Schuhe kaufen mit dem Entführer – Polizei hat Zweifel an Kidnappingfall von britischem Model

Schuhe kaufen mit dem Entführer – Polizei hat Zweifel an Kidnappingfall von britischem Model
Stimmt Ihre Geschichte - oder geht es Chloe Ayling nur um Internet-Ruhm?
Ein junges britisches Model wird für ein Shooting nach Mailand gelockt, dann unter Drogen gesetzt und schließlich sogar entführt. Das sie dennoch freikommt – ein Glücksfall. So jedenfalls die Version des Models. Doch vielleicht war alles auch ganz anders.

Im Fall eines mutmaßlich entführten britischen Models sind Zweifel daran aufgekommen, ob sich das Verbrechen tatsächlich so ereignet hat, wie bisher angenommen. Mehrere Medien hatten am Montag von einem Entführungsfall berichtet. Doch laut der britischen "Daily Mail" prüft die Polizei im Augenblick, ob Chloe Ayling und ihr vermeintlicher Entführer Lukasz Herba nicht vielmehr Komplizen sind.

Die Zeitung zitiert eine Quelle bei der italienischen Polizei, nach der man bisher beispielsweise keine Spur bei Aylings Model-Agentur gefunden habe. Das Model hatte zuvor berichtet, sie sei über ihre Agentur für ein Fotoshooting nach Mailand gelockt worden. Dort sei sie dann betäubt und entführt worden.

Zweifel wirft auch die Tatsache auf, dass Ayling mit einem ihrer Entführer offenbar Schuhe kaufen war, nachdem sie ihre eigenen verloren hatte. Obwohl sie dabei vermutlich die Möglichkeit gehabt hätte zu fliehen, kehrte Ayling zusammen mit dem Entführer in das Bauernhaus zurück, in dem sie angeblich gefangen gehalten wurde.

In diesem Bauernhaus soll das britische Model festgehalten worden sein.

Ayling begründete ihr Verhalten damit, dass sie Angst um ihr Leben gehabt habe. Zudem hatte die 20-Jährige von fünf Entführern berichtet, die Polizei geht jedoch von nur zwei aus.

Nach eigener Aussage musste Ayling mit Herba, ihrem mutmaßlichen Entführer, in einem Bett schlafen. Sie sei jedoch von ihm nicht sexuell bedrängt worden. Er habe ihr zudem Unterwäsche und Schokolade geschenkt. Aus Angst davor, vergiftet zu werden, habe sie nur aus original verschlossenen Wasserflaschen getrunken und normale Mahlzeiten verweigert. Später habe sie jedoch eine Vertrauensbeziehung zu ihm entwickelt.

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Das Model hatte zudem bei der Polizei ausgesagt, sie habe ihren Entführer schon vor Monaten erstmals getroffen. Das Foto-Shooting in Paris, bei dem dieses Treffen stattfand, sei dann aber abgebrochen worden. Der 30-jährige Pole, der in Großbritannien lebt, wurde bei der Übergabe des Models im britischen Konsulat in Mailand festgenommen. Er hatte einen gefälschten Pass bei sich. Herba hatte gesagt, er gehöre einer Gruppe namens Black Death an, die Sex-Sklaven im Internet verkaufe. Mittlerweile wurde jedoch bekannt, dass er schon während der Entführung versuchte, die Geschichte einer Boulevardzeitung zu verkaufen.

Die mysteriöse „Black Death Group“ soll für die Entführung von Chloe Ayling verantwortlich sein.

Die britische Polizei verwies auf die Zuständigkeit der italienischen Behörden, betonte aber, noch behandle man den Fall als echte Entführung. Aylings italienischer Anwalt Francesco Pesce sagte gegenüber dem britischen "Independent", die Ermittler hätten zunächst "mehr als verständliche Zweifel" an der Geschichte gehabt. In der Tat sei es schwer zu glauben, dass jemand eine Person, die er mehrere Tage lang entführt hielt, in einem schwer bewachten Konsulat abliefert. Aber so sei es nun mal gewesen.

Der mutmaßliche Entführer: Der Pole Lukasz Herba (30) soll zur „Black Death“-Gruppe gehören.

Britische Medien verweisen in ihrer Berichterstattung darauf, dass es vor dem Entführungsfall zu Ayling lediglich drei Suchergebnisse bei Google gegeben habe. Einmal sei sie Seite 3-Mädchen bei dem Boulevardblatt "Sun" gewesen, einmal ging es darum, dass sie den Terroranschlag auf dem Pariser Champs-Élysées überlebt hatte, das dritte Ergebnis betraf einen Youtube-Prank. Auch die Zahl ihrer Instagram-Follower sei in den letzten Tagen erheblich angestiegen. Ayling war selbst mit der Information an die Öffentlichkeit gegangen, sie sei das entführte Model.

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