Vermeintliche Kreml-Anwältin Natalija Wesselnizkaja: "Eine bis zur letzten Note orchestrierte Story"

Vermeintliche Kreml-Anwältin Natalija Wesselnizkaja: "Eine bis zur letzten Note orchestrierte Story"
Vermeintliche Kreml-Anwältin Natalija Wesselnizkaja: "Eine bis zur letzten Note orchestrierte Story"
Die russische Anwältin Natalija Wesselnizkaja hat in ihrem exklusiven Interview mit RT erklärt, dass der Skandal um ihr Treffen mit Donald Trump jr. eine "bis zur letzten Note orchestrierte" Story sei. Dahinter stehe der US-Investor William "Bill" Browder.

In ihrem jüngst veröffentlichten exklusiven Interview für RT hatte die in westlichen Medien zur "Kreml-Anwältin" stilisierte Juristin William Browder vorgeworfen, Informationen über sie selbst und über ihre Familie gesammelt zu haben. Darüber hinaus soll der Chef der Fondsgesellschaft Hermitage Capital Management diese Informationen an Vertreter des U.S. State Department weitergeleitet haben.

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Im Gespräch mit dem Fernsehsender kritisierte die Rechtsanwältin die Berichterstattung der US-Medien über ihr Treffen mit dem älteren Sohn des 45. US-Präsidenten Donald Trump scharf.

Es ist eigentlich verwunderlich, wie heute die Maschinerie der US-Medien funktioniert. Die New York Times hatte mir am 8. Juli eine Liste mit Fragen geschickt, die sie interessierten. Ich war sehr verwundert über die Fragen, die Herrn Trump jr. und mein Treffen mit ihm betrafen, sodass ich mich nicht sofort an das Datum der Begegnung erinnern konnte. Denn diese war so flüchtig gewesen. Sie hatte nämlich zu keinem Ergebnis geführt und keine weiteren Folgen gehabt. Deswegen konnte ich mich nicht deutlich daran erinnern, wann genau und unter welchen Umständen jenes Treffen überhauptstattgefunden hatte. Nachdem die New York Times von mir eine recht detaillierte Antwort erhalten hatte, schrieb sie in ihrer ersten Publikation zu dem Thema vom 8. Juli dieses Jahres darüber nur sehr kurz und nur das, was ihr selbst als nützlich erschien. In weiterer Folge wurde dieser Artikel bis zur Unkenntlichkeit verändert. Wenn Sie heute die allererste Publikation der New York Times zu diesem Thema abrufen und diese mit dem Artikel vergleichen, der ursprünglich am 8. Juli, also am ersten Tag dieses Megahypes, erschienen ist, bemerken Sie einen kolossalen Unterschied", stellte Natalija Wesselnizkaja fest.       

Die russische Rechtsanwältin bezeichnete den Hype um ihre Begegnung mit Donald Trump jr. während der Präsidentschaftswahlkampagne seines Vaters als eine Geschichte, die "auf die Note genau" orchestriert worden wäre:

Dieser so genannte Megaskandal um meine Begegnung mit Herrn Donald Trump jr. ist eine bis zur letzten Note orchestrierte Story. Von wem? In dieser Situation sehe ich nur eine Antwort auf diese Frage: Finden Sie das Motiv und Sie werden die Erklärung für alles finden.

Wesselnizkaja: Wir haben zuviel herausgefunden

Natalija Wesselnizkaja erläuterte gegenüber RT außerdem den mutmaßlichen Hintergrund des medial bewusst aufgebauschten angeblichen Skandals. Ihr zufolge stehe dahinter der US-Finanzfachmann William Browder. Die Rechtsanwältin sei ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil sie viel über William Browders Machenschaften in Russland und über die Kehrseite des Magnitski-Gesetzes wisse und sich ziemlich dicht einer Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten und Fällen der Entwendung von Staatsgeldern aus dem russischen Haushalt angenähert habe. Diese könnten einen Zusammenhang mit Browders russischen Aktivitäten aufweisen.

Wir haben uns so dicht der Wahrheit darüber angenähert, wie das Magnitski-Gesetz zustande gekommen war; wir haben uns so dicht der Wahrheit darüber angenähert, wovon sich diese Leute hatten leiten lassen, wer über mehrere Jahre hinweg für dieses Gesetz Lobbyismus betrieben hatte; wir haben so viel darüber erfahren, was tatsächlich in der Russischen Föderation zwischen 1996 und 2006 passiert war; wir haben uns so dicht an die Aufdeckung der Entwendung von Staatsgeldern aus unserem Haushalt angenähert – und dabei muss man noch berücksichtigen, dass ich mich praktisch an der vordersten Linie befinde und faktisch in aller Öffentlichkeit Herrn Browder herausgefordert habe –, dass ich glaube, dass niemand Geringerer als er selbst jener Mensch ist, der das alles erfunden hat, und dass es sich dabei ausschließlich um sein Werk handelt. Sein Werk und das Werk seines Teams", resümierte Natalija Wesselnizkaja.

Anfang Juli 2017 hatte die Zeitung New York Times berichtet, dass sich die angeblich "kremlnahe" russische Anwältin Natalija Wesselnizkaja im Jahr 2016 mit dem älteren Sohn des US-Präsidenten Donald Trump getroffen und diesem kompromittierendes Material über die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angeboten hätte. Der Pressesprecher von Wladimir Putin teilte mit, weder von Natalja Wesselnizkaja noch von ihrem Treffen mit Donald Trump jr. zu wissen.

Rachefeldzug Browders nach Verurteilung wegen Steuerhinterziehung

Donald Trump jr. selbst erklärte gegenüber dem Blatt, dass die Russin keine Staatsbedienstete gewesen sei und keine wichtigen Informationen gehabt habe. Ihm zufolge sei das mutmaßliche Belastmaterial gegen Hillary Clinton nur ein Vorwand gewesen, um eine Zusammenkunft zu erreichen. Die Anwältin habe mit ihm außerdem über das Magnitski-Gesetz sprechen wollen. Später veröffentlichte der ältere Sohn des 45. US-Präsidenten seinen Briefwechsel mit dem Musikproduzenten Rob Goldstone, der das Treffen organisiert haben soll. Dem Briefwechsel zufolge soll sich der russische Sänger Emin Agalarow bei Rob Goldstone für das Treffen eingesetzt haben.

William Browder ist ein bekannter US-amerikanischer Finanzinvestor. Zwischen 1995 und 2007 war er einer der größten Investoren in die russische Wirtschaft. Russlands Staatsanwaltschaft stellte fest, dass William Browder über seine Firma Hermitage Capital Management und mithilfe seines Anwalts Sergej Magnitski Steuern hinterzogen hatte. Der Tod von Sergej Magnitski am 16. November 2009 in einem Untersuchungsgefängnis in Moskau schlug weltweit hohe Wellen. William Browder selbst wurde in Abwesenheit zu neun Jahren Haft wegen Steuerbetrugs verurteilt und ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

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