RT-Exklusiv: Saudis verbünden sich mit allen Anti-Houthi-Kräften im Jemen - Auch mit al-Kaida und IS

RT-Exklusiv: Saudis verbünden sich mit allen Anti-Houthi-Kräften im Jemen - Auch mit al-Kaida und IS
Menschen versammeln sich um einen Krater nach einem Luftschlag der saudischen Luftwaffe in Saada.
Saudi-Arabien hat den Iran für den Abschuss einer ballistischen Rakete aus Jemen auf Riad verantwortlich gemacht. RT Deutsch sprach mit jemenitischen Journalisten und Aktivisten über die saudische Jemen-Strategie, die bisher nicht von Erfolg gekrönt war.

von Ali Özkök

In einer Erklärung am Montagmorgen beschuldigte Saudi-Arabien den Iran für den Angriff mit einer Rakete vom Typ Burkan. Riad behauptete, dass der Angriff nicht geschehen wäre, wenn der Iran die Houthi-Rebellen im Jemen nicht unterstützen würde.

„Die Rolle des Iran und seine direkte Befehlsgewalt über seine Houthi-Stellvertreter in dieser Angelegenheit stellt einen klaren Akt der Aggression dar, der auf benachbarte Länder abzielt sowie Frieden und Sicherheit in der Region und weltweit bedroht“, heißt es in der von der offiziellen saudischen Presseagentur veröffentlichten Erklärung. „Das Kommando der Koalition hält dies daher für einen eklatanten Angriff des iranischen Regimes und könnte als Kriegshandlung gegen das Königreich Saudi-Arabien betrachtet werden.“

Saudi-Arabien sagte auch, dass es sich „das Recht vorbehält, auf den Iran in angemessener Zeit und Weise zu reagieren“.

Die von Saudi-Arabien angeführte militärische Koalition kündigte außerdem an, dass sie als Reaktion auf den Raketenstart alle Grenzübergänge, Seehäfen und Flughäfen im Jemen schließt.

Laut einer Erklärung der saudisch-geführten Koalition, die von der Nachrichtenagentur AP zitiert wurde, ist das Verbot zeitlich befristet und wird die humanitären Bemühungen im Jemen „berücksichtigen“.

Die saudische Ankündigung kam nur Stunden, nachdem die Hafenstadt Aden im Jemen von einem tödlichen Anschlag durch den „Islamischen Staat“ getroffen worden war, der mindestens 17 Tote gefordert hatte. Die Dschihadisten setzten koordinierte Taktiken ein, berichtete das saudische Nachrichtenportal Al-Arabiya und zitierte einen anonymen Sicherheitsbeamten. Das anschließende Feuergefecht dauerte bis in die Nacht an.

Der politische Aktivist und Rechtsanwalt Heykal Bafana aus Jemen informierte RT Deutsch exklusiv, dass sein umfangreiches Netzwerk an Informanten bestätigt hat, dass die wichtigen Häfen von Aden, Mukalla und Hudeidah sowie der Flughafen in Aden zumindest noch geöffnet sind. Auf die Frage, ob forcierte Isolationsmaßnahmen sinnvoll sind, sagte Bafana:

Das hilft nicht, den Krieg zu beenden."

Der politische Kommentator zeigte sich insbesondere kritisch über die Rolle des saudischen Kronprinzen Muhammed bin Selman, der mit Entmachtungswellen im Inland seine politische Macht in Riad ausbaut. Bafana äußerte:

Die Unfähigkeit Saudi-Arabiens einzugestehen, dass seine Strategien und Taktiken gescheitert sind, verhindert in der Tat jede saudische Korrektur seiner Kriegsziele. Um überhaupt zu einer besseren Strategie zu kommen, um den Krieg zu gewinnen, muss Saudi-Arabien zugeben, dass seine ursprüngliche Strategie gescheitert ist - und das kann Saudi-Arabien nicht tun, denn es bedeutet, dass Muhammed bin Selman gescheitert ist."

Ein Mann trägt Buthaina Muhammad Mansour aus den Trümmern ihres Wohnhauses nach einem Saudi-Bombardement, welches acht ihrer Familienmitglieder tötete, Sanaa, Jemen, 25. August 2017.

Der jemenitische Journalist Saleh Khalid Saleh aus der Stadt Aden ist anderer Meinung. Er sagte RT Deutsch, dass die Saudis noch aggressiver künftig im Jemen vorgehen werden. „Die Strategie der Saudis hat sich schon geändert. Sie sind dabei, alle Land-, Luft- und Seewege zu schließen. Auch die Luftangriffe wurden intensiviert. Wir erwarten neue Schritte und Schläge“, äußerte Saleh Khalid Saleh.

Der politische Aktivist ist davon überzeugt, dass sich die saudische Koalition bei einer Isolierung Jemens selbst schaden würde. „Wenn schließlich der einzige geöffnete Grenzübergang zwischen Saudi-Arabien und Jemen in al-Wadiah in der Provinz Hadhramaut von Riad geschlossen wird, kann dies verheerende Auswirkungen auf Jemens Islah-Partei und deren Milizen haben, die mit den Saudis verbündet sind. Denn sie steuern die Logistikrouten und erheben hohe Steuern auf den Handel“, erklärte Bafana.

Der Jemen-Experte fügte gegenüber RT Deutsch hinzu, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die den Kampf gegen die Houthis anführen, im Grunde keine Stärkung der Anti-Houthi-Kräfte möchten, um sie klein und uneinig zu halten. Damit zerstören Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aber auch die gesamte Gesellschaftsstruktur des Landes. Bafana erläuterte:

Auf diese Weise können sie sich immer gegenseitig die Schuld zuschieben. Also beschuldigen die Saudis die Emirate für Verzögerungen im Süden und andersherum, wenn es um die Gebiete unter der Kontrolle von al-Islah geht. Friktionen bilden sich am Boden, und die Abhängigkeit wird größer. Die Emirate haben in Südjemen nichts getan, um beispielsweise den Harak-Separatisten dabei zu helfen, überhaupt eine Regierung oder Verwaltungsform aufzubauen. Und die Saudis beheimaten noch immer zahlreiche al-Islah-Führer in Riad."

„Die Taktik erlaubt Saudi-Arabien und die Emirate, sich mit jedem im Jemen zu verbünden, auch mit al-Kaida und dem ‚Islamischen Staat‘, solange sie gegen die Houthis und Salih sind“, fügte er hinzu.

Die Koalition kämpft gegen die als pro-iranisch geltenden Houthi-Rebellen, die Anfang 2015 die Kontrolle über die jemenitische Hauptstadt Sanaa übernahmen. Die Houthis gingen eine Allianz mit dem ehemaligen Präsidenten und General Ali Abdullah Salih ein, der ebenfalls ein Houthi ist. Riad versucht, den verdrängten jemenitischen Präsidenten Abdrabbuh Mansur al-Hadi, der international als Staatsoberhaupt anerkannt wird, wieder an die Macht zu bringen. Al-Hadis Regierung wurde in der südlichen Hafenstadt Aden eingerichtet.

Ein Mann besichtigt die Schäden an einem Haus, das nach einem saudischen Luftangriff zerstört wurde, Sanaa, 9. Juni 2017.

Am Samstag schoss die Houthi-Miliz eine ballistische Rakete vom jemenitischen Territorium auf Saudi-Arabien. Sie zielte angeblich auf den internationalen Flughafen König Khalid in der Nähe der saudischen Hauptstadt Riad. Nach Angaben der saudischen Zivilluftfahrtbehörde wurde die Rakete mit einem Patriot-Luftabwehrsystem „auf dem Flughafengelände“ abgefangen. Verletzte oder Schäden gab es nicht.

Die Houthi-Rebellen bekannten sich im Anschluss zum Angriff. Sie betonten, dass die ballistische Rakete Burkan-1 im Inland produziert wird. Saudi-Arabien beschuldigt den Iran, die Waffe an die Houthis geliefert und damit den Angriff erst ermöglicht zu haben. Der Iran gibt offen seine Sympathie für die Houthis zu, dementiert aber, dass sie von Teheran bewaffnet werden.