Kissinger: USA und China bilden weltweit wichtigstes Beziehungsgeflecht des 21. Jahrhunderts

Kissinger: USA und China bilden weltweit wichtigstes Beziehungsgeflecht des 21. Jahrhunderts
Ehemaliger US-Außenminister Henry Kissinger mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Peking, China, 2. Dezember 2016.
Am Dienstag sagte der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, die Beziehung zwischen China und den USA sei die weltweit wichtigste für das 21. Jahrhundert. Er rief beide Länder dazu auf, Frieden und menschlichen Fortschritt zu fördern.

Dem entgegen stehen zurzeit die Konflikte im Südchinesischen Meer und um Korea.

Im Rahmen einer Veranstaltung an der New Yorker Columbia Universität sprach Henry Kissinger über die Notwendigkeit einer guten amerikanisch-chinesischen Beziehung für den Weltfrieden: 

[...] Diese Zusammenarbeit ist eine Notwendigkeit, die Beziehung reicht von pragmatischen und alltäglichen Problemen hin zu den konzeptionellen, der Erschaffung einer neuen Form von Wettbewerb innerhalb der Weltordnung, die Frieden und menschlichen Fortschritt fördert, wie wir es momentan in der derzeitigen Situation tun. 

Er hob hervor, dass ein Konflikt zwischen China und den USA verheerende Folgen für die gesamte Welt haben würde. Er resümierte zu seinen bisherigen Besuchen in China, er habe auf jeder Reise Neues über die so komplexe chinesische Kultur gelernt. Das Verständnis zwischen den amerikanischen und chinesischen Regierungsführern habe sich über die Jahre hinweg gebessert. 

Banknoten: Chinesischer Yuan, japanischer Yen und südkoreanischer Won auf US-Dollar-Noten, 15. Dezember 2015.

Kissinger hegt zudem keinen Zweifel an der Wachstumsfähigkeit Chinas: 

Wenn mir jemand 1971, als ich zum ersten Mal China besuchte, ein Bild von Peking und anderen Städten von heute gezeigt hätte, dann hätte ich dies als Fantasie gedeutet - China wird seine Träume erreichen. 

Kissinger sieht Neue Seidenstraße als Chance

Chinas Initiative zur Neuen Seidenstraße eröffne die Möglichkeit, den Schwerpunkt vom Atlantik hin zum Pazifik zu verlagern. Dieser Handelsweg wird China mit Zentralasien und Europa verbinden. Die Kulturen Eurasiens müssten dann selbst entscheiden, welche Beziehung sie suchen und auch die Vereinigten Staaten müssten eine Entscheidung treffen. 

Peking und Washington einen gemeinsame ökonomische Interessen. Dem stehen aber Konflikte im Südchinesischen Meer und auf der koreanischen Halbinsel gegenüber, die zu einem angespannten Verhältnis führen können. Im Versuch, Nordkorea von dessen Atomwaffenprogramm abzubringen, setzt Washington die Regierung Pekings unter Druck und fordert von China, die Sanktionsdoktrin Washingtons mitzutragen. Für China ist jedoch aus Eigeninteresse die Beibehaltung des Status quo in Nordkorea wichtig. Flüchtlingsströme aus Nordkorea könnten in China ein Ungleichgewicht herbeiführen und Unruhe unter der Bevölkerung stiften. Ein Zusammenbruch Nordkoreas hätte zudem auch die Stationierung amerikanischer Truppen an der Türschwelle zu China zur Folge. 

USA fürchten wirtschaftliche Vorherrschaft Pekings

Im Südchinesischen Meer vertreten die USA die Territorialinteressen der Japaner, die jenen Chinas entgegenstehen. Es geht um eine Reihe unbewohnter Inseln, um Frachtverkehr und noch unerschlossene Rohstoffressourcen. Amerikanische Flotten patrouillieren im Südchinesischen Meer, um die US-Position zu unterstreichen, dass sich die Inseln in internationalen Gewässern befinden. China hegt einen historisch untermauerten Gebietsanspruch auf die Region. Die Verdrängung der Amerikaner durch die Chinesen von Platz 1 der Weltwirtschafts-Rangliste ist eine offen bekundete Horrorvorstellung für die Amerikaner.