wir können und wir werden nicht etwas zugeben, das auf fehlerhaften Schlussfolgerungen beruht", sagte Medwedew zu den IOC-Vorwürfe gegen Russland am Donnerstag in Moskau.

Die Behauptung eines systematischen Dopings sei eine "klare Lüge", die sich nur auf Aussagen eines einzelnen, zweifelhaften Zeugen stütze, sagte der Ministerpräsident der Agentur Interfax zufolge.

Medwedew meinte damit Grigori Rodschenkow, früher Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors. Dieser hat nach seiner Flucht in die USA das angebliche System offengelegt. Das russische Sportministerium war dem Schmid-Bericht zufolge bis hinauf zu Vizeminister Juri Nagornych in die Dopingstrukturen verwickelt.

Einigung mit IOC?

Trotz großer Meinungsverschiedenheiten über den Gegenstand der Vorwürfe gegen Russland begrüßte der IOC-Präsident Thomas Bach das grüne Licht für die Teilnahme aus dem Kreml. Damit könne eine neue Generation russischer Athleten eine Brücke in eine "saubere Zukunft des russischen Sports" bauen. Er sei sicher, dass die russischen Sportler am 12. Dezember im Sinne einer Teilnahme entscheiden werden.

Diese Haltung veranlasste bekannte Experten wie den ARD-Journalisten Hajo Seppelt zu der Vermutung, Russland und das IOC hätten sich in dieser Sache geeinigt. Russland sei traditionell zu wichtig für die Olympia-Bewegung, um sich mit dem Land zu stark anzulegen, so Seppelt in seinem Kommentar für Phoenix. Seppelt hatte die Story um das angebliche Staatsdoping in Russland mit seinen Filmen erst ins Rollen gebracht hat und berichtete am 5. Dezember für die ARD über die IOC-Entscheidung in Lausanne.

Keine Auswirkung auf FIFA

Die Frage nach möglichen Auswirkungen der IOC-Entscheidung auf die kommende Fußball-WM in Russland stand für viele Medien bei der Presse-Konferenz des IOC in Lausanne in Vordergrund. Dass der Dopingskandal auch auf die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Sommer übergreifen könnte, wiesen die russischen Organisatoren - wie schon zuvor der Weltverband FIFA - zurück.

Die Entscheidung des IOC hat keine Auswirkungen auf die Vorbereitungen für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018", hieß es am Mittwoch auf Anfrage der dpa in Moskau.

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Vor allem die Person des ehemaligen Sport-Ministers Witali Mutko, der zurzeit Chef des WM-Organisationskommitees ist, sorgt für Differenzen. Das IOC hat diesen lebenslang von Olympia ausgeschlossen. Die FIFA hatte hingegen Konsequenzen für Mutko abgelehnt. Der Vize-Regierungschef soll demnach das Turnier, das in der Zeit vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 stattfinden wird, weiter verantwortlich organisieren.

Boykott-Debatte und Behördenversagen

Unterdessen werden in russischen Medien die Stimmen derjenigen nicht leiser, die in der IOC-Entscheidung ein Komplott gegen Russland sehen und auf den demnach politisch motivierten Druck eine adäquate politische Antwort fordern. Auch viele hochrangige Duma-Politiker wie der Senator Franz Klinzewitsch sehen das ähnlich.

Kenner der Branche wie der langjährige Sportjournalist Gija Siralidse weisen jedoch darauf hin, dass auch während des Boykotts der Olympischen Spiele in Moskau 1980 mehrere westliche Sportler zu diesen angereist waren – eine juristische Handhabe für einen Boykott gebe es im Gründe nicht. Alternative Spiele für eigene Sportler zu organisieren, wie dies etwa 1984 unter dem Namen Druschba-84 während des sowjetischen Boykotts der Spiele in Los Angeles geschehen sei, dazu sei Russland zurzeit nicht in der Lage.

Viel wichtiger sei es jetzt, die Gründe für das offensichtliche Behördenversagen vonseiten des Sportministeriums zu suchen und Schlüsse aus diesen Skandal zu ziehen. Die Behörden hätten russische Sportler vor Rufschädigung und gestoppten Karrieren viel besser juristisch schützen müssen, so der Experte in seinem Kommentar bei Radiovesti. Auch eine eigene Untersuchungskommission zum internationalen Skandal um mutmaßliche Doping-Manipulationen wäre vonnöten gewesen.

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