UNO-Kriegsverbrechertribunal verurteilt serbischen General Mladic zu lebenslanger Haft

UNO-Kriegsverbrechertribunal verurteilt serbischen General Mladic zu lebenslanger Haft
Die Richter erklärten Mladic in zehn der elf Anklagepunkte für schuldig und folgten mit dem Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Das Tribunal der UN in Den Haag sprach den bosnisch-serbischen General Ratko Mladic in zehn von elf Anklagepunkten schuldig, die auf Verbrechen während der Balkankriege in den 1990er Jahren lauteten. Kritiker zweifeln die Ausgewogenheit des Gerichts an.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) hat am Mittwoch sein Urteil gefällt. Die Richter befanden Mladic in zehn von elf Anklagepunkten für schuldig. Die Anschuldigungen gehen auf den Bosnienkrieg 1992 bis 1995 zurück. In diesem soll Ratko Mladic unter anderem für Verbrechen während der knapp vierjährigen Belagerung der heutigen bosnischen Hauptstadt Sarajevo und für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein. In Srebrenica wurden nach bisherigen Erkenntnissen bis zu 8.000 Bosniaken getötet. Während der Belagerung von Sarajevo starben rund 11.000 Zivilisten.

Mladic selbst plädierte in allen Anklagepunkten für nicht schuldig. Es ist zu erwarten, dass Mladics Verteidigungsteam gegen das Urteil Berufung einlegen wird.

Der Vorsitzende Richter Alphons Orie erklärte, das Gericht habe festgestellt, dass die Handlungen von Mladic während des Krieges "zu den abscheulichsten gehören, die der Menschheit bekannt sind" und zu einem Völkermord geführt hätten. Das Gericht verurteilte den ethnischen Serben zu lebenslanger Haft.

Das überrascht mich nicht. Das Gericht war von Anfang an völlig voreingenommen", kommentierte Darko, der Sohn von General Mladic, nach dem Urteil.

Bislang nur wenige serbische Angeklagte freigesprochen

Die Verurteilung dürfte in Serbien ohnehin seit Einrichtung des Tribunals bestehende Ressentiments verstärken, wonach die internationale Verfolgung von Verbrechen, die während der Balkankriege begangen wurden, einseitig erfolge. Das Tribunal, so sehen es zahlreiche Serben, habe es versäumt, Opfern bosnisch-muslimischer, kroatischer sowie später im Kosovo auch albanischer Übergriffe Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Von den 161 Personen, die bislang vom ICTY angeklagt wurden, sind 94 ethnische Serben, 29 Kroaten, neun Albaner und weitere neun Bosniaken.

Nur eine Handvoll Serben, darunter die Politiker Milan Milutinovic und Vojislav Seselj sowie der General Momcilo Perisic oder der jugoslawische Armeekapitän Miroslav Radic, wurden vom Tribunal bislang freigesprochen, verglichen mit weit über einem Dutzend Angeklagter anderer Nationalitäten. Das Tribunal besteht hingegen darauf, dass die Statistiken die Verhältnisse der tatsächlichen Verbrechen widerspiegeln, die während der Feindseligkeiten begangen wurden.