Niederlande irritiert über Botschafter-Vorschlag von US-Präsident Donald Trump

Niederlande irritiert über Botschafter-Vorschlag von US-Präsident Donald Trump
Er soll der neue Botschafter der USA in den Niederlanden werden: Pete Hoekstra.
Die Nominierung von Pete Hoekstra als neuen US-Botschafter in den Niederlanden sorgt für Unruhe. Hoekstra gilt unter anderem als entschiedener Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe. Zudem sieht er in den Flüchtlingen eine massive Bedrohung für Europa.

Die Nominierung von Pete Hoekstra, einem ehemaligen Kongressabgeordneten und Mitgründer der konservativen Tea-Party-Bewegung, sorgt in den Niederlanden für Irritationen. Die Niederlande gelten als eine Bastion von "liberalen Werten" und waren das erste Land weltweit, das die Homoehe einführte. Die Wahl von Trump wird in den niederländischen Medien kritisiert. Die Zeitung De Volkskrant merkte an, dass Trump

einen Holländer in die Niederlande schicken wolle - aber einen Holländer aus den Niederlanden der 1950er Jahre".

Hoekstra, der von 1993 bis 2011 Michigans zweiten Kongressbezirk im US-Repräsentantenhaus vertrat, wurde zwar in den Niederlanden geboren, verließ das Land jedoch schon als Dreijähriger. Seine Nominierung muss von der niederländischen Regierung noch genehmigt und vom US-Senat bestätigt werden.

Hoekstra hat sich mehrfach gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen und sich als Kongressabgeordneter konsequent dafür eingesetzt, das Recht auf Abtreibung zu begrenzen. Er ist auch ein Befürworter der Todesstrafe.

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Im Jahr 2012 sorgte ein Werbeclip von Hoekstra während seiner Kampagne für den US-Senat für Aufsehen. Der Clip zeigt eine junge chinesische Frau auf einem Fahrrad, die sich mit einem starken Akzent dafür bedankt, dass die USA so viel Geld von China leihen - und somit die chinesische Wirtschaft ankurbeln.

Interessenvertreter von asiatischen und pazifischen Wählern bewerteten den Clip damals als "sehr beunruhigend" und warfen Hoekster vor, der Clip sei entworfen worden, um ein "anti-asiatisches Gefühl" zu wecken.

Auch in den Niederlanden eckte Hoekstra schon an. So hatte er mehrmals geäußert, dass es in den Niederlanden Chaos wegen eines "geheimen Dschihads" in Europa gebe.

Autos werden in Brand gesetzt. Politiker werden in Brand gesetzt", sagte er. Ja, in den Niederlanden gibt es No-Go-Zonen."

Zudem hatte er in den letzten Jahren auf Kongressen der Anti-Islam American Freedom Alliance gesprochen, wo auch der umstrittene niederländische rechtskonservative Geert Wilders einst Gast war.

Die niederländische liberale Abgeordnete Sophie in 't Veld formulierte vielsagend:

Wir freuen uns darauf, mit Herrn Hoekstra zusammenzuarbeiten. Wir werden ihn sicherlich daran erinnern, dass seine Wurzeln in einem Land liegen, das Toleranz, Gleichheit und Integration berücksichtigt."

Und sie fügte hinzu:

Wir sind stolz darauf, das erste Land weltweit zu sein, das die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt hat. Wir sind stolz darauf, die niedrigsten Abtreibungsraten in der Welt zu haben, weil es hier sicher und legal ist. Wir sind stolz auf unser Land, in dem Menschen mit Migrationshintergrund Bürgermeister einer Großstadt oder Sprecher eines Parlaments sein können. Wir erwarten von dem Vertreter unseres Freundes und Verbündeten, den Vereinigten Staaten, unsere Werte voll und ganz zu respektieren und diesen Respekt in all seinen Handlungen und Worten zu zeigen."

Diese Wünsche könnten sich erfüllen. Als Hoekstra in einem Interview im Jahr 2006 von der Zeitung De Volkskrant gefragt wurde, ob er fürchte, die Niederlande seien ein modernes "Sodom und Gomorrah" geworden, verneinte Hoekstra die Frage und sagte:

Ich empfinde es überhaupt nicht so. Ich komme gerne hierher", so Hoekstra.

Es ist klar, dass die Niederlande in einer Reihe von Gebieten eine andere Wahl getroffen haben als die USA. Das muss man als ausländischer Politiker respektieren, auch wenn man eine andere Meinung hat."

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