Papst Franziskus schlägt 21 Maßnahmen zur Erleichterung der Immigration vor

Papst Franziskus schlägt 21 Maßnahmen zur Erleichterung der Immigration vor
Setzt sich vehement für eine restriktionsfreiere Flüchtlingspolitik ein: Papst Franziskus.
Der Papst formulierte in einem Schreiben 21 konkrete Vorschläge, um, wie es heißt, Einwanderung menschlicher zu gestalten. Er spricht sich darin unter anderem für die Gewährung "humanitärer Visa" aus und für die Familienzusammenführung bei Flüchtlingen.

Bei dem Schreiben von Papst Franziskus handelt es sich nicht um ein Programm, sondern um einen Brief des Papstes zum 104. so genannten Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Die fünf dicht beschriebenen Seiten enthalten 21 konkrete Vorschläge, die seine Position bezüglich der derzeitigen Wanderungsbewegungen zusammenfassen. Das Schreiben richtet sich gleichermaßen an die Herkunfts- wie Aufnahmeländer von Flüchtlingen. Einwanderung soll, so lautet die Quintessenz, nicht mehr als illegal angesehen werden.

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Der Papst fordert zudem eine großzügige Willkommenskultur und die Schaffung von legalen Strukturen für Flüchtlinge. Er weist gleichzeitig darauf hin, dass es auch Restriktionen geben müsse, die der Aufnahmekapazität der einzelnen Länder geschuldet seien.

Das Dokument soll, so die Intention des Oberhauptes der Römisch-Katholischen Kirche, die Einstellung zu Flüchtlingen positiv verändern und eine menschenwürdigere Einwanderung ermöglichen. Franziskus hatte im Vatikan speziell ein Ministerium für die "ganzheitliche menschliche Entwicklung" gegründet, welches sich mit Flüchtlingsfragen beschäftigt. Der Papst erinnerte zudem in seinem Brief an ein christliches Grundprinzip:

Jeder Einwanderer, der an unsere Tür klopft, ist eine Gelegenheit, Jesus Christus zu begegnen, der sich allzeit mit den Fremden identifiziert hat – mit akzeptierten oder abgewiesenen. 

Anbei die Liste der 21 Maßnahmen, die Franziskus vorschlägt:

1. Schaffung von Möglichkeiten für eine sichere und legale Einreise in den Zielländern: vor allem durch die "Gewährung humanitärer Visa", Schaffung von "erweiterten und vereinfachten Modi" und die Förderung von Familienzusammenführung. 

2. Schaffung von mehr "humanitären Korridoren für die am stärksten gefährdeten Flüchtlinge", damit diese keine illegalen Wege suchen müssten. 

3. Erstellen eines Systems von "speziellen temporären Visa" für diejenigen, die vor Konflikten in Nachbarländern fliehen.  

4. Keine "kollektive und willkürliche Abschiebung", vor allem nicht in Länder, die "die Achtung der Würde und die Grundrechte nicht garantieren können". 

5. "Immer die persönliche Sicherheit der nationalen Sicherheit vorziehen", die Grenzposten vernünftig ausbilden, damit der erste Empfang der Flüchtlinge "angemessen und würdig" verläuft. 

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6. Alternativen zur Haft für diejenigen finden, die illegal ins Land gekommen sind. 

7. Im Ursprungsland Lösungen finden, die eine legale Auswanderung zulassen, und so gegen Schlepper vorgehen. 

8. Im Ankunftsland "den Migranten konsularische Hilfe anbieten", das Recht der Flüchtlinge achten, ihre Papier bei sich zu behalten, Zugang zum Rechtswesen schaffen, die Erlaubnis gewähren, Bankkonten zu eröffnen und ein "Existenzminimum garantieren".

9. Im Ankunftsland "Bewegungsfreiheit und Zugang zu Arbeit sowie Telekommunikationseinrichtungen sichern".

10. Für alle, die in ihr Land zurückkehren wollen, "berufliche und soziale Wiedereingliederungs-Programme schaffen".

11. Minderjährige Flüchtlinge schützen, "jede Form von Haft vermeiden", Zugang zur Bildung sicherstellen.  

12. Jedem geborenen Kind die Staatsbürgerschaft verleihen.  

13. Kampf gegen die "Staatenlosigkeit" von Migranten und Flüchtlingen durch die Schaffung eines "Bürgerrechts".

14. Unbegrenzter Zugang von Migranten und Flüchtlingen zu den nationalen Gesundheits- und Rentensystemen und "Übertragung ihrer Beiträge für den Fall ihrer Rückführung".

15. Garantie der Berufsfreiheit und Ausübung der Religion für alle im Gebiet anwesenden Ausländer.

16. Förderung der sozialen und beruflichen Integration von Migranten und Flüchtlingen, einschließlich Asylbewerbern – Sicherstellung der Möglichkeit zur Arbeit, Sprachtraining und aktiver Bürgerschaft. 

17. Verhindern, dass minderjährige Flüchtlinge ausgebeutet werden. 

18. Förderung der Familienzusammenführung - einschließlich Großeltern, Geschwistern und Enkelkindern – "ohne Rücksicht auf deren wirtschaftliche Kapazitäten".

19. Mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für Migranten, Flüchtlinge, Asylbewerber mit Behinderungen. 

20. Entwicklungsländern, die Flüchtlinge aufnehmen, stärker helfen. 

21. Integrieren, "ohne den Migranten ihre kulturelle Identität zu nehmen", ein "Angebot der aktiven Bürgerschaft" schaffen, "Wirtschaftskenntnisse von Sprachkenntnissen trennen", und Flüchtlingen, die länger im Land leben, eine Legalisierung ihrer Verhältnisse anbieten.

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