Russische Politiker und Experten zum G20: "Keine plötzliche Verbesserung zu erwarten"

Russische Politiker und Experten zum G20: "Keine plötzliche Verbesserung zu erwarten"
Der G20-Gipfel ist vorbei, und die Gäste sind abgereist. Nun ziehen Politiker und Experten Bilanz zum Gipfel. Während der Veranstaltung richteten die meisten Medien ihr Interesse vor allem auf das Treffen zwischen Putin und Trump sowie den anschließenden Dialog zwischen den zwei Präsidenten.

Die Aufmerksamkeit der westlichen Medien gegenüber dem Treffen des US-Präsidenten mit dem russischen Staatsoberhaupt war so groß und angespannt, dass auf Spekulationen nicht verzichtet werden konnte. Am Samstag schrieb zum Beispiel die New York Times, dass die beiden Politiker während ihrer Unterhaltung um die 40 Minuten lang nur über die angebliche Einmischung Russlands in die US-Wahlen im letzten Jahr gesprochen hätten.

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Putins Pressesprecher Dmitri Peskow äußerte sich zu dieser Behauptung wie folgt:

Alle diese Spekulationen der New York Times, die sie erwähnt haben, sind absurd. Ich wiederhole noch einmal: Dort befanden sich nur zwei Menschen. Woher will die New York Times also wissen, was wie lange besprochen wurde, sowie wer wann und ob überhaupt die Stimme erhob? All das zeigt ausdrucksvoll, dass dort große Märchenerzähler sitzen, die alles Mögliche tun, um eine Schwächung der Russophobie-Welle zu verhindern", zitiert RIA Nowosti den Beamten.

Der Politikwissenschaftler und Chefredakteur der Zeitschrift Russia in Global Affairs Fjodor Lukjanow zog in einem Interview mit der Nachrichtenagentur NSN das Fazit zum G20-Gipfel im Kontext der russisch-US-amerikanischen Beziehungen:

Was die russisch-US-amerikanischen Beziehungen angeht, wurde bei dem Gipfeltreffen mehr erreicht, als man erwarten konnte. Auch wenn die Atmosphäre der Gespräche zwischen Trump und Putin positiv und konstruktiv gewesen ist, heißt das nicht, dass sich die Beziehungen nun automatisch verbessern werden. …

Es scheint mir, als hätten Putin und Trump begriffen, dass es möglich ist, aufeinander zuzugehen und zusammenzuarbeiten. Denn das schlimmste Resultat wäre es, wenn sie gesprochen und verstanden hätten, dass es hoffnungslos sei, daran zu arbeiten.

Außerdem betonte der Experte, dass der US-Kongress versuchen wird, Trump in seinem Wunsch, die Beziehungen zu Russland zu verbessern, "den Wind aus den Segeln zu nehmen."

Allgemein ziehen russische Experten keine rosige Bilanz aus dem Treffen der beiden Staatsoberhäupter. Ein weiterer Wissenschaftler Iwan Surma, Professor des Lehrstuhls für Verwaltung und Nationale Sicherheit der Diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums, vertritt eine ähnliche Meinung, was das Treffen der beiden Präsidenten angeht:

Das erste Treffen der beiden Oberhäupter weist eine positive Dynamik aus. Dennoch sollte man keine plötzliche Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten erwarten. In den USA gibt es eine große Beharrlichkeit, die mit der Opposition zu Trump verbunden ist. Mit vielen Staaten wurden die Prozesse abgebremst. Das gilt nicht nur für Russland. Es wird vieles von den ersten Schritten abhängen, die nach dem Gipfeltreffen gemacht werden.

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Surma merkte an, dass die Oberhäupter der am Gipfeltreffen teilnehmenden Länder dazu geneigt sind, Mitteilungen zu machen, die von ihnen das eine oder andere Land erwartet.

Kurz vor dem Gipfeltreffen verkündete Trump in Polen das eine und beim G20-Treffen, wie wir sehen können, dann schon radikal etwas anderes. Das trifft aber nicht nur auf Trump, sondern auch auf Macron und die anderen Staatsoberhäupter zu", unterstrich der Professor.

Auch russische Politiker zogen nach dem G20-Gipfeltreffen Bilanz. Konstantin Kosachev, der Vorsitzende des Komitees für auswärtige Angelegenheiten des russischen Föderationsrates, zum Beispiel meint, dass der Dialog beim Gipfel diesmal viel konstruktiver gewesen sei, als er es in den Vorjahren gewesen ist:

Diesmal waren die Teilnehmer weniger auf Konfrontationen eingestimmt. Meiner Meinung nach gab es mehr Verständnis darüber, dass wir alle auf ein und derselben Erdkugel leben. Daher sollte man sich weniger auf die Differenzen, sondern eher auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren. In diesem Sinne denke ich, dass die G20-Zusammenkunft produktiver und daher schöpferischer gewesen ist, als sie es die letzten Male war. …

G20 spricht den G7-Staaten ihre Illusionen darüber ab, dass sie die Träger der einzigen und endgültigen Wahrheit seien und dass nur ihre Ansicht darüber, wie die Welt aussehen soll, die richtige ist. G20 zerstreut diese Illusionen und, ich denke, schafft Ordnung in den Köpfen vieler Teilnehmer derartiger Gipfeltreffen. Daher bin ich damit zufrieden, wie alle multilateralen Diskussionen, Absprachen und bilaterale Treffen abliefen", schlussfolgerte der Politiker.