Südkorea: Mit bayerischen Bunkerknackern gegen Kim Jong-un

Südkorea: Mit bayerischen Bunkerknackern gegen Kim Jong-un
Kann bis zu vier Meter dicke Betonmauern durchschlagen: der Marschkörper Taurus Kept 350K.
Südkorea zählt offenbar im Falle einer militärischen Auseinandersetzung mit Nordkorea auch auf deutsche Rüstungstechnologie. Der Marschflugkörper Taurus Kept 350K der bayerischen Taurus Systems GmbH gilt als eine der stärksten Super-Lenkwaffe der Welt.

Die Waffe eignet sich offenbar vor allem für sogenannte „chirurgische Angriffe.“ Der Marschflugkörper kann von südkoreanischen Kampfjets vom Typ F-15K ausgeklinkt und dann über hunderte Kilometer auf besonders gehärtete Ziele Nordkoreas, vor allem Bunkeranlagen, zusteuern. Damit könnten Ziele im Umkreis von Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang angegriffen werden, wie es aus Militärkreisen heißt. Sollten die Marschflugkörper aus Deutschland zum Einsatz kommen, wäre es der erste Gefechtseinsatz einer der weltweit stärksten Lenkwaffen.

Das gut fünf Meter lange Modell Taurus kann im Tiefflug bei einer Höhe von gut 30 Metern über dem Boden automatisch sein Ziel ansteuern. Das 1,4 Tonnen schwere Modell ist mit einem Jettriebwerk und einer ausgeklügelten Technik ausgestattet. Innerhalb von Millisekunden wird eine Vorhohlladung gezündet, und dann rast ein sogenannter Penetratorsprengkopf durch den Bunker. Die Sprengladung kann zudem stockwerkgenau gezündet werden. Damit sind selbst vier Meter dicke Betonwände kein Problem.

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Südkorea erhielt schon im Oktober 2016 die ersten deutschen Marschflugkörper mit der Bezeichnung Taurus Kept 350K vom Hersteller Taurus Systems GmbH im bayerischen Schrobenhausen. Dachgesellschaft der Firma ist der europäische Lenkwaffenkonzern MBDA. Zudem ist auch der schwedische Rüstungskonzern Saab Dynamics mit einem Drittel am Projekt beteiligt.

Ein Marschflugkörper soll rund eine Million Euro kosten. Deutschland hat 2005 bei der Bestellung von 600 Taurus für die Bewaffnung der Tornado-Kampfjets 570 Millionen Euro bezahlt. Südkorea soll bislang 170 Taurus für 270 Millionen Euro bestellt haben. Bei den Modellen für Südkorea handelt es sich offenbar um ein verbessertes Modell gegenüber der Bundeswehrversion. Laut der „Welt“ brüstet sich der Hersteller offenbar mit der Aussage:

Mit dem Waffensystem Taurus wird die koreanische Luftwaffe über die fortschrittlichsten derzeit am Weltmarkt verfügbaren Fähigkeiten für Abstandswaffen verfügen."

Südkorea möchte laut Medienberichten weitere 90 der Marschflugkörper in Deutschland ordern. Das Geschäft soll über die sogenannte Offset-Regelung laufen. Das bedeutet, dass ein ausländischer Waffenlieferant im Kundenland lokal investieren oder von dort Waren beziehen muss, wenn er den Auftrag erhalten will. Demnach soll die südkoreanische Regierung heimische Elektronikfirmen aufgefordert haben, eine Liste von Produkten zu erstellen, die sie gern nach Deutschland liefern würden.

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