USA führt zweiten Test mit atomarer Gravitationsbombe durch - Austritt aus Abrüstungsvertrag möglich

USA führt zweiten Test mit atomarer Gravitationsbombe durch - Austritt aus Abrüstungsvertrag möglich
Die nationale nukleare US-Sicherheitsverwaltung hat erfolgreiche Tests ihrer B61-12-Schwerkraftbomben ohne nukleare Komponenten bekanntgegeben. Kongressabgeordnete halten einen Austritt aus dem bahnbrechenden Nuklearabrüstungsvertrag mit Russland für möglich.

Den bereits zweiten Qualifikationsflugtest für die Atomwaffe haben die NNSA und die US Air Force durchgeführt. Der erste, ebenfalls erfolgreiche Test hatte bereits im März stattgefunden.

Schon der erste Test hatte Kritik auf sich gezogen, der sich unter anderem Brian Becker, der Direktor der Organisation ANSWER, der Koalition gegen Krieg und Rassismus, anschloss. In einem RT-Interview sagte er:

Um seine Kritiker in den Medien und in der Politik zu besänftigen, stellte Trump seinen Generälen einen Blankoscheck aus. Sie haben jetzt also eine großartige Zeit, denn sie testen nun alle Waffen, die sie testen wollten, wozu sie aber nicht in der Lage waren.

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Auf dem Trainingsgelände Tonopah Test Range in Nevada warfen F-15E-Kampfflugzeuge am 8. August B61-12 Schwerkraft-Bomben ab, die nicht mit einem Atomsprengkopf bestückt waren. Die Tests sollten laut einer NNSA-Stellungnahme helfen, die "nicht-nuklearen Funktionen der Bombe und die Fähigkeit des Flugzeugs, die Waffe zu befördern", zu überprüfen.

Die B61-12 wird die herkömmliche B61-Gravitationsbombe ersetzen, einen der Hauptpfeiler des Atomarsenals der US Air Force. Das Waffensystem ist Teil der so genannten Luft-Land-See-Triade, zu der auch die U-Boote der Ohio-Klasse und die B-52-Strategie-Bomber gehören. Die erste Produktion einer Bombe dieser Bauart ist für März 2020 geplant.

Programm zur Lebenszeiterweiterung

Die B61-Bombe, die seit 1968 im Dienst ist, befindet sich in einem Programm zur Lebenszeiterweiterung. Die Armee ersetzt dabei die alternden Komponenten und überarbeitet vier B61-Varianten, ohne "grundlegende Veränderungen der militärischen Anforderungen oder Merkmale" zu bewirken.

Phil Calbos, der stellvertretende NNSA-Administrator für Verteidigungsprogramme, erklärt dazu:

Das B61-12-Lebenserweiterungsprogramm schreitet planmäßig voran, um den nationalen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. […] Diese realistischen Flugqualifikationstests bestätigen das Design der B61-12, wenn es um die Systemleistung geht.

Der zweite Test der Atombombe könnte jedoch auch darauf hindeuten, dass Washington sein Wiederaufbauprogramm beschleunigt, warnt der Chefredakteur des National Defense Magazins, Igor Korotschenko.

China präsentiert seinen ersten Stealth-Bomber J-20 bei einer Luftshow in Zhuhai, 1. November 2016.

Die Tatsache, dass eine Modifikation dieser Atombombe geprüft wird, zeigt, dass die USA ein beschleunigtes Wiederbewaffnungsprogramm hinsichtlich ihres taktischen Atomarsenals in Europa fortsetzen und dass sowohl Washington als auch Brüssel das Szenario eines begrenzten Atomkrieges in Europa in Erwägung ziehen",

sagte der militärische Beobachter in einem Interview mit RIA Nowosti.

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Der Schritt erfolgt zwei Monate, nachdem Politico berichtet hatte, dass US-Senatoren darauf drängen, US-Präsident Donald Trump dazu zu zwingen, Schritte zu unternehmen, um neue Raketen zu entwickeln. Dies würden die ersten Schritte sein, um den so genannten INF-Vertrag abzusetzen. Moskau bezeichnete die Möglichkeit eines derartigen Verhaltens der USA als "lächerlich" und betonte, dass diese Schritte den Vereinigten Staaten selbst und auch deren europäischen Verbündeten schaden würden.

Kongressabgeordneter will bestehenden Vertrag umgehen

Im Juli schlug der republikanische Senator Tom Cotton, ein Mitglied des Repräsentantenhaus-Komitees für die Streitkräfte, vor, jenen als Meilenstein geltenden Vertrag zu umgehen, der sowohl Moskau als auch Washington das Testen, die Produktion und den Besitz von landgestützten Zwischenstreckenraketen verbietet.

Er drängte das Weiße Haus dazu, den "Transfer von Marschflugkörpertechnologie an unsere [US-amerikanischen] Verbündeten zu erleichtern" und wies darauf hin, dass bis auf die USA und Russland kein weiterer Staat diesen Vertrag unterzeichnet habe.

Nach der Ankündigung der Pläne, die B61-Atomwaffe zu verbessern, äußerte sich Russland besorgt darüber, dass dieser Schritt die globale Sicherheit destabilisieren könnte.

"Das bedeutet, dass die Rüstungsschwelle in der Theorie gesenkt werden könnte, was natürlich die Situation bis zu einem gewissen Grad destabilisieren wird", sagte der stellvertretende Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Rjabkow, im August 2016.

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Gleichzeitig würden die Eigenschaften der neuen Version der B61 "die Versuchung erhöhen", die Waffen auch zu benutzen, meint Michail Uljanow, der Leiter der Abteilung für Sicherheit und Abrüstung des russischen Außenministeriums.

In den nächsten 30 Jahren könnte Washington bis zu eine Billion US-Dollar für ein massives Waffenmodernisierungsprogramm ausgeben. US-Präsident Trump forderte die USA dazu auf, ihre "nukleare Fähigkeit deutlich zu verstärken und auszubauen", obwohl er das entsprechende kostspielige Modernisierungsprogramm der Obama-Regierung während des Wahlkampfes kritisiert hatte.