Die Propaganda-Fabrik: Wie Pentagon und CIA Hollywood unterwandern

Die Propaganda-Fabrik: Wie Pentagon und CIA Hollywood unterwandern
Blick auf den Hollywood-Schriftzug
Erstmals ist es zwei Autoren bei der Durchsicht tausender US-Militär- und Geheimdienst-Dokumente gelungen, einen Eindruck des wahren Ausmaßes zu gewinnen, in dem Pentagon, CIA und NSA die Unterhaltungsindustrie der USA kontrollieren. Eine verstörende Bilanz.

von Dr. Kani Tuyala

Die US-Hip-Hop-Formation Public Enemy brachte ihre Abneigung gegen die so genannte Traumfabrik in einem ihrer Song-Titel auf den Punkt. "Burn Hollywood Burn", wünschten sich die Hip-Hop-Legenden bereits 1990. Auch wenn sie sich  dabei vor allem auf die permanente Präsentation und Reproduktion rassistischer Stereotype bezogen, finden sich ähnliche Mechanismen auch in anderer Hinsicht. So etwa wenn es darum geht, Kinobesuchern und Fernsehkonsumenten ein Bild vom US-Militär, den Vereinigten Staaten und seinen Geheimdiensten zu präsentieren, das denselben Zweck erfüllt – die Bewahrung von Stereotypen und die Pflege oder Schaffung von Feindbildern.

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Auf diese zunächst nicht neue Erkenntnis stießen die Autoren Tom Secker und Matthew Alford auch bei der Durchsicht von 4.000 Pentagon- und CIA-Dokumenten. Möglich wurde dies durch den Freedom of Information Act. Ihre dabei gewonnenen Erkenntnisse verarbeiteten die Autoren nun in dem Werk "National Security Cinema: The Shocking New Evidence of Government Control in Hollywood".

Wie beide erklären, war ihnen bereits im Vorfeld bewusst, dass das Pentagon Einfluss auf die Produktion von Hollywood-Filmen ausübt. Dabei gingen sie jedoch von lediglich etwa 200 Filmen aus. Die Ergebnisse ihrer Recherche belehrten sie eines Besseren und nun räumen sie ein, sich getäuscht zu haben. Die Zahlen, die beide nun nennen, lassen die Traum- eher wie eine Albtraumfabrik erscheinen. Das Fazit der Forscher:

Diese Dokumente demonstrierten zum ersten Mal, dass die US-Regierung hinter den Kulissen an über 800 großen Filmen und über 1.000 TV-Produktionen mitwirkte.

Diese Zahlen sprengen den Rahmen des bislang bekannten Einflusses durch Pentagon und CIA. Dabei decken die Autoren auf, dass die Manipulationsbemühungen auch die Mitwirkung an Drehbüchern einiger der erfolgreichsten Hollywood-Produktionen umfassen. Dazu zählen James Bond ("Thunderball"), Patriot Games ("Die Stunde der Patrioten"), Meet the Parents ("Meine Braut, ihr Vater und ich"), Salt, Transformers und Kinofilme der Marvel- und DC-Reihe.

Einen vergleichbaren Einfluss üben die staatlichen Institutionen auch über Fernsehproduktionen und TV-Shows wie etwa Hawaii Five-O, America's Got Talent, Oprah und Jay Leno aus. Doch auch das Feld der TV-Dokumentationskanäle wie etwa des History Channels bleiben konsequenterweise nicht verschont.

Eine Hand wäscht die andere

Der Grund für diese Entwicklung leuchtet auch ein: Oftmals scheitern Filmproduktionen und andere TV-Projekte an mangelnder Finanzierung. In diesem Fall stehen die Türen von Pentagon und CIA bei großen und bedeutenden Produktionen für Finanzierungs-Anfragen immer offen. An einer Finanzierung interessierte Drehbuchautoren oder Produzenten müssen ihre Drehbücher zu diesem Zweck den entsprechenden CIA- oder Pentagon-Verbindungsbüros zur Unterhaltungsbranche - den Entertainment Liaison Offices - vorlegen. Phil Strub ist dabei der Name desjenigen Verantwortlichen, der das Hollywood-Verbindungsbüro des Verteidigungsministeriums leitet und den Daumen entweder hebt oder senkt.

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Sollten den Propaganda-Experten dabei bestimmte Passagen ins Auge springen, die nicht dem Image entsprechen, das die US-Armee gerne von sich zeichnen will, müssen die entsprechenden Passagen umgeschrieben oder die entsprechenden Charaktere angepasst werden. Lehnen Filmemacher die Offerten ab, gibt es immer noch genügend Produzenten und Autoren, die auf das Angebot eingehen werden. Für die meisten Fische im Haifischbecken Hollywood stellen die schier unerschöpflichen finanziellen Mittel des Militärs jedoch eine Verlockung dar, der sie nicht widerstehen können.

Um die volle Unterstützung des Militärs zu erhalten, müssen die Filmemacher einen Vertrag unterzeichnen (Production Assistance Agreement) und erhalten in Folge eine vom Pentagon umgeschriebene Version des Drehbuchs zurück. Doch nicht jeder Filmschaffende ist glücklich über dieses Angebot, das man kaum ablehnen kann. So kam es etwa am Set des Hollywood-Blockbuster "Iron Man" zu einer Auseinandersetzung zwischen Strub und Regisseur Jon Favreau.

Favreau hatte für einen der Darsteller, der einen Militärangehörigen spielte, den folgenden Satz vorgesehen:

Leute würden sich für die Möglichkeiten, die ich habe, umbringen.

Ein der Subversion und militärischer Zersetzung recht unverdächtiger Satz, mag man meinen. Nicht jedoch für den Chef-Propagandisten Strub, der sich zu dem sich entwickelnden Vorfall wie folgt äußerte:

Er [Favreau] wurde immer roter im Gesicht und ich immer ärgerlicher. Es war ziemlich hässlich und dann sagte er wütend: 'Wie wäre es, wenn wir sie [die Leute] stattdessen über heiße Kohlen laufen lassen'? Ich sagte: 'In Ordnung.' Er war so überrascht. So einfach war das.

Schlussendlich wurde die beanstandete Passage aus dem Film gestrichen. Der Grund: Selbst in einer Superhelden-Actionkomödie wie Iron Man ist ein möglicher Selbstmord eines Militärangehörigen für das Hollywood-Büro des Pentagon gefährlicher Propaganda-Frevel. Aus einer anderen Perspektive wird jedoch ein Schuh draus. So ist es für die Autoren Secker und Alford nachvollziehbar, dass in Zeiten des "Kriegs gegen den Terror", in dessen Verlauf sich mehr US-Soldaten selbst das Leben nahmen als im Kampfeinsatz für "Gottes eigene Nation" starben, ein potenzieller Selbstmord eines fiktiven Militärangehörigen ein unannehmbares Realitäts-Gschmäckle entwickelt.

Ein weiteres Beispiel für die Zensurmaßnahmen des Pentagon ist der James Bond-Film Tomorrow never dies ("Der Morgen stirbt nie"). Als sich Bond im Drehbuch anschickt, mit einem Fallschirm aus einem Militärtransporter zu springen, wird den Beteiligten klar, dass er drauf und dran ist, in vietnamesischen Hoheitsgewässern zu landen. Im Original-Skript fällt dann ein typischer Bond-Witz:

Ihr wisst, was passieren wird. Es wird Krieg geben und vielleicht gewinnen wir ihn diesmal sogar.

Vergleicht man diesen Satz mit dem vorherigen Beispiel, wird klar, dass den Pentagon-Zensoren bei der Vorstellung der Atem gestockt haben muss, dass sich gerade Geheimagent James Bond vom britischen Secret Service über die Niederlage der USA in Vietnam lustig macht. Nicht auszudenken, was derlei Botschaften auf Dauer anrichten, sollten sie ungefiltert ins Unterbewusstsein der Konsumenten einsickern. Die ordnende Hand des Militärs griff schließlich ein und der Satz wurde aus dem Drehbuch gestrichen.

Die Buchautoren verweisen auf ihr Erstaunen darüber, dass der Hollywood-Verbindungsmann des Pentagon, Phil Strub, jegliche Filmförderung des Kassenschlagers "Der Morgen stirbt nie" von sich wies. Selbst die Koryphäe auf diesem wissenschaftlichen Spezialgebiet der geheimdienstlichen und militärischen Propaganda in Kino und Fernsehen, Lawrence Suid, spricht lediglich von einer "nicht bestätigten Kooperation".

Dies erscheint den beiden Autoren merkwürdig, da das Verteidigungsministerium im Abspann des Films genannt wird und sie eine Kopie des Kooperations-Vertrags in Händen halten.

Beim Thema Vietnam schrillen bei den Zensur- und Propaganda-Profis des Hollywood-Verbindungsbüros allerdings generell die Alarmglocken. Selbst "Hulk" bekommt da, ähnlich wie im Film selbst, die Macht des Pentagon zu spüren. Eine entsprechende Anspielung an den Vietnamkrieg wurde prompt aus dem Originaldrehbuch gestrichen.

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In diesem Fall wurde die "Förderung" durch das US-Militär jedoch weder im Abspann noch in der entsprechenden Datenbank des Verteidigungsministeriums genannt. Die Buchautoren erhielten jedoch dank ihrer Recherche-Anfragen ein Dossier vom US-Marine-Korps, in dem die Verantwortlichen von den "radikalen" Änderungen des Drehbuch Zeugnis ablegen.  

Konkret ging es dabei etwa um einen Dialog, in dem von "all den Jungs und Meerschweinchen" die Rede ist, die "aufgrund von Strahlung und chemischer Kriegsführung sterben". Zu deutlich war für die Pentagon-Strategen bereits der indirekte Hinweis auf verdeckte existierende militärische Experimente zu erkennen - Grund genug, korrigierend einzugreifen.

Secker und Alford ist es wichtig zu betonen, dass aus den ihnen vorliegenden Dokumenten hervorgeht, dass das Pentagon die Macht besitzt, die Realisierung von Hollywood-Filmen zu verhindern, indem Gelder zurückgezogen oder verweigert werden. Dabei verweisen sie etwa auf die Tatsache, dass cineastische Machwerke wie "Top Gun", "Transformers" oder "Act of Valor" (2012) derart stark von Pentagon-Geldern abhingen, dass sie ohne die Unterwerfung unter das Zensur-Diktat niemals das Licht des Kinos erblickt hätten. Andere waren jedoch nicht so erfolgreich bei der Suche nach der richtigen Mixtur aus Kommerz und Propaganda.

So etwa der Streifen "Counter Measures" (1998) der nie produziert wurde, da das US-Militär die entsprechende Kooperations-Anfrage zurückwies. Einer der Gründe: Das Drehbuch enthielt Verweise auf die Iran-Contra-Affäre. Propaganda-Produzent Strub fasste die Zurückweisung vielsagend zusammen:

Es gibt keinen Grund für uns, die Öffentlichkeit an die Iran-Contra-Affäre zu erinnern.

Bei der "Affäre" handelte es sich um einen ausgewachsenen politischen Skandal unter US-Präsident Ronald Reagan. Die US-Regierung leitete dabei die Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen an den Iran an die Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua im Kampf gegen die sandinistische Regierung weiter. Der gesamte Vorgang war illegal und verstieß gegen einen expliziten Beschluss des US-Kongresses.

Das gleiche Schicksal wie Counter Measures ereilte das B-Movie "Fields of Fire" (1992) und die erfolgversprechende Fortsetzung des Block-Busters Top Gun. Beide Filme wurden nicht realisiert, da sie keine Unterstützung durch das US-Militär aufgrund kontroverser politischer Aspekte innerhalb der Drehbücher erhielten.

Die Traumfabrik ist nicht genug

Doch wie eingangs erwähnt, erstreckt sich die audiovisuelle Soft Power des Pentagon auch auf den Fernsehmarkt. So wurde eine geplante Dokumentation des britischen Filmemachers Louis Theroux ebenfalls nicht realisiert. Zu "kontrovers" war wohl das Thema der Ausbildung von Rekruten für das US-Marine-Korps.

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Doch selbst bei den genannten Beispielen könnte es sich um lediglich die Spitze des Eisbergs handeln. Laut den Buchautoren ist es nicht möglich, das genaue Ausmaß der Einflussnahme zu ermitteln, da zu viele Dokumente noch immer unter Verschluss sein. Beide erläutern, dass es sich bei der Mehrzahl der von ihnen eingesehenen Dokumente um tagebuchartige Berichte des Verbindungsbüros für Unterhaltung handelte. Diese verwiesen dabei nur selten explizit auf Drehbuch-Änderungen.

Dennoch seien die Dokumente sehr erhellend, da sie unter anderem offenlegen, dass das Verteidigungsministerium eine Vorab-Filmvorführung aller Projekte einfordert, die durch das Verbindungsbüro unterstützt wurden und bei Bedarf selbst nach Beendigung der Filmproduktion noch Änderungen vornehmen lässt.

Dabei sei vor allem das proaktive Vorgehen des militärischen Hollywood-Arms bemerkenswert, wobei die Film- und Publikums-Propagandisten allerdings auch stets einen Weg fänden, um im Frühstadium der Filmproduktion mitzureden, wenn "Filmcharaktere und Handlung noch am ehesten im Sinne der Armee geformt" werden könnten. Demnach könnte der Einfluss des Pentagon auf die Pop-Kultur auf allen Ebenen der Produktion gewährleistet sein, wodurch das Militär über die gleiche Macht verfüge wie die Bosse der großen Produktionsstudios.

Auch die CIA mischt in Hollywood mit

Auch wenn die CIA im Bereich Film und Fernsehen über bescheidenere finanzielle Mittel verfügt als das US-Militär, ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass der CIA-Einfluss auf die Filmproduktion ebenfalls beachtlich ist. Im Gegensatz zum Hollywood-Büro des Pentagon verfügt die CIA bei ihrem Vorgehen nicht über ein formalisiertes Verfahren zur Einflussnahme etwa auf Drehbücher, unterhält dafür aber ebenfalls ein Verbindungsbüro. Dessen Leiter Chase Brandon gelang es dabei, in der Frühphase etlicher TV- und Filmproduktionen seinen Einfluss geltend zu machen.

Als prominentes Beispiel führen die Autoren den Hollywood-Film The Recruit ("Der Einsatz", 2003) ins Feld. In dem Thriller durchläuft ein junger Agent das CIA-Training auf der "Farm". Nach Ansicht von Tom Secker und Matthew Alford handelt es sich dabei um einen weiteren offensichtlichen Versuch, das geneigte Publikum in die Kunstwelt der US-Geheimdienste zu entführen und ihnen einen ausgesuchten Einblick hinter die Kulissen des sagenumwobenen Nachrichtendienstes zu gewähren. Dabei legte Brandon bereits bei der Entwicklung des Storyboards und früher Drehbuchentwürfe Hand an. Dennoch wird er bei der Filmproduktion lediglich als "technischer Berater" geführt, was seinen wahren Einfluss verschleierte.

"Der Einsatz" handelt dabei unter anderem von neuen Bedrohungen der post-sowjetischen Ära. Hinzu gesellen sich beiläufig Versuche, die Theorie zu entkräften, wonach die CIA bei der Verhinderung der Anschläge vom 11. September 2001 versagt habe. Der Hollywood-Streifen kommt ebenfalls nicht ohne das nunmehr geflügelte Wort aus, wonach "die Fehler der CIA bekannt sind, wohingegen deren Erfolge es nicht sind". Die gleichen Worte vernimmt man aktuell auch vielfach in Deutschland.

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So unter anderem vom Bundesverfassungsschutz, der nicht nur aufgrund des ominösen NSU-Skandals und der Verwicklung eigener V-Leute in die Mordserie in der Kritik steht. Im Fall der CIA ist es das Ziel der subtilen Botschaften, ein Bild zu kreieren, das den Nachrichtendienst als wohlwollenden, rationalen Akteur in einer zunehmend gefährlichen Welt darstellt.

Wie das Pentagon schreckt auch die CIA nicht davor zurück, Drehbücher zu zensieren und spezifische Film-Sequenzen entfernen oder abändern zu lassen. In dem Action-Thriller Zero Dark Thirty (2012) etwa ließ die CIA eine Szene entfernen, in der ein betrunkener CIA-Offizier auf einem Dach in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad Schüsse aus einem AK-47-Sturmgewehr abgibt. Auch wurde der Einsatz von Hunden aus den Folterszenen geschnitten.

Das vor Hurra-Patriotismus triefende filmische Werk behandelt die Suche und schließlich Tötung Osama bin Ladens und nichts soll das Bild der heldenhaften und erfolgreichen US-Streitkräfte auch nur im Ansatz in Frage stellen.

Sogar in der sehr erfolgreichen und auf den ersten Blick unpolitischen Hollywood-Klamotte Meet the Parents ("Meine Braut, ihr Vater und ich", 2000) verlangte Brandon die Abänderung einer Szene, in der Hauptdarsteller Ben Stiller das Geheimversteck von Film-Schwiegervater Robert de Niro aufspürt. Im Original-Drehbuch entdeckt Stiller dabei zu seinem großen Erstaunen Folterhandbücher seines Schwiegervaters. Dies erschien Brandon aufgrund der Anspielung auf mögliche - und später bekanntlich tatsächlich aufgedeckte - CIA-Verhörpraktiken als zu brisant und entsprechend wurde das Folter-Manual gegen ein Foto de Niros mit diversen Würdenträgern ausgetauscht.

Das Hollywood der 1940er und 1950er Jahre

Die Buchautoren Secker und Alford verweisen darauf, dass die Geschichte der Einflussnahme auf Film- und Fernsehproduktionen durch die CIA bis in die 1940er und 1950er Jahre zurückreicht. Dazumal gelang es dem Nachrichtendienst etwa, durch Verweigerung von Geldern und Zensur jegliche eigene Erwähnung bis zur Premiere des Films North by Northwest ("Der unsichtbare Dritte", 1959) zu unterbinden.

Die CIA verhinderte ebenso die Produktion von Dokumentationen über dessen Vorgänger OSS ("Office of Strategic Services"). Zu diesem Zweck hat der Dienst die Fernseh- und Rundfunkanstalt CBS ("Columbia Broadcasting System") dazu veranlasst, eine thematisch ähnliche gelagerte Dokumentation zu produzieren und dadurch das konkurrierende Medienunternehmen aus dem Markt zu drängen. Nachdem dies gelungen war, übte die CIA wiederum Druck auf CBS aus, um auf diese Weise zu gewährleisten, dass die Aktivitäten des OSS keine Öffentlichkeit erhalten.  

Die Rolle der NSA

Über das cineastische Interesse der NSA ist bislang noch recht wenig bekannt. Allerdings fanden die Autoren nach eigener Aussage Hinweise darauf, dass die NSA ähnlich wie die CIA oder das US-Verteidigungsministerium vorgehen, wenn es um die Wahrung des Images des US-Militärs und der eigenen Nachrichtendienste als Freund und Helfer geht. Demnach verweisen interne NSA-Emails darauf, dass etwa die Produzenten des Blockbusters Enemy of the State ("Der Staatsfeind Nr. 1", 1998) mit Will Smith in der Hauptrolle zu mehreren Besichtigungstouren des NSA-Hauptquartiers eingeladen wurden.

In einem Interview verwies Produzent Jerry Bruckheimer darauf, dass auch Änderungen am Drehbuch auf Wunsch der NSA vorgenommen wurden. Es ging dabei darum, die nachrichtendienstlichen Verfehlungen als die Tat eines einzelnen Mannes erscheinen zu lassen und nicht als systemische Irrwege:

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Ich denke, die NSA-Leute werden zufrieden sein. Sie werden ganz sicher nicht so böse rüberkommen, wie es möglich gewesen wäre. Die NSA ist nicht der Schurke.

Das entsprechende Vorgehen, die strukturellen Fehler als Verfehlungen von Einzelpersonen darzustellen, entstammt dabei laut den beiden Autoren direkt dem CIA- und Pentagon-"Drehbuch".

In ihrem Resümee verweisen beide darauf, dass es sich bei der Einflussnahme des Militärs und der US-Nachrichtendienste um das Werk eines Propaganda-Apparats handelt, der sich über die gesamte Film- und Fernsehindustrie der Vereinigten Staaten erstreckt. Dabei gelte es, darauf zu verweisen, dass es sich nicht um eine offizielle Zensur handelt, die dieser praktiziert, sondern vielmehr um eine mehr oder weniger freiwillige, die von den Marktzwängen der entsprechenden Industrie gefördert wird. Secker und Alford stellen fest:

In Gesellschaften, die bereits scharf darauf sind, unsere militärische Macht in Übersee einzusetzen, muss die Formung unserer Populär-Kultur zur Unterstützung der entsprechenden geistigen Gesinnung sehr ernst genommen werden.

Neben den beschriebenen Beispielen für die Bewusstseinsmanipulation der Massen jenseits und diesseits des Atlantiks scheinen auch ganze Drehbücher der Feder des Pentagon oder der US-Nachrichtendienste zu entspringen. Man denke nur an Kult-Streifen der 1980er Jahre wie etwa Rambo. Im dritten Teil der Trilogie um den Vietnam-Veteranen John Rambo, befindet sich der meist mit Stirnband und freiem Oberkörper umherlaufende Rambo im Afghanistan-Einsatz. Dabei geht es ihm darum, den "moderaten Rebellen" im Kampf gegen die sowjetische Militärmaschinerie  beizustehen. Bei diesen "Freiheitskämpfern" handelte es sich im wahren Leben um die Mudschaheddin - die heutigen Taliban.

Der militante islamistische Fundamentalismus wurde finanziert und organisiert von denen, die ihn heute als Vorwand für ihren "Krieg gegen den Terrorismus" benutzen. Doch wie in Vietnam ist auch dieser Krieg im Falle Afghanistans offensichtlich nicht zu gewinnen. Je nach geopolitischen Machtinteressen werden dabei aus Freunden auch in Hollywood Feinde und umgekehrt. Nach einem kräftigen Schluck aus der US-Propaganda-Pulle sieht die Welt im wahrsten Sinne des Wortes wieder ganz anders aus.

Wohl auch aufgrund der beschriebenen "Bewusstseinsindustrie", vermögen es selbst vermeintlich objektive Journalisten und erfahrene Politiker kaum, sich vom internalisierten Freund-Feind-Schema Hollywoods zu lösen. Dabei sind sie sich naturgemäß der Tatsache nicht bewusst, dass sie selbst Opfer jahrzehntelanger Hollywood-Manipulation sind, die sie, wie so viele andere auch, bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben. Die gelenkte Fiktion bildet dabei die Ausgangsbasis für die eigene Wahrnehmung der Realität. Informationen die dem entsprechenden Narrativ von Gut und Böse nicht entsprechen wollen, werden dabei als eben das bezeichnet, was man selbst so meisterlich beherrscht - Propaganda. Das Pentagon würde es wohl so ausdrücken: "Mission accomplished."

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