Großmanöver in der Ostsee: Bundeswehr probt Angriff mit Alliierten auf "feindseliges Reich"

Großmanöver in der Ostsee: Bundeswehr probt Angriff mit Alliierten auf "feindseliges Reich"
Auch formal neutrale Länder wie Finnland beteiligen sich an dem Militärmanöver Northern Coasts. Quelle: Youtube
Am gestrigen Freitag endete das laut Bundeswehr "größte jährlich stattfindende Manöver in der Ostsee".  An der Militärübung „Northern Coasts 2017“ beteiligen sich auf Einladung Deutschlands NATO-Partner sowie die formal neutralen Ostseeanrainer Schweden und Finnland - offenbar üben die Länder den Seekrieg gegen den gemeinsamen Feind Russland.

Am 8. September startete „Northern Coasts 2017“, das größte jährlich stattfindende Manöver in der Ostsee, bei dem rund 5.000 Soldaten aus 17 Nationen verschiedene militärische Abläufe trainierten. Nach Angaben der Bundeswehr ging diesem ein Jahr „intensiver Planung und Vorbereitung“ voraus,  

über 50 Marineschiffe und -boote sowie rund 20 Flugzeuge und Hubschrauber machten sich auf, in den Gewässern südöstlich von Schweden miteinander zu trainieren. Hinzu kommen über hundert niederländische und deutsche Marineinfanteristen plus Spezialkräfte. Gleichzeitig üben Fallschirmjäger des Heeres zusammen mit der schwedischen Armee

Die Militärübung hat vor allem für Deutschland besonderen Stellenwert, findet sie doch als „Einladungsübung“ des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Volker Wieker statt. Auf Twitter macht die Bundeswehr PR klar, dass es sich um einen Angriff handeln soll.

Mit schwerer Ausrüstung gegen den gemeinsamen Feind

Nicht nur NATO-Partner trainieren miteinander, sondern auch die formal neutralen Ostseeanrainer Schweden und Finnland. In diesem Jahr ist Schweden gar für die Planung und Durchführung von Northern Coasts verantwortlich.

Ein Kampfflugzeug hebt vom US-Flugzeugträger USS John C. Stennis in der philippinischen See ab

Den größten Anteil an Truppen und Ausrüstung stellt Deutschland. Neben zahlreichen Kriegsschiffen wie Minenlegern, Patrouillenschiffen, Fregatten und U-Booten kommen nach Angaben der Bundeswehr 15 Flugzeuge zum Einsatz.

In dem Übungsszenario wird der Seekrieg, aber auch territoriale Konflikte gegen ein „feindseliges Königreich“ erprobt. Das dargelegte Szenario mit fiktiven Ländernamen, welche laut Bundeswehr wie „Game of Thrones“ miteinander und gegeneinander kämpfen, birgt einige Parallelen zu der Situation in der Ukraine; so probt Northern Coasts 2017 die Entsendung einer EU-Interventionstruppe in ein fiktives Land, dessen Einheit durch "Separatisten" bedroht wird, welche ihrerseits Unterstützung von einem "militärisch starken" Drittstaat erhalten.

Das Übungs-Drehbuch sieht "immer intensivere Konfrontationen" vor, in der es auch zu gegenseitigen "Seeblockaden" kommt. Dabei landen deutsche und niederländische Marineinfanteristen an einer von feindlichen Streitkräften kontrollierten Küste, um im Hinterland liegende Ortschaften einzunehmen.

Training amphibischer Operationen - inklusive Anlandung und Häuserkampf

Bei Northern Coasts trainierten deutsche Streitkräfte insbesondere die Durchführung sogenannter amphibischer Operationen. Damit ist die Landung an fremden Küsten gemeint, sowie die Eroberung von Ortschaften im Hinterland. Auf dem Truppenübungsplatz Putlos in Schleswig-Holstein wurde der "Häuserkampf" geprobt.

Auch das Seebataillon der deutschen Kriegsmarine wurde bei der Übung eingesetzt, eine Sondereinheit, die sich auf Kriegsführung in "küstennahen Bereichen" spezialisiert hat.

Die Übungslage sah so aus, dass ein verstärkter Zug Seesoldaten, also etwa 40 Mann, an eine Küste angelandet wurde.

Nach einem Rückzug in ein Waldstück

bereiteten sich die Seesoldaten auf einen konzentrierten Angriff vor

In dem Operationsgebiet näherten sich die Soldaten einer kleinen Ortschaft „lautlos“ an. Bei der Übung wurde auch

scharf geschossen. Ein alter militärischer Grundsatz heißt schließlich: „Train as you fight.“ – je näher an der Realität du übst, umso besser.

Mit schwerem Geschütz nehmen sie Haus um Haus ein

In schnellen Angriffswellen drangen die deutschen Seesoldaten in die Ortschaft ein und nahmen Haus um Haus.

Bei diesen Übungen sollten die Niederländer von der Bundeswehr lernen, mit dem Ziel,

aus gemischten Teams einheitliche (zu) machen

also niederländische Kampfeinheiten zu integrieren. Die Absicht gezielter militärischer Zusammenarbeit zur See hatten im Jahr 2016 die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre niederländische Amtskollegin Jeannine Hennis-Plasschaert beschlossen.

Schwedische Soldaten während der Übung

Dazu gehören zum Beispiel Hafen- und Objektschutz, Kampfmittelbeseitigung, Evakuierungs- und Rückführungsoperationen sowie das Boarding von Schiffen.

Bereits im Jahr 2013 hatten die damaligen Verteidigungsminister beider Länder eine Militärkooperation vereinbart. Bei Northern Coasts 2017 wurde die Kooperation auch in Form "amphibischer Operationen" erprobt

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In gemischten Schützenreihen von vier bis acht Soldaten hocken sie nebeneinander, immer abwechselnd ein Deutscher und ein Niederländer. Seite an Seite, nur wenige Meter voneinander entfernt. Mehr internationale Zusammenarbeit geht nicht.

Das Ziel der Zusammenarbeit beschrieb der im Jahr 2016 als "Verbandsführer" fungierende Offizier Jörg-Michael Horn folgendermaßen. Die Bundeswehr sei

gut beraten, sich durch Kooperation mit anderen Nationen weitere Fähigkeiten zu erschließen", um in der NATO "konkurrenzfähig" zu bleiben.

Weiterhin ließ sich entnehmen, dass der gemeinsame Feind dabei Russland sein könnte. Das Ganze sei nicht als

Säbelrasseln in der Ostsee

zu verstehen, diene aber klar dazu, dass

wir als Alliierte und Partner für Eventualitäten vorbereitet bleiben.