Israelischer Militärexperte warnt: Westen zu verweichlicht, um echte Kriege zu gewinnen

Israelischer Militärexperte warnt: Westen zu verweichlicht, um echte Kriege zu gewinnen
Martin van Creveld ist weltweit einer der bekanntesten und zugleich kontroversesten Militärexperten. Als Professor für Geschichte lehrte er viele Jahre an der Universität Jerusalem und kam zu dem Schluss: Der Westen hat verlernt sich zu verteidigen. Schuld daran sei eine zu lockere Erziehung.

Der islamistische Terror hat Einzug gehalten in Europa. Während Regierungen nach Lösungen für das akute Problem suchen, warnt der israelische Militärexperte Martin van Creveld vor dem Niedergang des Westens. Wohlstand führe zu Dekadenz und Wehrdienstverweigerung, weshalb die Gesellschaften der Industrieländer unfähig geworden sind sich selbst zu verteidigen, so seine Behauptung. Dies habe unvermeidliche Folgen für die Rolle des Westens in der Welt.

Eine US-Ehrenformation der Ramstein Luftwaffenbasis erweist fünf im Jemen gefallenen Kamerade die letzte Ehre.

Als Beleg für seine These verweist der Wissenschaftler auf die zunehmenden Niederlagen westlicher Truppen seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Trotz hoher Verteidigungsausgaben schaffe der Westen es nicht mehr Siege zu erringen. Die einzigen erfolgreichen Militäroperationen seien nur durch technische Überlegenheit zu Wasser und zu Luft gelungen. Für Besatzungen durch Bodenkriege, die notwendig wären um langfristig zu gewinnen, mangele es an gesellschaftlicher Zustimmung.

„Übermäßiger Wohlstand, der zu weniger strengen Sitten sowohl in geistiger als auch in körperlicher Hinsicht führt; eine wachsende Kluft zwischen Reich und Arm; der zunehmende Widerwille, Wehrdienst zu leisten, sowie eine Vorliebe für Söldner“, zählt Creveld als Zeichen des gesellschaftlichen Niedergangs in einem Interview mit der Jungen Freiheit auf.

Den ursächlichen Grund des Problems sieht er in der modernen Pädagogik. Die Jugenderziehung würde heute von überfürsorglichen Eltern, die ihren Kindern immer weniger abverlangen, viel stärker kontrolliert und überwacht werden. Dies behindere das Erwachsenwerden und mache es jungen Männern unmöglich, große Belastungen auf sich zu nehmen.

„Aufgrund der Art und Weise, wie wir Menschen des Westens unsere Kinder erziehen, sie gegen jede potentielle Gefahr beschützen, sie davon abhalten, erwachsen zu werden und sie zu unselbständigen Wesen erziehen“, verweichliche die Gesellschaft, so seine Kritik.

Auswirkungen dieses Erziehungsstils mache sich auch bei den Männern in den Streitkräften bemerkbar. Seit dem Wegfall der Wehrpflicht müssen in vielen Ländern Europas die Leistungsanforderungen immer weiter heruntergesetzt werden, damit überhaupt noch genügend Nachwuchs rekrutiert werden kann.

Die KSK ist die Elitetruppe der Bundeswehr (Archivbild).

Die Politik degradiere zudem ihre Armeen immer weiter zu „Papiertigern“. Traditionen müssen Reformen weichen. Der Militärapparat wird zunehmend bürokratisiert und wie eine gewöhnliche Behörde geführt.

„In den meisten europäischen Ländern, Deutschland ausdrücklich eingeschlossen, ist der Begriff Militarismus in der Bedeutung eines gesunden Stolzes des Soldaten auf seinen Berufsstand, zu einem Tabu geworden.“, stellt der Wissenschaftler fest.

Kriegsführung hält Creveld dabei für die letzte verbliebene Männerdomäne in der modernen Gesellschaft und fordert eine weitere „Feminisierung“ zu stoppen. Daher plädiert er für den Ausschluss von Frauen aus dem Militär und argumentiert mit physischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Der Israeli, der selbst ausgemustert wurde, hält Krieg für ein zutiefst menschliches Bedürfnis.

Creveld beklagt, dass Rechte über Pflichten gestellt werden. Damit gehe in modernen Gesellschaften das Pflichtgefühl verloren, was die Aufopferungsbereitschaft schmälert.

„Hätten die modernen westlichen Staaten mit Absicht ein Ausbildungssystem erfinden wollen, das die jungen Männer in Weicheier verwandelt, die an jedem Kriegsschauplatz der Dritten Welt unweigerlich besiegt werden, so hätten sie kaum erfolgreicher sein können.“, lautet das Urteil des renommierten Militärhistorikers in seinem neuesten Buch "Wir Weicheier".

Umfragen belegen den niedrigen Rückhalt bei der Verteidigungsbereitschaft in westlichen Gesellschaften.

Martin van Creveld sorgte bereits in Vergangenheit für Aufsehen. Nachdem er im Jahr 2011 eine Vorlesung über Frauen und Militär an der Universität Trier hielt, kritisierten Studenten seinen Vortrag als "frauenfeindlich, militaristisch, latent antiisraelisch, nicht zuletzt vulgärwissenschaftlich und methodisch primitiv". Seine kontroversen Thesen führten zum vorzeitigen Ende seiner Gastprofessur.

Möchte der Westen in Zukunft seine Stellung in der Welt behaupten, so müsse er seine Schwächen ablegen und lernen wieder zu kämpfen, empfiehlt Creveld. Dafür müssten allerdings Pflichten wieder vor persönliche Rechte gestellt werden und die Bürger wieder bereit sein, auch mit militärischen Mitteln für ihr Gemeinwesen einzutreten. Um den Terror zu bekämpfen, spricht sich der emeritierte Professor für ein Zweckbündnis mit Assad aus. Denn die Syrische Armee sei immerhin bereit ihr Leben zu riskieren, im Gegensatz zu den westlichen Staaten, die Bodeneinsätze scheuen um eigene Verluste zu vermeiden.