Vatikan gegen glutenfreie Hostien - und eine Allianz zwischen Washington und Moskau

Vatikan gegen glutenfreie Hostien - und eine Allianz zwischen Washington und Moskau
Der Brauch, bei der Eucharistiefeier Oblaten aus Weizenmehl und Wasser zu verwenden, entwickelte sich in der westlichen Kirche seit karolingischer Zeit im achten und neunten Jahrhundert. Er geht auf das ungesäuerte Brot, Matze genannt, des jüdischen Sederabends während des Pessach-Festes zurück.
In einem Rundbrief erinnert die Katholische Kirche daran, dass glutenfreie Hostien verboten sind - gentechnisch veränderte sind hingegen erlaubt. Papst Franziskus macht sich unterdessen große Sorgen über eine mögliche Kooperation zwischen den USA und Russland.

Glutenfreies Brot ist beim Abendmahl in der Katholischen Kirche nicht zugelassen. Daran erinnerte der Vatikan am Samstag in einem Rundbrief an die Bischöfe.

Hostien, die überhaupt kein Gluten enthalten, sind für die Eucharistie ungültige Materie,

heißt es in dem Schreiben der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Das Brot müsse ungesäuert sein und aus reinem Weizenmehl bestehen. Auch für Zöliakie-Patienten, bei denen bereits kleinste Mengen des Klebereiweißes Reaktionen des Immunsystems auslösen können, ist keine Ausnahme vorgesehen.

Kardinal Sarah mahnt "absoluten Respekt" vor der Eucharistie an

Laut Vatikan können in Ausnahmefällen Hostien mit weniger Gluten ausgegeben werden. Sie müssten aber immer noch so viel davon enthalten, dass die Zubereitung des Brotes ohne fremdartige Zusätze möglich sei und ohne "Rückgriff auf Vorgangsweisen, die dem Brot seinen natürlichen Charakter nehmen". Zöliakie ist eine Gluten-Unverträglichkeit. Der im Vatikan für das heilige Sakrament zuständige Kurienkardinal Robert Sarah fordert Hersteller von Hostien zu "absolutem Respekt" vor der Eucharistie auf.

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Keine Einwände hat der Vatikan hingegen, wenn gentechnisch veränderte Zutaten für Hostien und Wein verwendet werden.

Die Kongregation hat entschieden, dass eucharistische Materie, die mit genetisch veränderten Organismen zubereitet wurde, als gültige Materie angesehen werden kann,

heißt es in dem Rundbrief weiter. Während die Kirche auf diese Weise eine im Lichte der Transsubstantiationslehre durchaus heikle und für Gläubige erhebliche theologische Frage einer transzendenten Lösung zuführt, ist ihr andernorts die aktive Teilhabe an äußerst weltlichen Fragen nicht fremd.

Asylkritisches Polen findet keine Erwähnung

So hat sich Papst Franziskus mit Blick auf den G20-Gipfel in Hamburg einmal mehr mit einem sehr irdischen, politischen Statement zu Wort gemeldet. Darin zeigt er sich besorgt über vermeintliche Allianzen mächtiger Staaten gegen Arme und Flüchtlinge:

Ich befürchte, dass es sehr gefährliche Bündnisse zwischen den Mächtigen gibt, die eine verzerrte Wahrnehmung von der Welt haben: Amerika und Russland, China und Nordkorea, Putin und Assad im Krieg in Syrien,

zitierte die Zeitung La Repubblica am Samstag aus einem Gespräch zwischen dem katholischen Kirchenoberhaupt und dem Journalisten Eugenio Scalfari, das bereits vor dem Treffen der 20 großen Wirtschaftsmächte in Hamburg geführt worden war. Papst Franziskus hat dem Nachrichtenportal kath.net zufolge den bekennenden Atheisten und früheren Abgeordneten der Sozialistischen Partei bereits zum vierten Mal im Vatikan empfangen.

Die Gefahr solcher Bündnisse betreffe vor allem Migranten, deren Aufnahme einige Länder der Welt verweigerten, habe Franziskus gesagt. Das stark katholisch geprägte Polen, dessen Regierung sich ebenfalls vehement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sträubt, ließ er jedoch offenbar unerwähnt. In einer Nachricht an G20-Gastgeberin Angela Merkel hatte der Argentinier zum Auftakt des Gipfels am Freitag an die Teilnehmer appelliert, den Armen in politischen Entscheidungen "absoluten Vorrang" einzuräumen.

Der Papst habe Scalfari zufolge zudem geäußert, Europa müsse so bald wie möglich eine bundesstaatliche Struktur annehmen, ansonsten würde es bald "in der Welt nichts mehr zählen". 

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(rt deutsch/dpa)

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