Aus Angst vor der FIFA: Perus Politiker stoppen Gesetzentwurf

Aus Angst vor der FIFA: Perus Politiker stoppen Gesetzentwurf
Nach der Qualifikation zur Fußball-WM war die Freude in Peru riesig.
Peru hat sich erstmals nach 36 Jahren wieder für eine Fußball-WM qualifiziert. Doch ein geplanter Gesetzesentwurf gefährdet nun den sportlichen Erfolg. Entgegen den FIFA-Statuten will man den nationalen Fußballverband unter staatliche Kontrolle stellen.

Aus Angst vor einem möglichen Ausschluss Perus von der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland haben Parlamentarier in dem lateinamerikanischen Land ein umstrittenes Gesetzesvorhaben gestoppt. Das Projekt sah vor, dass der peruanische Fußballverband (FPF) einer Kontrolle durch das staatliche Sportinstitut (IPD) unterstellt werden solle. Das Sportblatt "Libero" sah dadurch Perus WM-Teilnahme gefährdet; denn der Weltverband FIFA lässt es nicht zu, dass staatliche Instanzen sich in die Belange nationaler Fußballverbände einmischen.

Die Nachricht löste in der spanischsprachigen Welt Spekulationen aus, dass sich im Falle eines Ausschlusses Perus die Nationalmannschaften Italiens oder Chiles, die in der WM-Qualifikation gescheitert waren, doch noch Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme machen könnten. Peru selbst hatte sich in der abschließenden interkontinentalen Relegationsrunde nach einem 0:0 in Wellington zu Hause mit 2:0 gegen Neuseeland durchsetzen können.

Abgeordnete rudert zurück

Nach Medienberichten vom Donnerstag zogen die Parlamentarier in Lima nun aber den umstrittenen Entwurf zurück und ersetzten ihn durch eine entschärfte Fassung, gegen die die FIFA nach bisherigen Erfahrungen nichts einzuwenden haben dürfte. In dem neuen Entwurf wird die Eigenständigkeit des FPF ausdrücklich unterstrichen.

Die Abgeordnete Paloma Noceda, von der die Initiative zu dem umstrittenen Entwurf ursprünglich ausgegangen war, hatte bereits am Dienstag angekündigt:

Wenn das Vorhaben unsere WM-Teilnahme gefährden könnte, ziehen wir es zurück. Dies ist nur ein Entwurf.

Peru hatte sich zum ersten Mal seit 36 Jahren für eine WM qualifiziert. Beim Turnier in Spanien 1982 war die Mannschaft in der Vorrunde als Gruppenletzter ausgeschieden. Damals befanden sich jedoch mit Italien und Polen der spätere Weltmeister und der spätere Dritte in der gleichen Gruppe. Zudem war Kamerun als unerwartet spielstarker Neuling vertreten.

Neuseeland wäre wahrscheinlichster Nutznießer

Die italienische Nationalmannschaft hatte erstmals seit 60 Jahren die Qualifikation für eine WM verpasst - nach der Ankündigung des Gesetzesvorhabens in Peru träumten einige italienische Medien bereits von einer möglichen Hintertür nach Russland. Aber auch Neuseeland als in den Playoffs gegen Peru unterlegenes Team und Chile als in der Südamerika-Qualifikation knapp hinter Peru ausgeschiedene Mannschaft hatten sich plötzlich Hoffnungen gemacht. Der Turnierlogik zufolge wäre wohl Neuseeland als letzter und direkter Play-Off-Gegner der wahrscheinlichste Nutznießer eines Ausschlusses der Peruaner.

Die italienische Zeitung "Corriere dello Sport" griff die Geschichte vom italienischen WM-Traum auf - bezeichnete ihn aber auch als eben solchen:

Wir berichten, was in der peruanischen Zeitung geschrieben steht, selbst wenn wir nicht glauben können, dass die Situation wirklich eintritt.

Es wird für die Italiener wohl bei einem Traum bleiben.