Unfriede im Weißen Haus über Afghanistan - Trump: "Wir gewinnen nicht“

Unfriede im Weißen Haus über Afghanistan - Trump: "Wir gewinnen nicht“
US-Armee-General John Nicholson, gerade im Amt, salutiert während einer Zeremonie in der "Resolute Support"-Zentrale in Kabul Anfang März 2016. Reuter@Rahmat Gul
Berater melden lautstarke Uneinigkeit bezüglich der Strategie in Amerikas längstem Krieg. Der US-Präsident fordert die Entlassung des US- Oberkommandierenden in Afghanistan, General John Nicholson. Derweil planen Verteidigungsminister Mattis und dessen NATO-Kollegen die Aufstockung der Truppen.

Bei einem Treffen im Weißen Haus am 19. Juli habe US-Präsident Donald Trump von seinen Beratern genauere Informationen über den „Endzustand“ in Afghanistan gefordert, wo die USA seit 16 Jahren, ohne Aussicht auf ein Ende des Konflikts, militärisch engagiert sind.

Personalstrafe und Bereicherung angesichts des ausweglosen Konfliktes

Wir gewinnen nicht“, sagte Trump nach Angabe von Mitarbeitern, die sich anonym hielten.

Eine US-Ehrenformation der Ramstein Luftwaffenbasis erweist fünf im Jemen gefallenen Kamerade die letzte Ehre.

Der US-Präsident habe daher Verteidigungsminister James Mattis und Generalstabschef Joseph Dunford nahegelegt, den US-Oberkommandierenden in Afghanistan, General John Nicholson, zu entlassen. Bei dem Treffen im Situation Room des Weißen Hauses soll es laut geworden sein. Einige der Berater hätten das Treffen "fassungslos" verlassen, weil Trump es ausdrücklich nicht hinnehmen wollte, dass die Armee es zulässt, den Krieg zu verlieren.

Weiterhin soll der Präsident vorgeschlagen haben, von der afghanischen Regierung einen Teil der Einnahmen aus der lokalen Ausbeutung der Bodenschätze zu verlangen, auch zumal China bereits von den Minen profitiere.

Nach dem Treffen habe sich eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen Chefstratege Steve Bannon und dem nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster über den Kurs der US-Politik entwickelt. McMaster, Mattis und weitere Topberater würden nun Antworten auf Trumps Fragen vorbereiten, um dessen Einwilligung zu der neuen US-Strategie für die Region zu erhalten. Für Donnerstag sei ein weiteres Treffen anberaumt.

Weitere Truppenaufstockung geplant

Derzeit stockt eine von Verteidigungsminister Mattis geplante Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan, wohl aufgrund der gegensätzlichen Vorstellungen über die Afghanistan-Strategie. Auch die anderen NATO-Verteidigungsminister beschlossen kürzlich beim Ministertreffen in Brüssel die Entsendung weiterer Soldaten nach Afghanistan.

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Derzeit sind mehr als 13.000 Soldaten in Afghanistan, davon knapp 1.000 von der Bundeswehr. Der NATO-Kampfeinsatz in Afghanistan begann im Jahr 2001 und wurde 2014 für beendet erklärt. Die Sicherheitslage ist fragil, erst vor wenigen Tagen kam es zu einem Anschlag auf einen NATO-Konvoi und zuvor auf eine Moschee.