Michail Gorbatschow beschuldigt USA des Egoismus in bilateralen Beziehungen mit Russland

Michail Gorbatschow beschuldigt USA des Egoismus in bilateralen Beziehungen mit Russland
Der Hintergrund des heutigen schlechten Zustandes in den russisch-US-amerikanischen Beziehungen könnte die Prahlerei der US-Politiker sein, die sich als "Sieger" im Kalten Krieg gepriesen hatten, sagte der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow.

Das war nicht unsere Schuld, dass die USA, statt das Ende des Kalten Krieges als unseren gemeinsamen Sieg zu bezeichnen, dieses Ereignis ihren eigenen Sieg nannten. Das war der Grund für alle Fehler und Misserfolge, die eine Neugestaltung der Beziehungen zwischen unseren Ländern unterminierten", unterstrich der Politiker am Montag bei der Eröffnung des Denkmals für die als Beendiger des Kalten Krieges bekannt gewordenen Ex-Staatschefs Michail Gorbatschow und Ronald Reagan in Moskau.

Gorbatschow rief die Präsidenten der beiden Staaten dazu auf, alles Mögliche zu tun, um einen Ausweg aus der derzeitigen gefährlichen "Sackgasse" zu finden.

Gefährlicher Triumphalismus der USA

Zuvor hatte er die USA für die beständige politische Krise verantwortlich gemacht und vor einem neuen Kalten Krieg gewarnt, falls die aktuellen Tendenzen in der internationalen Politik unverändert blieben.

Erst Ende 2015 hatte Gorbatschow die USA beschuldigt, Russland in einen neuen Kalten Krieg zu ziehen, der sogar zu einem offenen "heißen" bewaffneten Konflikt führen könnte.

In diesem Sinne haben die USA uns bereits in einen neuen Kalten Krieg gezerrt und nicht aufgehört, ihren Kult des Triumphalismus offen nach außen zu kehren. Was kommt als nächstes? Leider kann ich nicht sicher sein, dass der Kalte Krieg nicht zu einem 'heißen' Krieg führen wird. Ich fürchte, sie könnten das Risiko eingehen", sagte Gorbatschow in einem Interview mit Interfax.

Mehr dazu: Gorbatschow und Bush Senior wollen Moskau und Washington aus der Sackgasse helfen

Das ehemalige sowjetische Oberhaupt kritisierte auch die von den Vereinigten Staaten und deren Verbündeten gegen Russland verhängten Sanktionen infolge der Ukrainekrise.

Gorbatschow: Im Westen beliebter als in der Heimat

In der UdSSR war Michail Gorbatschow der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei von 1985 bis 1991 und ab 1990 der einzige Präsident der wenig später zerfallenden Sowjetunion. Er führte die umstrittenen Perestroika-Reformen durch, von denen Kritiker behaupten, sie hätten die Auflösung der Sowjetunion beschleunigt. Gorbatschows Regierungszeit war von einer beträchtlichen Annäherung in den Beziehungen zum Westen geprägt. Im Jahr 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis, da er den Kalten Krieg zu einem friedlichen Ende brachte.

Bereits in den 1990er Jahren zeichnete sich ab, dass Gorbatschow zwar im Westen für seine Leistungen bei der Beendigung des Kalten Krieges und seine konstruktive Haltung bei der deutschen Wiedervereinigung beliebt war, in seiner eigenen Heimat aber als Verantwortlicher für deren Niedergang betrachtet wurde. Mittlerweile ist jedoch offenbar auch der nachgewiesene "West-Versteher" Gorbatschow nicht mehr in der Lage, der Ostpolitik der westlichen Eliten Verständnis entgegenzubringen.