Globale Terror-Trends im Jahr 2016: Weniger Opfer, aber mehr Länder betroffen

Globale Terror-Trends im Jahr 2016: Weniger Opfer, aber mehr Länder betroffen
Der Irak war 2016 am stärksten von Terror betroffen. Auf dem Bild: Angehörige der Terrormiliz IS exekutieren einen Regierungsbeamten im April 2016. Dieser wurde zuvor auf einem Kontrollposten gefangen genommen. Das Bild stammt aus einem IS-Propagandavideo.
Der jüngst veröffentlichte Global Terrorism Index der Londoner Denkfabrik IEP zeigt Statistiken zu terroristischen Aktivitäten im Jahr 2016. Demnach starben im vergangenen Jahr weltweit 25.673 Menschen bei Anschlägen - deutlich weniger als zwei Jahre zuvor.

Die Zahl der weltweiten Terroropfer ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge gesunken. Das geht aus dem Global Terrorism Index der Londoner Denkfabrik IEP (Institute for Economics and Peace) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Insgesamt begingen Terroristen 2016 um 13 Prozent weniger Anschläge als im Jahr zuvor und um 22 Prozent weniger als noch 2014. Angesichts der militärischen Niederlagen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und dem Irak sieht das IEP bereits einen Wendepunkt im Kampf gegen islamistischen Extremismus überschritten.

Symbolbild: IS-Konvoi in Rakka im Juni 2014

Entwicklung in Europa gegen den Trend

Der sich abzeichnende Rückgang betrifft allerdings nicht Europa. Dort waren 2016 mit 826 Opfern so viele Terrortote zu beklagen wie seit 2002 nicht mehr, davon allein 658 in der Türkei. Der Anstieg der Terroropfer in der Türkei nach dem versuchten Militärputsch in Juli 2016 ist mit einer ähnlichen Entwicklung wenige Jahre zuvor in Ägypten vergleichbar, als das Land durch einen gewaltsamen Machtwechsel destabilisiert wurde. Eine noch größere Rolle als islamistischer Terror spielen in der Türkei allerdings Anschläge durch die PKK und andere meist kurdisch-separatistische Gruppen.

Der Trend zum Rückgang könnte sich jedoch auch 2017 fortsetzen, so die Experten. Außerdem gelinge es den Sicherheitsbehörden immer häufiger, Anschläge zu verhindern. Probleme bereiten jedoch Attacken, die mit einfachen Mitteln durchgeführt werden können, beispielsweise mit Fahrzeugen. Im laufenden Jahr waren auch mehr Länder als im Jahr zuvor vom Terror betroffen - in 77 Ländern gab es Anschläge mit mindestens einem Todesopfer, 2016 waren 65 Länder vom Terror betroffen. 

Positive Entwicklung in einigen bisherigen Terrorhochburgen

Fast kaum präsent in der Statistik sind die Staaten in der Karibik und Zentralamerika. Dort gab es im Jahr 2016 nur 16 Terroropfer. Der größte Teil der terroristischen Aktivitäten spielt sich nach wie vor in Afrika, dem Nahen Osten und Asien ab. Dort ging die Zahl der Toten in vier der fünf am stärksten betroffenen Länder teils aber immerhin deutlich zurück.

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Den stärksten Rückgang verzeichnete Nigeria mit einem Rückgang von 80 Prozent der Toten durch Anschläge der Terrormiliz Boko Haram. Auch in Pakistan, Syrien und Afghanistan sank die Zahl der Toten, bleibt aber nach wie vor im Vergleich mit den so genannten entwickelten Staaten der OECD-Gruppe sehr hoch. Die Zahlen sprechen deutliche Sprache: In nur zehn Ländern - Irak, Afghanistan, Syrien, Nigeria, Pakistan, Somalia, Türkei, Jemen, Demokratische Republik Kongo und Südsudan - starben 86,5 Prozent der weltweiten Terroropfer.  

Drei islamistische Gruppen allein für 59 Prozent aller Terrortoten verantwortlich

Besonders schlecht schneidet dabei der Irak ab. Dort stieg die Zahl der Terroropfer sogar um 40 Prozent auf 9.765, das sind 38 Prozent der weltweiten Gesamtzahl. Irak ist seit der Invasion vonseiten der USA und ihren Verbündeten im Jahr 2003 der Spitzenreiter in der Statistik zu Terroranschlägen. Die Terrormiliz IS und drei weitere besonders "prominente" terroristische Vereinigungen - nämlich Al-Kaida, Boko Haram und Taliban - sind mit zusammen 59 Prozent für den Großteil der Toten durch Terror verantwortlich.

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 (dpa/rt deutsch)