Tschechischer Präsident: Trump verteilt Noten an Länder wie ein Lehrer, wer kriegt die nächste 6?

Tschechischer Präsident: Trump verteilt Noten an Länder wie ein Lehrer, wer kriegt die nächste 6?
Der tschechische Präsident Milos Zeman während seiner Rede vor der UN-Generalversammlung am 19. September 2017.
Tschechiens Präsident Milos Zeman kritisierte Donald Trump für seine Rede vor der UNO, in der er Länder mit "falschem Benehmen" belehrte. Die internationale Gemeinschaft solle auf Parität basieren und nicht auf einem Verhältnis zwischen "Meister und Schüler".

"Die Rede erinnerte mich daran, wie ein Lehrer Noten an sich schlecht benehmende Schüler verteilt. Aber die internationale Gemeinschaft sollte keine Beziehung zwischen Meistern und Schülern sein. Entweder sind wir alle Lehrer oder alle Schüler", sagte Zeman, der ebenfalls vor der UNO-Generalversammlung eine Rede hielt, gegenüber tschechischen Medien in New York.

Der 72-jährige Politiker sagte, dass er auch bezüglich Trumps Liste der "bösen" Staaten nicht einer Meinung ist.

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Zeman: Nicht absehbar, wo der Maßregelungsdrang endet

"Ich hörte die Rede und dachte: Ok, Nordkorea, das ist eine schreckliche Diktatur. Aber er ging weiter. Venezuela, dann der Iran, was mir als weniger nachvollziehbar erschien, denn, wie Sie wissen, sind die Sanktionen gegen den Iran nach dem Nuklearabkommen abgeschwächt worden", erklärte Zeman.

Der tschechische Präsident, der 2013 gewählt wurde, sagte, solange sich die USA als Schiedsrichter für internationale Angelegenheiten betrachten, sei kein Land vor ihrem Tadel sicher.

"Nach diesen drei Ländern werden sie vielleicht Polen kritisieren, weil es gegen die Prinzipien einer unabhängigen Justiz verstoße, oder vielleicht gegen die Tschechische Republik, weil sie keine Migranten auf ihrem Territorium zulassen wird. Wo hört das auf?", fragte der für seine hemdsärmelige Art bekannte Politiker die Medien.

Kuba: Trumps Kommentare "respektlos und inakzeptabel"

Der US-Präsident verurteilte in seiner Rede am Dienstag vor der UNO eine Reihe von Staaten in scharfen Worten und bezeichnete den Iran als einen "wirtschaftlich erschöpften Schurkenstaat, dessen Hauptexportartikel Gewalt, Blutvergießen und Chaos" seien. Nordkorea wiederum sei ein "verdorbenes Regime", das "von einer Bande von Kriminellen regiert wird", und Venezuela eine "sozialistische Diktatur", die "am Rande des Zusammenbruchs" stehe.

Kuba bezeichnete der US-Präsident in der Rede als "korruptes, destabilisierendes Regime". Die sozialistische Karibikinsel war das letzte Land, das Trump antwortete.

"Nach den respektlosen, inakzeptablen und unannehmbaren Äußerungen von Präsident Donald Trump in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung zu einem Zeitpunkt, als die bilaterale Kommission der USA und Kubas in einer Sitzung tagte, hat die kubanische Delegation heftigen Protest zum Ausdruck gebracht", heißt es in einer Erklärung des kubanischen Außenministeriums.

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Nach einem sechs Jahrzehnte währenden Patt infolge der kubanischen Revolution absolvierte US-Präsident Barack Obama im März 2016 einen symbolischen Besuch auf Kuba und ebnete damit den Weg für eine Lockerung langjähriger Wirtschaftssanktionen. Trump schwor jedoch, dass die USA die Sanktionen gegen die kubanische Regierung nicht aufheben werden, solange diese keine grundlegenden Reformen durchführe.

Zuvor bezeichnete der Iran Trumps Kommentare als "schamlos und ignorant", während der venezolanische Präsident Nicolas Maduro den US-Präsidenten als einen "neuen Hitler" bezeichnete.