Papst will sich für Aufweichung des Zölibats einsetzen - Probelauf in Brasilien geplant

Papst will sich für Aufweichung des Zölibats einsetzen - Probelauf in Brasilien geplant
Papst Franziskus umarmt eine Frau, Vatikan, 6. Juli 2016
Der Theologe Leonardo Boff erklärt, Papst Franziskus habe sich für den Vorschlag des emeritierten Kurienkardinals Hummes offen gezeigt, zunächst nur in Brasilien gezielt Viri probati zu Priestern zu weihen, um dem Mangel an Priesternachwuchs entgegenzuwirken.

Eine kleine Zahl von römisch-katholischen Priestern, die bereits vor ihrer Weihe den Bund der Ehe geschlossen hatten, existiert bereits jetzt. Der brasilianische emeritierte Kurienkardinal Claudio Hummes bat den Papst nun, eine vermehrte Zulassung so genannter Viri probati ("Bewährte Männer") zum Priesteramt zu überdenken. Der Theologe Leonardo Boff erklärt dazu:

Die brasilianischen Bischöfe, speziell der persönliche Kontaktmann des Papstes, Kardinal Claudio Hummes, haben eine Bitte an Papst Franziskus gerichtet, verheirateten Priestern die Rückkehr in das Priesteramt zu ermöglichen. Ich habe jüngst gehört, dass der Papst dieser Bitte nachkommen will - im Wege eines Experiments [...]. 

Papst Franziskus in Rom, Italien, 12. Oktober 2017.

Zölibat, lateinisch für "allein und unvermählt lebend", bezeichnet die Verpflichtung zur Ehelosigkeit. In der römisch-katholischen Kirche ist der Zölibat für Priester verpflichtend. Bisher ist das Zölibatversprechen Teil der Vorbedingung zur Priesterweihe. Ausnahmen gibt es bislang nur in Ausnahmefällen, etwa bei Viri probati oder bereits verheirateten Klerikern, die von den Anglikanern zum Katholizismus gewechselt waren.

Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauchsneigung?

In Deutschland behaupten Medien regelmäßig, es gäbe einen möglichen Zusammenhang zwischen der priesterlichen Ehelosigkeit und der Diskussion um Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen - obgleich sich die meisten Übergriffe dieser Art gegen Knaben und junge Männer richten und nicht gegen Frauen im heiratsfähigen Alter.

In dem 2006 erschienenen Buch "Schläge im Namen des Herrn" dokumentiert der Autor Peter Wensierski Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern in kirchlich geführten Heimen in der Zeit zwischen 1945 und 1970. Die operative Leitung der Heime oblag jedoch hauptsächlich Laien oder Ordenspersonal, seltener geweihten Priestern.

Im Jahr 2010 geriet die Debatte über sexuellen Missbrauch durch Kleriker in Deutschland wieder auf die Tagesordnung. Das Magazin "Der Spiegel" legte offen, dass 24 von ingesamt 27 Bistümern Kenntnis von Verdachtsfällen bezüglich angeblicher oder tatsächlicher Vergehen an Kindern durch Kleriker hatten. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen ergingen bislang 30 Urteile deutscher Gerichte. Die Katholische Kirche richtete zudem einen Entschädigungsfonds ein.

Pädophile Übergriffe auch in weltlichen Sonderrechtsverhältnissen häufig

Betroffen von Übergriffen dieser Art waren jedoch auch weltliche Einrichtungen wie die progressiv-emanzipatorische Odenwaldschule, an der erstmals 1999 Fälle des systematischen sexuellen Missbrauchs bekannt wurden. Ein Zölibat bestand dort zu keiner Zeit, die freie Entfaltung der Sexualität auch schon in jungen Jahren war dort Teil der Anstaltsdoktrin. Im Jahr 2013 geriet die Partei Bündnis 90/Die Grünen in der Endphase des Bundestagswahlkampfs in die Defensive, nachdem politische Gegner Parteitagsbeschlüsse und Thesenpapiere aus den 1980er Jahren zutage gefördert hatten, in denen eine weitreichende Straffreiheit für so genannte pädosexuelle Kontakte gefordert wurde.