Holocaust-Bild um der Vertreibung von Ukrainern zu gedenken - Poroschenko irritiert auf Twitter

Holocaust-Bild um der Vertreibung von Ukrainern zu gedenken - Poroschenko irritiert auf Twitter
Um dieses historische Foto geht es.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko löste einen Proteststurm aus, nachdem er ein historisches Bild von Juden twitterte, die in ein Vernichtungslager deportiert wurden - in einem Posting zum Jahrestag der Deportation von Ukrainern nach Sibirien.

Poroschenkos Absicht war es offenbar, an die erzwungene Evakuierung der Westukrainer nach Sibirien im Jahr 1947 durch die UdSSR zu erinnern, doch dafür nahm er ein Foto, welches fünf Jahre zuvor im jüdischen Ghetto von Lodz in Polen aufgenommen wurde.

Der Post von Poroschenko ist mittlerweile vier Tage alt. Doch offenbar ist es niemandem in seinem Umfeld und auch keiner der Kontrollinstanzen aufgefallen, dass es sich um ein Bild handelt, das NS-Kriegsverbrechen zeigt. Twitter-Usern hingegen fiel der Fauxpas sehr schnell auf. Die Reaktionen fielen dementsprechend heftig aus.

In einem Facebook Posting am Dienstag beschrieb Eduard Dolinsky, Leiter des ukrainischen jüdischen Komitees, Poroschenkos Tweet als "seltsam".

Das Bild, welches Poroschenko am Freitag postete, ist zudem sehr bekannt. Es stammt aus der Zeit um 1942 und zeigt eine Gruppe von Juden im polnischen Ghetto mit Kindern und ihrem Hab und Gut. Die Juden wurden fotografiert, während sie in das Vernichtungslager Chelmno deportiert wurden.

Das Foto stammt aus dem Muzeum Sztuki w Lodzi. Heute ist der 70. Jahrestag der Massendeportation der westukrainischen Bevölkerung nach Sibirien und in den Norden der ehemaligen Sowjetunion. Die Deportation trug den Codenamen "West", schrieb Poroschenko auf Facebook. "An nur einem Tag wurden 76.000 Menschen gezwungen, zu gehen, und das Ziel war, die ukrainische Freiheitsbewegung zu schwächen."

Poroschenkos Patzer fällt auch auch deswegen unangenehm auf, weil der Ukraine immer wieder ein ungeklärtes Verhältnis zum Nazismus vorgeworfen wird. Wie Reuters berichtete, verabschiedete die Ukraine im Jahr 2015 ein Gesetz zu Ehren der Organisation der ukrainischen Nationalisten und der ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), die für die Massaker an Polen und Juden während des Krieges verantwortlich war. Der Gruppe wird auch eine Rolle im Kampf der Ukraine für die Unabhängigkeit in den 1950er Jahren zugeschrieben. Reuters berichtete auch, dass lokale Behörden dafür stimmten eine Straße in Kiew nach dem Antisemiten Roman Shukhevych umzubenennen, der mit den Nazis kollaboriert hatte.