In Lettland verhaftet: Russische Diplomaten werfen USA Kidnapping russischer Bürger vor

In Lettland verhaftet: Russische Diplomaten werfen USA Kidnapping russischer Bürger vor
Die Protestaktion "Freiheit für Jaroschenko" vor der US-amerikanischen Botschaft, 22. März 2016.
Der russische Staatsbürger Juri Martyschew ist letzte Woche in Lettland festgenommen und an die USA ausgeliefert worden, teilt RIA Nowosti mit. Dort wurde er in Haft genommen. Bis jetzt sind keine Details zu den Anschuldigungen gegen ihn bekannt.

Wir beurteilen diese Verhaftung als einen weiteren Fall des Kidnappings eines russischen Staatsbürgers durch amerikanische Behörden. Damit verletzen sie die bis dato gültige bilaterale Vereinbarung über gegenseitige Hilfe bei Strafverfahren aus dem Jahr 1999",

hieß es in einer Stellungnahme der russischen Botschaft in Washington, D.C. zur Verhaftung von Martyschew.

In der diplomatischen Vertretung hieß es, dass es schon telefonischen Kontakt mit Martyschew gegeben habe. Zu seiner Verhaftung ist bislang nur bekannt, dass dem 35-Jährigen Betrug mit Bankkarten und Diebstahl von Personendaten vorgeworfen wird. In nächster Zeit wollen Vertreter des Generalkonsulats der Russischen Föderation in New York City ihn im Gefängnis besuchen. Diplomaten haben die USA dazu aufgefordert, die Rechte des Russen zu wahren.

Der Chef des russischen Ermittlungskomitees Alexander Bastrykin (r.) im Gespräch mit dem russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu.

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Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es nach einer Auslieferung in die USA schwer ist, die Rechte der russischen Bürger zu wahren. Das russische Außenministerium hat russische Staatsbürger bereits mehrmals bezüglich des Risikos gewarnt, in Drittländern auf das Gesuch US-amerikanischer Behörden oder Geheimdienste hin verhaftet zu werden. Im Januar hat das Ministerium dazu ein Dokument veröffentlicht, in dem es heißt:

Trotz unseren mehrmaligen Aufrufe, die russisch-amerikanische Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden auf der Grundlage des Abkommens über rechtliche Zusammenarbeit vom 1999 wiederaufzunehmen, werden die inakzeptablen Fälle der 'Jagdpraxis' gegen die russischen Staatsbürger weltweit fortgesetzt.

Über 30 Russen in amerikanischer Haft

Das Amt erinnerte damals daran, dass es erwiesene Fälle des Kidnappings russischer Staatsbürger gab und nannte als Beispiel die Fälle von Konstantin Jaroschenko und Roman Seleznew. Jaroschenko etwa wurde geheim in Liberia festgehalten und an die USA ausgeliefert, Seleznew wurde auf den Malediven gefasst, nun wird er in Haft in Seatle gehalten.

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Das Außenministerium in Moskau geht von mittlerweile mehr als 30 solcher Fälle aus. Allein im Jahr 2016 wurden vier russische Staatsbürger an die USA ausgeliefert – drei aus Finnland und einer aus Norwegen. Das Ministerium wies auch darauf hin, dass die Betreffenden nach der Festnahme und Auslieferung in die USA mit Voreingenommenheit behandelt werden. Außerdem werden sie auf unterschiedliche Art und Weise genötigt, ihre Schuld einzugestehen. Sollten sie dies verweigern, werden sie zu sehr langen Haftstrafen verurteilt, wie im Fall von Wiktor But und Jaroschenko.

Der Fall Jaroschenko hat besonders große Aufmerksamkeit gefunden. Dem in Liberia gefassten zivilen Piloten legt man die "Vorbereitung einer Verabredung für eine große Drogenlieferung in die USA" zur Last. Er wurde im Jahr 2011 deshalb zu 20 Jahren Haft verurteilt und sitzt diese zurzeit in einem Bundesgefängnis ab.

Russische Anwälte und Diplomaten haben bereits mehrfach Versuche unternommen, ihm aus der Haft zu verhelfen, alle blieben jedoch ergebnislos. Selbst als sich sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte, leistete man ihm keine adäquate medizinische Hilfe und es kam auch anderweitig keine Bewegung in den Fall. Als seine Mutter in Russland starb, durfte der Pilot nicht zu ihrer Beerdigung.

Brief an Trump aus Verzweiflung 

Am 5. Juli ist bekannt geworden, dass Konstantin Jaroschenko einen Brief an Donald Trump geschrieben hat, in dem er den Präsidenten um Begnadigung bittet. Im Brief betont er aufs Neue, dass er sich auf Grund eines gesetzwidrigen und ungerechten Urteils in Haft befindet. Er äußerte darin die Hoffnung auf "Humanität und Verständnis in einer schwierigen Situation":

Diese Hinwendung zu Donald Trump ist meine letzte Chance, in klarem Zustand in die Heimat zurückzukehren. Ich hoffe, dass der Präsident der USA Humanität und Barmherzigkeit zeigt und mich den russischen Behörden übergibt", schrieb der gesundheitlich angeschlagene Pilot in dem Brief.

Der Anwalt von Jaroschenko, Alexej Tarasow, hofft, dass der Fall Jaroschenko auch beim Treffen der Präsidenten Putin und Trump zum Thema wird. Er liege nicht mehr im rechtlichen Rahmen, sondern im politischen, so Tarasow.