Große Stadtkriege: NATO will Strategie für Gefechte in dicht besiedelten Ortschaften entwickeln

Große Stadtkriege: NATO will Strategie für Gefechte in dicht besiedelten Ortschaften entwickeln
Große Stadtkriege: NATO will Strategie für Gefechte in dicht besiedelten Ortschaften entwickeln (Symbolbild)
Die NATO will eine Strategie für mögliche Kriegsoperationen in Großstädten entwickeln. RT hat die entsprechende Ausschreibung des Militärbündnisses studiert. Das Konzept soll demnach in groben Zügen bis Ende 2017 fertig sein.

Der Generalstab des Supreme Allied Commander Transformation (SACT) sucht nach einem Unternehmen, das für die NATO einen Plan ausarbeiten soll, auf dessen Basis sich das Militärbündnis auf mögliche Kriegshandlungen in Städten vorbereiten kann. Das vorläufige Konzept soll bis Ende 2017 fertig sein.

Die Ausschreibung, in die RT Einblick genommen hat, heißt "Development of NATO Military Operations in Urban Environment Concept" [zu Deutsch: "Konzept zur Entwicklung von NATO-Militäroperationen in städtischen Umgebungen"].

In der Anfangsetappe der Konzeptvorbereitung soll das interessierte Unternehmen eng mit dem SACT-Kommando zusammenarbeiten. Bis Ende 2017 sind anschließend Seminare zur Analyse und Einschätzung der vorzulegenden Rohstrategie geplant.

In der NATO-Ausschreibung steht, dass die Allianz-Kräfte zurzeit nicht gut genug organisiert, trainiert und ausgerüstet seien, um Einsätze in Städten, darunter auch dicht besiedelten, effizient durchführen zu können. Gleichzeitig zeigt sich die NATO sicher, dass die meisten bewaffneten Konflikte künftig gerade in solchen Ballungsgebieten stattfinden werden.

Urbanisierung stellt auch Armeen vor neue Herausforderungen

Daher soll das Konzept allumfassend sein und auch mögliche Risiken auf See, zu Land, zu Wasser, aber auch im Weltall und im Cyberraum berücksichtigen. Im Dokument wird betont, dass sich die weltweite städtische Bevölkerung bereits auf rund fünf Milliarden Menschen beläuft. Deswegen müsse sich das Militärbündnis auf neue, damit verbundene Herausforderungen gefasst machen.

Auf globalen demografischen Tendenzen basierende Studien weisen darauf hin, dass immer mehr bewaffnete Konflikte wahrscheinlich eben in städtischen Verhältnissen stattfinden werden", steht in der NATO-Ausschreibung.

Das SACT-Kommando will das zu entwickelnde Konzept im Februar oder März 2016 prüfen. Die endgültige Strategie soll dann im November 2018 verabschiedet werden.

Von Jugoslawien bis zu Libyen

Straßenszene: Belgrad nach Angriffen der NATO

Die Militäreinsätze, die die NATO bislang in Ballungsgebieten durchgeführt hatte, erwiesen sich nicht zwingend als Erfolgsstorys. Vielmehr hatten sie den Tod von tausenden Zivilisten und die weitläufige Zerstörung von Infrastruktur als Folge hatten.

So flog die Allianz während ihrer Operation "Allied Force" im Jahr 1999 innerhalb von zweieinhalb Monaten Angriffe auf 900 Ziele in Jugoslawien. Neben den militärischen Zielen wurden auch zivile Infrastrukturobjekte wie Brücken, Wohnhäuser und sogar Kindergärten bombardiert.

Die NATO-Kräfte warfen auf Jugoslawien 21.000 Tonnen Sprengstoff ab, darunter auch verbotene Geschosse mit abgereichertem Uran. Bei den Bombardements wurden nach einigen Angaben 2.500 Menschen getötet, weitere 12.500 erlitten Verletzungen. Darüber hinaus mussten mehr als 800.000 Menschen wegen des NATO-Militäreinsatzes ihre Häuser verlassen.          

Später kam die Unabhängige Kommission zur Untersuchung der Kriegsverbrechen der NATO-Führung gegen Jugoslawien zum Schluss, dass die NATO-Einmischung illegal gewesen sei. Im März 2002 stellte die UNO infolge der NATO-Bombardements eine radioaktive Verseuchung des Kosovo fest.

Nicht weniger tragisch war der Einsatz des atlantischen Bündnisses in Libyen. Die Militärintervention, die von März bis Oktober 2011 dauerte, endete erst mit der Ermordung des Staatschefs Muammar al-Gaddafi durch radikal-islamische Terroristen. Nach Schätzungen der Übergangsregierung in Tripolis sollen während der NATO-Operation und kurz danach mehr als 50.000 Libyer ums Leben gekommen sein.

Später gab der damalige US-Präsident Barack Obama zu, Fehler bei der Planung der Libyen-Invasion begangen zu haben.