Rede vor Waldai-Club: Putin rügt USA und EU wegen Separatismus und Massenvernichtungswaffen

Rede vor Waldai-Club: Putin rügt USA und EU wegen Separatismus und Massenvernichtungswaffen
Auf dem diesjährigen Waldai-Treffen in Sotschi kritisierte der russische Präsident Wladimir Putin die EU für ihre Unterstützung Unabhängigkeitsbestrebungen im Kosovo, deren Auswirkung sich jetzt in Katalonien zeige. Den USA warf der russische Präsident vor, gegen Abkommen zur Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verstoßen.

Die EU-Länder stützten die separatistische Stimmung in Europa, als sie sich dem Druck der USA beugten und die Abspaltung des Kosovo von Serbien unterstützten, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag in Sotschi. 

Wendepunkt Kosovo- zum Gefallen der USA

Nun stehe die EU vor den Folgen dieser Politik, welche sich in der katalanischen Krise zeige.

Was die Lage in Katalonien betrifft, so haben wir eine einstimmige Verurteilung der Unabhängigkeitsbefürworter durch die EU und eine Reihe anderer Staaten erlebt ", sagte Putin. "Dazu muss ich sagen, ihr hättet früher darüber nachdenken sollen."

Macht nun offenbar Ernst: Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Wussten sie nicht von jahrhundertealten Widersprüche dieser Art in Europa? Sie wussten es, oder? Damals aber begrüßten sie de facto den Zerfall einiger Staaten in Europa mit unverhohlenem Gefallen ", fügte er hinzu.

Die "einstimmige Unterstützung der EU für die Unabhängigkeit des Kosovo" habe sich als Wendepunkt erwiesen, und Europa stehe nun vor den Auswirkungen einer kurzsichtigen Politik, die vorrangig darauf abziele, "den größeren Bruder aus Washington zufrieden zu stellen", meint Putin.

USA verstößt gegen Nichtverbreitungsabkommen von Massenvernichtungswaffen

Den USA Verstöße gegen Abkommen zur nuklearen und chemischen Abrüstung vorgeworfen.

Für ein Land, das sich zum Vorreiter der Nichtverbreitung (von Massenvernichtungswaffen) erklärt hat, ist das unsolide", sagte Putin am Donnerstag in Sotschi.

Russland habe seine letzten Chemiewaffen Ende September vernichtet. Die USA zögerten den Termin für ihre Abrüstung bis 2023 hinaus, sagte der Kremlchef vor dem Waldai-Klub internationaler Außenpolitik-Experten.

Mehr zum Thema -Moskau: Wladimir Putin schaut bei "historischer" Zerstörung letzter russischer Chemiewaffen zu

Der Kreml hatte vorher eine wichtige Rede angekündigt, konkrete Vorschläge Putins blieben aber aus. US-Experten hätten in den 1990er Jahren jederzeit die vereinbarte Umwandlung von 500 Tonnen waffenfähigem Uran in Russland überwachen dürfen, sagte er. Die USA selbst hätten es bei symbolischer Abrüstung belassen.

Russland hat eine beispiellose Offenheit und Vertrauen gezeigt", sagte der Kremlchef. "Was wir dafür bekommen haben ist bekannt, unsere nationalen Interessen wurden völlig ignoriert."

In den Konflikten um eine geordnete Weltpolitik plädierte Putin für eine starke Rolle der Vereinten Nationen. Nur sie seien in der Lage, allgemein gültige Regeln aufzustellen.

Immer wenn von diesen Regeln abgewichen wurde, gab es unweigerlich Krisen und negative Folgen."

Zugleich sprach sich Putin für eine Reform der UN aus. Diese ist seit Jahren im Gespräch, wird aber auch vom Vetorecht der fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat erschwert. Zu ihnen gehören auch Russland und die USA. Kürzlich hatten die USA ihren Ausstieg aus der UN-Kulturorganisation Unesco angekündigt.

Am 19. Oktober findet in Sotschi die 14. Plenartagung der jährlichen Sitzung des internationalen Diskussionsklubs „Waldai“ statt. Das Thema der diesjährigen Sitzung lautet „Schöpferische Zerstörung: Wird aus den Konflikten eine neue Weltordnung entstehen?"