APEC-Gipfeltreffen in Da Nang: Wladimir Putin wirbt für Zusammenarbeit und Entwicklung

APEC-Gipfeltreffen in Da Nang: Wladimir Putin wirbt für Zusammenarbeit und Entwicklung
APEC-Gipfeltreffen in Da Nang: Wladimir Putin wirbt für Zusammenarbeit und Entwicklung
In einem Artikel im Vorfeld des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgipfels im vietnamesischen Da Nang hat Präsident Wladimir Putin einen Überblick über die Herausforderungen gegeben, die Russland zusammen mit seinen Partnern in der Region bewältigen will.

Im Vorfeld des APEC-Gipfels in Vietnam hat der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, einen Artikel verfasst, in dem er die Staaten der asiatisch-pazifischen Region zu einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit aufruft. In diesem Zusammenhang listet der russische Staatschef auch konkrete Initiativen und Berührungspunkte auf, an die anzuknüpfen das Gebot der Stunde sei. RT Deutsch dokumentiert nachfolgend den kompletten Beitrag, der den Titel "25. APEC-Gipfel in Da Nang: Gemeinsam voran zum Gedeihen und zur harmonischen Entwicklung" trägt:

Sehr bald, am 10. und 11. November, wird in Da Nang ein Jubiläumsgipfel stattfinden: das 25. Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC).     

Wir schätzen es sehr hoch, dass das APEC-Forum all seinen Teilnehmern breite Möglichkeiten bietet, engagiert miteinander zu kommunizieren und ihre Haltung zu unterschiedlichsten Fragen, darunter wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und humanitären, miteinander abzustimmen. Unsere Länder streben danach, unabhängig von der jeweiligen politischen Konjunktur, auf der Grundlage eines Konsenses und des freien Willens, der gegenseitigen Achtung und Kompromissbereitschaft zusammenzuwirken. Eben darin kommt der einmalige partnerschaftliche Geist der APEC zum Vorschein.           

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Da Russland der größte eurasische Staat ist, mit ausgedehnten Territorien im Fernen Osten, und über ein signifikantes Potenzial verfügt, ist es an einer erfolgreichen Zukunft des asiatisch-pazifischen Raums und an einem stabilen allumfassenden Wachstum in der ganzen Region interessiert. Für das Schlüsselelement zur Lösung dieser Aufgabe halten wir eine effiziente wirtschaftliche Integration auf der Grundlage der Transparenz und des gegenseitigen Vorteils, im Einklang mit den universellen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO).

Asiatisch-pazifische Freihandelszone ist auch eine Chance für die EAWU

Wir unterstützen die Idee, eine asiatisch-pazifische Freihandelszone zu gründen. Wir sehen darin ein praktisches Interesse und die Möglichkeit, unsere Positionen auf den dynamisch wachsenden Märkten der asiatisch-pazifischen Region zu stärken. Ich möchte darauf hinweisen, dass der Anteil der APEC-Wirtschaften am Außenhandel Russlands von 23 Prozent auf 31 Prozent gestiegen ist. Im Export ist dieser Kennwert von 17 Prozent auf 24 Prozent gewachsen. Und wir wollen uns mit dieser Leistung nicht begnügen.       

Zweifelsohne sollte das groß angelegte Projekt der APEC-Freihandelszone unter Berücksichtigung bereits erlangter Erfahrungen im Zuge der grundlegenden Integrationsformate in der asiatisch-pazifischen Region und in Eurasien umgesetzt werden. Dazu gehört auch die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), in deren Rahmen Russland mit Armenien, Weißrussland, Kasachstan und Kirgisistan zusammenarbeitet. Unsere Union entwickelt sich dynamisch und wir sind bereit, unsere Beziehungen zu allen interessierten Ländern und Vereinigungen auszubauen. Vietnam, das Gastgeberland des jetzigen Forums, war der erste Staat, der mit der EAWU ein Freihandelsabkommen geschlossen hat. Im Ergebnis hat unser Warenumsatz deutlich zugenommen und ist viel diversifizierter geworden. Erst vor kurzem haben wir Verhandlungen über eine handelswirtschaftliche Zusammenarbeit mit China abgeschlossen. Wir haben Verhandlungen mit Singapur gestartet und sind gerade dabei, die Möglichkeit eines Freihandelsabkommens mit dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) zu erörtern.

Große Eurasische Partnerschaft als flexibles und offenes Projekt

Natürlich möchte ich unsere Idee von der Schaffung einer Großen Eurasischen Partnerschaft besonders hervorheben. Wir haben vorgeschlagen, sie auf der Grundlage der EAWU und der chinesischen Initiative "Ein Gürtel, eine Straße" entstehen zu lassen. Ich möchte betonen, dass das ein flexibles, modernes Projekt ist, das auch für andere Teilnehmer offen ist.   

Zur Basis für eine effiziente Integration soll eine komplexe Entwicklung der Infrastruktur werden, darunter auch im Verkehrswesen, in den Telekommunikationsformen und in der Energiewirtschaft. Heute modernisiert Russland aktiv seine See- und Flughäfen im Fernen Osten, entwickelt transkontinentale Eisenbahnrouten und verlegt neue Gas- und Erdöl-Pipelines. Wir sind auf die Umsetzung bilateraler und multilateraler Infrastrukturprojekte eingestellt, die unsere Wirtschaften und Märkte miteinander verbinden sollen. Damit meine ich unter anderem den so genannten Energie-Superring, der Russland, China, Japan und die Republik Korea verbindet, aber auch eine Verkehrsunterführung zwischen den Inseln Sachalin und Hokkaido.    

Unser Augenmerk richten wir insbesondere auf die Integration von sibirischen und fernöstlichen Gebieten ins System der wirtschaftlichen Verbindungen innerhalb der asiatisch-pazifischen Region. Diese Arbeit schließt einen ganzen Komplex von Maßnahmen zur Stärkung der Investitionsattraktivität unserer Regionen und der Einbindung russischer Unternehmen in internationale Produktionsketten ein.

Entwicklung des Fernen Ostens als innenpolitische Priorität

Für Russland ist die Entwicklung des Fernen Ostens die nationale Priorität des 21. Jahrhunderts. Es geht darum, in dieser Region Wachstumszonen zu schaffen, Naturressourcen in beachtlichem Ausmaß zu erschließen und fortschrittliche High-Tech-Branchen zu unterstützen; das Gebot der Stunde lautet, in das Personal, in die Bildung und in das Gesundheitswesen zu investieren sowie wettbewerbsfähige Forschungs- und Wissenschaftszentren zu gründen.

Wir hoffen, dass sich ausländische Partner – vor allem aus den APEC-Wirtschaften – der Umsetzung dieser Programme und Projekte aktiv anschließen werden. Zumal die ausländischen Teilnehmer des jährlichen Östlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok schon die Gelegenheit hatten, sich davon zu überzeugen, dass unsere Pläne aussichtsreich und realistisch sind.    

Genauso ernsthaft gehen wir an die Notwendigkeit heran, kleine und mittelständische Unternehmen in die Prozesse der wirtschaftlichen Integration im Rahmen der APEC zu involvieren, sowie an die Unterstützung des weiblichen Unternehmertums und von Jugendlichen gegründeter Start-ups. Einen besonderen Wert legen wir auch auf die Stärkung humanitärer Kontakte, auf die Erweiterung von Kontakten in den Bereichen Bildung und Wissenschaft und – in Zukunft – auf die Entstehung eines gemeinsamen Bildungsraums der asiatisch-pazifischen Region. Eines der Zentren eines solchen Bildungsraumes könnte die Fernöstliche Föderale Universität werden.

Die überragende Bedeutung technischer und digitaler Innovationen

Für die wichtigste Aufgabe, die sich als Postulat unserer dynamischen Epoche stellt, halten wir den Aufbau einer effizienten Zusammenarbeit zur Unterstützung von Innovationen. In diesem Zusammenhang hat Russland bereits eine Reihe von konkreten Initiativen vorgeschlagen. Ich meine damit die Vereinheitlichung von Regeln für die digitale Wirtschaft und den digitalen Handel, die Harmonisierung nationaler technischer Standards, die Abstimmung von Strategien zur Herausbildung von High-Tech-Märkten und die Schaffung eines einheitlichen Begriffsapparats für den digitalen Raum. Wir haben außerdem unsere Partner mit unseren Erfahrungen im Bereich der digitalen Dienstleistungen für die Bevölkerung vertraut gemacht. Wir schlagen darüber hinaus vor, im Rahmen der APEC Beratungen zu Fragen der internationalen Informationssicherheit und des Software-Schutzes in die Wege zu leiten.

Eine weitere Herausforderung, die eine gemeinsame Reaktion aller APEC-Partner erfordert, ist die Verhütung und Beseitigung von Naturkatastrophen und industriellen Havarien, Seuchen und Pandemien. Und natürlich sollte man sich mit vereinten Kräften der Fragen der Lebensmittelsicherheit annehmen und darüber nachdenken, wie der schnell wachsende Bedarf der Region an hochwertigen, gesunden Nahrungsmitteln zu decken ist. Russland belegt weltweit führende Positionen in Bezug auf den Export von Getreide, Pflanzenöl, Fisch und einigen anderen Waren. Wir rechnen damit, uns zu einem führenden Lieferanten von Biolebensmitteln an unsere Nachbarn in der asiatisch-pazifischen Region zu entwickeln. Zu diesem Zweck steigern wir unsere landwirtschaftliche Produktion und deren Effizienz.

Wir sind während des anstehenden Gipfels in Da Nang auf engagierte Gespräche über alle oben erwähnten Fragen eingestellt. Ich bin mir sicher, dass wir mit vereinten Kräften die Aufgabe der Gewährleistung eines stabilen, nachhaltigen und harmonischen Wachstums in unserer Region mit Erfolg bewältigen und zu deren Gedeihen beitragen werden. Russland ist zu einer solchen Zusammenarbeit bereit.