US-Kongressabgeordneter wirbt per Video für "starke USA" - in einer Gaskammer von Auschwitz

US-Kongressabgeordneter wirbt per Video für "starke USA" - in einer Gaskammer von Auschwitz
Bei den Kongresswahlen des Jahres 2016 wurde der Republikaner Clay Higgins im dritten Wahlbezirk von Louisiana in das US-Repräsentantenhaus in Washington, D.C. gewählt.
Der US-Kongressabgeordnete Clay Higgins steht nach der Veröffentlichung eines Videos aus dem Inneren einer früheren Gaskammer des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau scharf in der Kritik. Der US-amerikanische Politiker hat sich am Mittwoch entschuldigt.

Das Video war am Samstag auf seinem offiziellem Youtubekanal aufgetaucht. Inzwischen wurde es gelöscht. In den Aufnahmen beschreibt der republikanische Abgeordnete aus Louisiana vor den Brennöfen die Gräueltaten der Nationalsozialisten, die sich dort abgespielt hatten. Dann spricht er über die Gegenwart:

Die Welt ist heute viel kleiner geworden als während des Zweiten Weltkrieges. Die USA sind heute viel zugänglicher für Terror wie diesen, für Horror wie diesen",

spricht Higgins in sein Mobiltelefon und fügt hinzu:

Es ist schwer, von den Gaskammern und Öfen wegzugehen ohne ein sehr ernsthaftes Gefühl der Entschlossenheit, eine unerschütterliche Entschlossenheit, verdammt nochmal sicherzustellen, dass die USA vor dem Bösen in der Welt geschützt sind.

Man müsse deshalb die Homeland Security stärken, so Higgins. Die Homeland Security ist das US-amerikanische Ministerium für innere Sicherheit. Hauptaufgabe des Ministeriums ist der Schutz der US-amerikanischen Bevölkerung und der US-Staatsgebiete vor terroristischen und anderen Bedrohungen. Auch die US-Armee müsse "unbesiegbar" werden, sagt Higgins, während er in einer Gaskammer steht.

Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau verurteilte den Netzauftritt des Politikers als pietätlos.

Jeder hat das Recht, das Gesehene zu reflektieren",

hieß es in einer Stellungnahme des Museums auf Twitter.

Dennoch sollte im Inneren einer früheren Gaskammer andächtige Stille herrschen. Der Ort ist keine Bühne.

Auch der Vorsitzende des Anne Frank Center for Mutual Respect, Steven Goldstein, reagierte entrüstet auf das Video. Er betonte, dass es sich bei Auschwitz nicht um ein "Fernsehstudio" handele.

Der US-Politiker entschuldigte sich am Mittwoch in einer Presseerklärung auf seiner Homepage:

Ich habe die Auschwitz-Botschaft mit großer Demut gefilmt. Meine Absicht war, meine Ehrfurcht denjenigen gegenüber auszudrücken, die in Auschwitz ermordet wurden, und die Welt daran zu erinnern, dass das Böse existiert, dass freie Nationen sich erinnern und stark bleiben müssen. Allerdings hat meine Botschaft Schmerzen bei einigen verursacht, die ich liebe und respektiere. Dafür fühlt mein eigenes Herz Kummer. Aus Respekt für alle, die meinen Video-Post als falsch empfinden und als etwas, das Schmerzen verursacht, habe ich mein Video zurückgezogen. 

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Bevor Higgins seine politische Karriere startete, hatte er unter anderem auch für die Polizei im St. Landry Parish im US-Bundesstaat Louisiana gearbeitet. Dort erwarb er sich schnell den Ruf des "härtesten Polizisten" der USA. In diesem 2016 geposteten Video macht Higgins eine martialische Kampfansage an alle kriminellen Gang-Mitglieder:

 

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