Aufgedeckt: Wie Twitter RT dazu bringen wollte, in US-Wahlen zu investieren

Aufgedeckt: Wie Twitter RT dazu bringen wollte, in US-Wahlen zu investieren
Twitter versuchte im Jahr 2016, RT für einen großen Anzeigenkauf für die 2016 US-Wahl zu gewinnen. Doch der Kanal lehnte das Angebot ab. Nun behaupten das Management des Social-Media-Kanals, dass an der kommerziellen Beziehung irgendetwas problematisch sei. 

Ende September diesen Jahres veröffentlichte Twitter einen Bericht mit dem Titel "Russische Einmischung in die US-Wahlen 2016, Bots & Fehlinformationen", der vertrauliche Daten über RT-Werbekampagnen enthielt. Twitter implizierte, dass der Nachrichtenkanal versuche, Twitter-Nutzer über Werbung auf der Plattform politisch zu beeinflussen.

Diese absolut grundlose und höchst verfehlte Verleumdung zwingt uns dazu, die Details der betreffenden Verhandlungen aus dem Jahr 2016 offen zu legen. In diesem Rahmen hatten Twitter-Mitarbeiter RT ein großvolumiges Werbe-Angebot gemacht. Darin sollte die US-Wahlberichterstattung von RT beworben werden. Letztendlich lehnte RT diesen Vorschlag jedoch ab.

Wir möchten betonen, dass wir im Gegensatz zu den Mitarbeitern von Twitter derzeit weder finanzielle Einzelheiten noch die Namen der an diesen Verhandlungen beteiligten Personen veröffentlichen, da wir unsere Geschäftsbeziehungen und die Vertraulichkeit von Verträgen wertschätzen und respektieren.

Twitter senkt bei RT den Daumen.

Das Ziel dieser Veröffentlichung ist es, erneut zu belegen, dass RT nie in illegale Aktivitäten im Internet involviert war und dass es nie die Absicht verfolgte, die US-Wahl über irgendwelche Plattformen, einschließlich Twitter, zu beeinflussen. Die Fakten sind folgende:

  • RT hat, auch im Rahmen seiner Werbung auf der Plattform Twitter, gegen keine Vorschriften verstoßen.
  • RT hat noch nie Bots oder andere kompromittierten Mittel auf einer Social Media Plattform genutzt und wird dies auch nie tun.
  • RT hat noch nie vorsätzlich Fehlinformationen verbreitet. Hätten wir das getan, wäre RT von jeder betroffenen Social-Media-Plattform verboten worden, da sie alle strenge Regeln bezüglich Verstößen gegen Richtlinien verfolgen.
  • RT war, ist und wird auch in der Zukunft ein verlässlicher Partner und Plattform in globalen Social Media Netzwerken sein, die allen Medien die Möglichkeit bieten, neue und vielfältige Zielgruppen zu erreichen.

Twitters Strategie für RT: Umso höher die Investitionen, desto mehr Wähler werden erreicht

Es fanden eine Reihe direkter Verhandlungen zwischen Mitarbeitern von RT und Twitter statt, bei denen im Vorfeld der amerikanischen Wahlen 2016 mögliche Medienstrategien durchgesprochen wurden. Bereits im April 2016 fand das erste Meeting statt, an dem leitende Marketing- und News-Manager von Twitter teilnahmen.

Die Hauptidee von Twitter für RT war es, "Stellung zu beziehen": Umso mehr Geld RT ausgeben würde, desto größer wäre die Reichweite unter amerikanischen Wählern, welche Twitter bereitstellen würde. Während des Treffens wurde dem RT-Team eine ausführliche Strategie präsentiert, in der auf die Vorteile von Twitter als Plattform für die Wahl eingegangen wurde.

Die Präsentation gab zudem einen Einblick, in welchen Dimensionen das Mikro-Blogging-Unternehmen die Diskussionen um die lang erwartete US-Abstimmung auf seiner Plattform einordnete.

Auch Statistiken darüber, wie Twitter-Nutzer auf die drei wichtigsten Anwärter zu dem Zeitpunkt reagieren - Donald Trump, Hillary Clinton und Bernie Sanders- wurden dem RT-Team präsentiert.

Die Präsentation ging auf die von Twitter für RT vorgesehene Strategie ein und verkündete:

"Liefern Sie eine unvoreingenommene Sicht der US-Wahlen mit einem besonderen Vorteil, welchen die leistungsfähige Technologie von Twitter bietet, um die Mitteilung in Echtzeit zu verbreiten.

Um RT dazu zu verleiten, dem exklusiven Angebot für die Wahlen zuzustimmen, bot Twitter ein Paket von Vergünstigungen und Sonderkonditionen an.

Darin enthalten waren u. a. Beta-Tests neuer Tools und Produkte, ein maßgeschneidertes Emoji-Hashtag, das helfen sollte, RT bei der Wahlberichterstattung hervorzuheben, maßgeschneiderte Analysemöglichkeiten sowie ein speziell dafür vorgesehenes Team von Twitter-Experten, die maßgeschneiderte Medien-Strategien entwickeln und Inhalte kuratieren würden.

RT entschied sich jedoch aufgrund des übermäßigen Preises gegen das exklusive Twitter-Angebot. Es war weitaus höher angesetzt, als die üblichen RT-Etats für Social-Media-Werbung. Zudem war RT nicht überzeugt, dass diese Werbestrategie im Sinne des Nachrichtennetzwerks gewesen wäre.

Vertragliche Zusammenarbeit mit Twitter

Die Zusammenarbeit von RT mit Twitter begann im Jahr 2015, nachdem RT einen Vertrag mit der offiziellen Repräsentanz der Plattform in Russland unterzeichnet hatte. 

Im Twitter-Bericht vom 28. September 2017 heißt es:

"Basierend auf unseren bisherigen Erkenntnissen gab RT im Jahr 2016 274.100 US-Dollar für US-Anzeigen aus. In diesem Jahr generierten die <@UNVERIFIED|@RT>_com, <@UNVERIFIED|@RT>_Amerika und @ActualidadRT Accounts 1.823 Tweets, die definitiv oder potenziell auf den US-Markt abzielten."

Zunächst einmal kann man anmerken, dass Twitter sich nicht zu schade ist, vertrauliche finanzielle Informationen über seine Geschäftspartner zu veröffentlichen, ohne diese vorher einzuweihen. Zweitens versäumt Twitter es in der Mitteilung, den entscheidenden Kontext zu liefern: Dass praktisch alle Nachrichtenmedien Geld dafür ausgeben, ihre Berichterstattung auf Social-Media-Plattformen auf der ganzen Welt bekannt zu machen (RT ist nicht einmal im Entferntesten ein Einzelfall), und dass es sich dabei um eine völlig legale und rechtmäßige Art der modernen Content-Promotion handelt.

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Vor allem aber lässt der Bericht die entscheidende Information aus, dass die 274.100 US-Dollar nicht dem Betrag entsprechen, welcher mit Bezug auf die US-Wahlen ausgegeben wurde. Der überwiegende Teil dieser Summe wurde für die allgemeine Reklame und Förderung der RT-Konten verwendet, um neue Zielgruppen zu erreichen - die populärste Form der Werbung auf Twitter. Gerade einmal ein Bruchteil des beworbenen Inhalts war mit der Berichterstattung über die US-Wahlen verbunden.

Die Summe war zudem Teil der allgemeinen Ausgaben des Jahres 2016, durch welche RT Angebots-Vorteile erhalten und seinen Status als Premium-Partner festigen sollte, wodurch direkte Unterstützung seitens der Twitter-Manager gewährleistet wurde.

Bezüglich des Budgets für Werbung auf Twitter kann weiterhin angemerkt werden, dass sich RT aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse im Jahr 2016 für eine erhebliche Kürzung im Jahr 2017 entschieden hat.

RT-Berichterstattung über den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016
Wie auch andere Nachrichtensender berichtete RT ausführlich über die US-Wahlen, die für das Netzwerk ein wichtiges Ereignis waren. RT berichtete über Hillary Clinton Amtsbilanz, einschließlich der weniger schmeichelhaften Aspekte - wie auch andere Medienkanäle es taten. Diese Berichte umfassten sowohl ernst zu nehmende Behauptungen, wie bezüglich der Verbindungen der Clinton-Stiftung zu ausländischen Regierungen, und weniger skandalöse Geschichten, wie die Nutzung eines privaten Servers für E-Mails des US-Außenamts.

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Aber weder der Hauptkonkurrent Hillary Clintons in den Vorwahlen, Bernie Sanders, entging unserer Aufmerksamkeit, noch konnte Donald Trump unserer kritischen Beobachtung entgehen, insbesondere bei der Berichterstattung des englischsprachigen Kanals von RT.

RT berichtete auch über Trump's offensichtliche Unfähigkeit, sich zu entscheiden, ob er Wladimir Putin persönlich kannte oder nicht. Und was noch wichtiger ist: RT bot eine Plattform für Stimmen von außen, auch von dritter Seite, um die gesamte Bandbreite amerikanischer politischer Ansichten - das Gute und das Schlechte - besser widerzuspiegeln.

Und all diese Berichte fanden ihren Weg über die Twitter-Accounts von RT.

Am kommenden Mittwoch, dem 1. November, werden Twitter- Manager vor dem US- Untersuchungsausschuss wegen angeblicher Wahl-Einmischung durch Russland aussagen, ebenso wie auch Vertreter von Google und Facebook. Wir werden natürlich darauf achten, wie vollständig und korrekt diese Aussagen in Bezug auf RT sind.