"Ich ging Putin hart an - aber Obama ist schuld": Trump kommentiert sein Treffen mit Putin

"Ich ging Putin hart an - aber Obama ist schuld": Trump kommentiert sein Treffen mit Putin
In mehreren Tweets kommentierte der US-amerikanische Präsident Trump sein Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Er passte der starken antirussischen Lobby in Kongress und Medien zu, um an anderer Stelle zum eigenen Schuss auszuholen.

von Wladislaw Sankin

Ein Vergleich mit dem Fußball bietet sich an, blickt man auf die nacheinander folgenden Tweets des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu seinem Treffen mit Wladimir Putin. Nur mit einem wichtigen Unterschied: Man passt beim Fußball nicht zum Gegner.

Der Frage der vermeintlichen russischen Einmischung in US-Wahlen konnte Donald Trump von vornherein nicht ausweichen. Glaubt man US-amerikanischen Medien, gibt es außer russischen Hackern gar kein anderes Problem in den USA und der Welt. Es war also wenig überraschend, dass Donald Trump auch Wladimir Putin auf die vermeintliche Einmischung durch Hacker ansprach - und fragte, was der Kreml damit zu tun habe: 

Trump redete sogar 40 Minuten lang über die "russische Einmischung", wie die NYT unter Verweis auf eine Quelle im Weißen Haus berichtete, und Trump habe, wie er es selbst beschreibt, Putin diesbezüglich einem "Pressing" unterzogen. Putin blieb aber offenbar unbeeindruckt, und so nahm er zumindest insofern auch dazu Stellung, als er sagte, Trump habe die russischen Argumente sogar akzeptiert. Wenig überraschend, denn dies lässt sich auch aus den darauffolgenden Tweets von Trump erkennen, endete das Thema mit der Erklärung, die USA und Russland wollten in Sachen Cyber-Kriminalität enger zusammenarbeiten:

Schlimm genug, diese Finte, für die russophobe Flanke. Für Donald Trump aber eine Maßvorlage, um einen weiteren Schuss abzufeuern: 

Weiter ging es wie folgt: 

Es waren also nur noch vier statt 17 Geheimdienste, die die angebliche russische Einmischung - wohlbemerkt Fake-News - entdeckt haben sollen. Trump ging noch weiter und fragte: Warum schwieg Obama dann dazu? Ob Fake oder nicht, es wäre auf jeden Fall ein gravierendes Behördenversagen aufseiten der Obama-Regierung gewesen.

Und weil es damit nicht genug ist, hat Trump auch für die Falken etwas: Es soll in Syrien Frieden einkehren, wozu zunächst eine Deeskalationszone im unmittelbaren US-amerikanischen Einflussgebiet im Süd-Westen Syriens errichtet werden soll: 

Trump verkündet in weiterer Folge auch noch die konstruktive Zusammenarbeit mit Russland, auf die er sich bereits  freue. Die Frage ist jetzt nur,: Mit welchem Tweet will Trump nun die Entrüstung über die Verwirklichung der schlimmsten Träume seiner Gegner bändigen? Was soll denn Trump nun etwa der starken proukrainischen Lobby sagen? Nach nur einer Stunde verfasste der US-amerikanische Präsident seinen letzten Tweet zu diesem Thema: 

Ginge es nicht noch deutlicher? Sanktionen wurden nicht besprochen. Die Russen sagen doch selbst, wer Sanktionen beschließt, soll sie auch aufheben, ihnen selbst sei es, so zumindest die offizielle Position, egal. Die Standardphrase, Russland solle für die Aufhebung der Sanktionen in Syrien und der Ukraine etwas leisten, hat nach tausendfacher Wiederholung ihren Sinn längst verloren. Um sie als Mittel der Beschwörung heranzuziehen, sollte sie aus Trumps Sicht aber immer noch gut genug sein.  

Trump schafft sich den nötigen Freiraum

Es ist wenig wahrscheinlich, dass Trump mit auch nur einem dieser Tweets irgendjemanden aus den Reihen seiner Gegner in Politik und Medien zufriedengestellt hat. Im Gegenteil, er bestätigte deren schlimmste Befürchtungen, wonach das Treffen nach russischem Szenario verlaufen sei. 

Mehr dazu:   "Knockout für Politneuling": Was die transatlantische Presse am Treffen von Putin und Trump störte

Dies könnte sogar stimmen, lauscht man den Stimmen aus Russland selbst. Russland hat sich das Treffen gewünscht, um gefährliche Tendenzen in bilateralen Beziehungen abzuwenden und um endlich einen Dialog mit den Amerikanern zu beginnen. Das ist mehr als gelungen. Trump wird dadurch natürlich nicht nach der russischen Pfeife tanzen. Er kann das nicht und er will das auch nicht. Aber er konnte sicherlich durch das Treffen einen Raum für sich gewinnen. 

Und wer den Raum beherrscht, der bestimmt auch das Spiel, um wieder mit dem Fußball zu sprechen. Wenn aber dadurch mehr Raum für die "Kooperation" bleiben soll, wie er in einem der Tweets verkündet, was soll daran schlecht sein?

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