US-Außenminister im Deeskalations-Modus: Wir möchten Dialog mit Pjöngjang, nicht Regime-Change

US-Außenminister im Deeskalations-Modus: Wir möchten Dialog mit Pjöngjang, nicht Regime-Change
US-Außenminister Rex Tillerson.
Nach dem Säbelrasseln der letzten Wochen hat US-Außenminister Rex Tillerson zu unerwartet sanften Worten gegenüber Nordkorea gegriffen. Eine diplomatische Lösung des Konflikts sei möglich. Zuvor müsse sich Pjöngjang aber bereit erklären, das Atomwaffenprogramm zu beenden.

Washington strebt nicht nach einem Regime-Change in Nordkorea und möchte stattdessen zukünftig in einen Dialog mit Pjöngjang treten, um die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu vermindern. Dies erklärte der US-Außenminister Tillerson. 

USA und Südkorea reagieren mit Militärübung auf Nordkoreas Raketentest

Wir streben nicht nach einem Regime change. Wir streben nicht den Kollaps des Regimes an. Wir streben nicht nach einer beschleunigten Wiedervereinigung der Halbinsel. Wir streben nicht nach einer Ausrede, um unser Militär nördlich des 38. Breitengrades zu schicken", erklärte Tillerson gegenüber Journalisten am Dienstag in Washington. 

Trotz mehrfacher Warnungen Washingtons, dass die USA zu einer militärischen Lösung greifen könnten, um Pjöngjangs Atom- und Raktenprogramme aufzuhalten, betonte Tillerson, dass die USA versuchen würden, die Nordkoreaner davon zu überzeugen, dass sie keine Feinde oder Bedrohung für Pjöngjang seien. 

Nordkorea stelle aber, so Tillerson, eine "nicht annehmbare Bedrohung" für die Vereinigten Staaten dar. Dies zwinge Washington zu reagieren. Dennoch äußerte der US-Außenminister seine Hoffnung, dass Washington und Pjöngjang ihren Streit durch Verhandlungen beilegen können. 

Wir möchten uns gerne [mit den Nordkoreanern] hinsetzen und einen Dialog mit ihnen über die Zukunft führen, die ihnen die Sicherheit, nach der sie streben, und den zukünftigen wirtschaftlichen Wohlstand Nordkoreas ermöglichen wird", erklärte Tillerson.

Verhandlungen mit der nordkoreanischen Regierung seien möglich, wenn Nordkorea sich dazu bereit erklärt, sich von seinen Atomwaffen zu trennen.

Die derzeitige Lage auf der koreanischen Halbinsel sei nur auf das Verhalten Pjöngjangs zurückzuführen. Tillerson rief erneut die chinesische Regierung dazu auf, mehr Druck auf Nordkorea auszuüben, um die dortige Regierung von ihrem Atomwaffenprogramm abzubringen. China und die Vereinigten Staaten würden das gemeinsame Ziel einer denuklearisierten koreanischen Halbinsel teilen, so der US-Außenminister.

Nordkoreanische Soldaten hinter einem Grenzzaun der nordkoreanischen Stadt Sinuiju, 31. März 2017.

Während Peking zwar wichtige wirtschaftliche Beziehungen mit seinem Nachbarn in den letzten Monaten eingefroren hat, betont Peking stets, dass die Korea-Krise nur durch diplomatische Mittel gelöst werden kann. Washington lehnte kürzlich einen gemeinsamen diplomatischen Lösungsvorschlag Russlands und Chinas ab. Dieser sah vor, dass Pjöngjang sein Raketen- und Atomwaffenprogramm einstellt, während die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten ihrerseits die Militärmanöver in der Region beenden. 

Erst wenige Tage vor den Äußerungen Tillersons hatte die nordkoreanische Regierung bekanntgegeben, dass die Streitkräfte des Landes ein zweites Mal einen erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete (ICBM) durchgeführt haben. Angaben des russischen Militärs zufolge soll es sich aber nicht um eine ICBM, sondern um eine ballistische Mittelstreckenrakete (IRBM) handeln.

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