USA: Auftrag über 727 Mio. US-Dollar zur Unterstützung afghanischer Luftwaffe geht an Privatfirma

USA: Auftrag über 727 Mio. US-Dollar zur Unterstützung afghanischer Luftwaffe geht an Privatfirma
Das US-Verteidigungsministerium hat einen Auftrag im Umfang von 727 Mio. US-Dollar zu Gunsten der afghanischen Luftwaffe und einer Unterstützungseinheit vergeben. Die Investition ist Teil der jüngst verkündeten Trump-Strategie des "Kämpfens, um zu gewinnen".

Das Pentagon hat einen Auftrag im Wert von über 727 Millionen US-Dollar für die Unterstützung der afghanischen Luftwaffe sowie einer speziellen Unterstützungseinheit an einen Rüstungskonzern aus dem Osten der USA vergeben.

Der Schritt erfolgte nach Donald Trumps jüngster Ankündigung, einen "Kampf, um zu gewinnen" am Hindukusch zu führen. Der bislang längste Krieg für die US-amerikanische Nation hat bislang bereits über 780 Milliarden US-Dollar gekostet.

In einer Erklärung des US-Verteidigungsministeriums heißt es:

Das Unternehmen Leidos Innovation Corp. aus Gaithersburg in Maryland, erhielt einen 727.689.796 US-Dollar schweren Festpreis-Vertrag zur Unterstützung der afghanischen Luftwaffe (AAF) und der speziellen Unterstützungs- und Ausbildungseinheit Special Mission Wing (SMW).

Weiter heißt es, dass Gebote "über das Internet eingeholt" wurden. Die Arbeit werde in Kabul, Afghanistan, mit dem geschätzten Beendigungsdatum 31. Mai 2020 durchgeführt.

Die Leidos Innovation Corp, eine Einheit der Leidos Holding Corp (LDOS.N), ist ein wichtiger Auftragnehmer für das Pentagon und die Nationale Sicherheitsbehörde (NSA).

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Das US-Verteidigungsministerium hat seit 2002 über 76 Milliarden US-Dollar für Waffen und Ausrüstung ausgegeben, die afghanischen Sicherheitskräften zugutekommen sollen, teilte der US-amerikanische Rechnungshof (GAO) in diesem Monat mit.

Washington hat für 600.000 Waffen, einschließlich Gewehre und Pistolen bezahlt, die an die afghanische Armee und die dortige Polizei gingen, heißt es in dem GAO-Bericht.

Jede Stunde wandern vier Steuermillionen in den Krieg

Laut der NGO National Priorities Project (NPP) gaben die USA in Afghanistan bislang mehr als 780 Milliarden US-Dollar aus. Dabei sei der Konflikt in diesem Land zum längsten laufenden Konflikt für die USA geworden, bei dem zu allem Überfluss auch noch kein klares Ende in Sicht sei.

Jede Stunde zahlen die Steuerzahler in den Vereinigten Staaten vier Millionen US-Dollar für die Kosten des Krieges in Afghanistan", so die Organisation.

In der vergangenen Woche sagte Präsident Donald Trump, dass das US-Militär in Afghanistan "kämpfen" werde, indem es "Terroristen tötet" und dass es keinen "schnellen Ausstieg" aus dem mittlerweile 16-jährigen Krieg geben wird.

Die Taliban kämpfen um die Wiedererrichtung der islamistischen Herrschaft über Afghanistan, die sie dem Land von 1996 bis 2001 auferlegt hatten, als sie die mächtigste Fraktion im Land waren, bevor sie von einer US-amerikanisch geführten Invasion gestürzt wurden.

Etwa 2.400 US-Amerikaner sind seit 2002 bereits in diesem Krieg gestorben.

Unsere Truppen werden kämpfen, um zu gewinnen", umschrieb Trump seine künftige Strategie.

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"Mein ursprünglicher Instinkt war es, zu gehen - und historisch gesehen mag ich es, meinen Instinkten zu folgen. […] Aber mein ganzes Leben lang hörte ich auch, dass Entscheidungen sehr unterschiedlich aussehen, wenn man hinter dem Schreibtisch im Oval Office sitzt. Mit anderen Worten, wenn Sie Präsident der Vereinigten Staaten sind", fuhr er fort.

US-Truppen werden auf unbestimmte Zeit bleiben

"Ein eiliger Rückzug" würde ein "Vakuum" für Terroristen schaffen, warnte der US-Präsident und fügte hinzu, dass der 11. September der schlimmste Terroranschlag in der US-Geschichte gewesen sei. Dieser sei von Afghanistan aus geplant und geleitet gewesen, weil dieses Land von einer Regierung geführt wurde, die Terroristen Schutz und Schirm gegeben hatte, so Trump.

US-Truppen werden daher auf unbestimmte Zeit in Afghanistan bleiben, sagte er.

Die Bedingungen vor Ort, nicht willkürliche Zeitpläne, werden unsere Strategie von nun an leiten. Feinde der USA dürfen unsere Pläne niemals kennen oder glauben, dass sie abwarten können, bis wir weg sind", betonte der US-Präsident.

Seine neue Afghanistan-Strategie steht jedoch in krassem Gegensatz zu seinen früheren Aussagen.

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"Wir sollten sofort Afghanistan verlassen. Keine Menschenleben mehr verschwenden. Wenn wir wieder hineingehen müssen, gehen wir hart und schnell. Wiederaufbau der USA zuerst", hatte Trump noch im Jahr 2013 getweetet.

Als Trump das Amt übernahm, kontrollierten die Taliban mehr Territorium als in 2001 und die islamistischen Terroristen des IS hatten bereits in Ost-Afghanistan Fuß gefasst.

"Zurzeit gewinnen wir in Afghanistan nicht", gab der US-Verteidigungsminister James Mattis im Juni zu.

Taliban sind ein mächtiger Faktor im Land geblieben

Laut dem "Costs of War"-Projekt des Watson Instituts der Brown University starben in Afghanistan und Pakistan von 2001 bis Mitte 2016 etwa 173.000 Zivilisten infolge des US-amerikanisch geführten Krieges. Mehr als 183.000 Zivilisten wurden in dieser Zeit ernsthaft verwundet.

Nach der groß angelegten NATO-Truppenverkleinerung im Jahr 2014 sind in Afghanistan etwa 8.400 US- und 6.400 NATO-Soldaten verblieben.

Vor mehr als 15 Jahren, nach dem Angriff auf das World Trade Center am 11. September 2001, marschierten US-geführte Streitkräfte in Afghanistan ein, um die Taliban-Herrschaft zu beenden. In einem offenen Brief, der Anfang dieses Monats veröffentlicht wurde, forderten die Taliban Trump auf, alle US-Truppen aus dem Land zurückzuziehen.

Die Taliban erklärten in dem Brief, der auf Englisch verfasst war und durch ihren Sprecher Zabihullah Mujahid für die Medien freigegeben wurde, die Erfahrung habe gezeigt, dass "das Entsenden von noch mehr Truppen nach Afghanistan zu nichts führen wird".

Der Brief beschuldigte "kriegstreibende" Generäle und Politiker, den Konflikt zu verlängern und fügte hinzu, dass der einzige wahre Weg zum Frieden ein Ende der US-amerikanischen Präsenz im Land sei.

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"Globaler Inkubator für internationalen Terrorismus"

Auch Russland hat vor kurzem Kritik am Vorgehen der USA in Afghanistan geäußert. Der Sondergesandte des russischen Präsidenten für Afghanistan, Samir Kabulow, sagte im August, dass Washington seine Truppen zurückziehen muss, und fügte hinzu, dass die US-Kampagne dort "gescheitert" sei.

Afghanistan droht, ein globaler Inkubator für den internationalen Terrorismus zu werden. Es hat sich in der Tat teilweise schon so weit entwickelt, zu einem zu werden", unterstrich der Beamte.