"Knockout für Politneuling": Was die transatlantische Presse am Treffen von Putin und Trump störte

"Knockout für Politneuling": Was die transatlantische Presse am Treffen von Putin und Trump störte
Auch die Handreichung Trumps an Putin haben Journalisten ausgiebig diskutiert. Die offene Hand Trumps und das kurze Zögern Putins, sie zu erwidern, gaben Anlass für reichlich Küchenpsychologie.
Das Gespräch hat zu lange gedauert, es herrschte zu viel Harmonie und manch ein Irrglaube ist verflogen. Manche Medien in Deutschland und den USA sind "not amused" über den Verlauf der ersten Unterredung zwischen den Präsidenten Trump und Putin. Ein kurzer Überblick.

Wie der Blick auf Pressereaktionen zeigt, hat der Verlauf des G20-Gipfel am Wochenende eine Reihe von Mainstream-Journalisten aus dem In- und Ausland erzürnt. Und das liegt in diesem Fall nicht etwa an den krawallbedingten Unsicherheiten über die passende Location für den friktionsfreien Latte-Macchiato-Genuss.

Vielmehr ist es das erste persönliche Zusammentreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen russischem Amtskollegen Wladimir Putin, das so manchen engagierten Leitartikler in eine Stimmung versetzte, in der andere bevorzugt in schwülen Sommerküchen Schmeißfliegen erschlagen. 

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War es schon schwer genug, sich damit abzufinden, dass sich der im Vorfeld des Gipfels vom "Zentrum für politische Schönheit" artikulierte Herzenswunsch, knietief im Tyrannenblut zu waten, ein weiteres Mal nicht erfüllen würde, hoffte man nach Trumps russlandkritischen Worten in Warschau zumindest auf eine ähnlich konfrontative Vorgehensweise in Hamburg.

Die konstruktive und zum Teil herzliche Atmosphäre des Spitzentreffens zwischen den Vertretern Washingtons und Moskaus schmeckte einigen Kommentatoren am Ende jedoch überhaupt nicht.

So war die "Welt" bitter enttäuscht, denn Trump habe ihrer Auffassung nach "Putin weißgewaschen von den Vorwürfen seiner Geheimdienste, und er gibt ihm freie Hand in Syrien". Offenkundig habe

der Politprofi den Politneuling nach allen Regeln der Kunst ausgeknockt.

Vor allem der Lieblingsmythos der liberalen bis neokonservativen Elite von der "russischen Einmischung" in die US-Wahlen habe nicht die zentrale Bedeutung erfahren, die man sich in den Redaktionsstuben gewünscht hätte. Die "Welt" schreibt:

Der US-Präsident akzeptierte laut dem russischen Außenminister Sergei Lawrow die Versicherung Putins, Russland habe sich nicht unzulässig in die amerikanischen Wahlen eingemischt. Trump stellte mithin die Versicherung eines Autokraten über die Erkenntnisse der 16 amerikanischen Geheimdienste.

Kontrovers:  Angriff auf Russland ist Angriff auf Deutschland - Schwenk der deutschen Presse nach Trump-Rede

Was das Blatt nicht dazusagt, ist zum einen, dass es den bislang gepflegten Narrativ zu dem Thema selbst fehlerhaft wiedergibt, denn ursprünglich war sogar von 17 Nachrichtendiensten die Rede, die besagte "Einmischung" bestätigt hätten. Zudem musste die New York Times vor wenigen Wochen einräumen, dass tatsächlich nur vier Dienste einen Verdacht gegen die ominösen "russischen Hacker" bestätigt hatten. 

Podesta-Verein spricht von "unilateraler Kapitulation"

Der "Guardian" war ebenfalls wenig darüber erbaut, dass Trump und Putin mehr als zwei Stunden lang statt der ursprünglich geplanten 30 Minuten miteinander gesprochen hatten und dabei einen "warmherzigen Umgang" gepflegt haben sollen. Es sei für sie ein "erfolgreiches erstes Treffen" gewesen.

Das Blatt zitiert Alina Poljakowa, eine Europa- und Eurasien-Forscherin des Atlantic Councils. Diese erklärte, Trump habe die Frage der russischen Einmischung in die Wahlen nur "pro forma" aufs Tapet gebracht, um den diesbezüglichen innenpolitischen Druck abzufedern. Die Körpersprache zwischen beiden Präsidenten und jene zwischen Putin und Trumps Vorgänger Barack Obama habe einen "Kontrast wie Tag und Nacht" erkennen lassen. Das Blatt zitierte auch den Aktionsfonds des Center for American Progress, eines von Hillary Clintons Ex-Stabschef John Podesta gegründeten Think Tanks, der Trump eine "unilaterale Kapitulation gegenüber Russland" vorwarf.

Die New York Times wiederum tröstete sich mit dem Hinweis, dass aus ihrer Sicht bei dem Treffen "keiner bekam, was er wollte". Die beiden Präsidenten hätten sich nur in "Babyschritten" aufeinander zubewegt. Trump und Putin hatten sich auf einen Waffenstillstand in einem Teil Syriens verständigt, auf die Entsendung eines US-Gesandten zu den Gesprächen über den Minsk-Prozess und einen Prozess der Zusammenarbeit im Bereich der Cyberkriminalität.

Zu viel über die Zukunft geredet

Dies nütze Putin in seiner Langzeitstrategie, durch einen "Mix aus Informationskrieg, aktiven Maßnahmen und Aggressionen auf niedriger Ebene" sein Ziel der Wiederherstellung des russischen Status zu erreichen.

Auch die Los Angeles Times beklagte sich bitter über die Bereitschaft der Gipfelteilnehmer beider Länder, über die Zukunft zu reden, statt der zweifelhaften Story von der "russischen Einmischung" in die US-Wahlen über Gebühr Zeit zu widmen.

Beleidigt merkte sie an:

Derzeit aber sieht es, selbst auf der Basis der US-Erklärung zu dem Treffen, dass Trump Putin nicht die Leviten über etwas gelesen hat, was die Geheimdienste als 'signifikante Eskalation hinsichtlich der Direktheit, des Aktivitätslevels und der Reichweite im Vergleich zu früheren [russischen] Operationen mit US-Wahlen als Ziel' bezeichnet hatten. […] Wie es der Präsident ausdrücken würde: Traurig. Aber nicht überraschend."

Besonders viel Schaum vor dem Mund hatte auch vox.com, das seinen Kommentar mit "Putin 1, Trump 0" überschrieb und mit Blick auf die zu keiner Zeit bewiesene Story über die angebliche russische Einmischung schlagzeilte:

Beim ersten Treffen kauft Trump Putin seine Lügen über die russische Einmischung ab.

Trump, der Deal-Macher, sei "von Putin ausgespielt" worden. Dies habe daran gelegen, dass Trump nicht auf das Treffen vorbereitet gewesen wäre.

Auch der Waffenstillstand im Südwesten Syriens, so das Portal, sei kein Erfolg, weil sich der Großteil der Kämpfe im Norden und Osten abspiele.

Solche Bilder hätten viele US-amerikanische Journalisten lieber

   

 

 

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