Grenfell Tower: Verwaltung bat Unternehmen um Einbau günstigerer Aluminiumverkleidung

Grenfell Tower: Verwaltung bat Unternehmen um Einbau günstigerer Aluminiumverkleidung
Nach Angaben der Polizei vom 28. Juni 2017 starben bei dem Brand mindestens 80 Menschen einschließlich noch vermisster Personen.
Der BBC liegen offenbar Dokumente vor, die belegen, dass die Verwaltung Unternehmen während der Renovierung 2012 gebeten hat, eine "günstigere Variante" für die Verkleidung zu wählen. Statt wie geplant Zink kam Aluminium zum Einsatz. Die Folgen sind bekannt.

Um rund 300.000 Britische Pfund (ungefähr 340.000 Euro) einzusparen, bat die für die Renovierungsarbeiten am Grenfell Tower zuständige Verwaltungsgesellschaft potenzielle Auftragnehmer offenbar darum, eine günstigere Verkleidung einzubauen. Es gäbe zwar keine konkrete Anweisung, die Brandschutzsicherheit zu senken, doch in einem Schreiben der zuständigen Verwaltung, des Chelsea Tenant Managements, habe diese die Baufirmen darauf hingewiesen, dass die Verbauung von Aluminium statt Zink 293.638 Britische Pfund einsparen könnte. In dem Schreiben sollen auch noch weitere Vorschläge für Einsparungen zur Sprache gekommen sein.

Umfassender Druck zur Kostensenkung

Den Bewohnern des Gebäudes hätten Verantwortliche jedoch dessen ungeachtet zugesichert, dass ihre neue Verkleidung aus Zink bestehen werde. Ein nicht genanntes Unternehmen, das an den Renovierungsarbeiten beteiligt war, bestätigte, dass es konstanten Druck vonseiten der Gemeinde und des Chelsea Tenant Managements zur Kostensenkung gegeben habe. Auch Gasleitungen ungeschützt über Haustüren anzubringen, scheint gang und gäbe gewesen zu sein. Beschwerden der Mieter habe man missachtet oder auf die lange Bank geschoben.

Die britische Regierung tut sich nach der Brandkatastrophe immer noch schwer, das Vertrauen der Überlebenden vom Grenfell-Tower zurückzugewinnen. Zu chaotisch verlaufen die Unterbringung der Menschen und das Aufarbeiten der Brandkatastrophe, die London vor zwei Wochen heimgesucht hatte. Überlebende des Hochhausbrands klagen über untragbare Zustände. Gegenüber BBC schildert einer von ihnen:

Jeder Teil deines Lebens ist ausgesetzt. Leute, die eine Arbeit haben, können nicht hingehen, weil sie nicht wissen, ob sie am Abend noch im selben Hotel sein werden. Man muss allem hinterherlaufen.

Anwohner vermuten zahlreiche noch nicht erfasste Opfer

Kritik gibt es auch an der Vorgehensweise bei der Suche nach den Opfern. Viele trauen den offiziellen Angaben nicht und halten die Methoden der Polizei für unangemessen. Die Ermittler tun sich schwer, weil Teile des Gebäudes noch immer nicht betreten werden können. Zudem ist die Identifikation der Getöteten äußerst aufwendig. Freiwillige Helfer fordern daher, Standortdaten von Handys und andere Mittel zur Hilfe zu nehmen. Sie kritisieren, es gebe noch immer keine Liste der Überlebenden, geschweige denn jener Menschen, die sich vermutlich in der Nacht des Unglücks im Gebäude aufgehalten haben.

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Die 44-jährige Sarah Colbourne, die in der Nähe des abgebrannten Hochhauses wohnt, sagte der britischen Nachrichtenagentur PA:

Wir wissen von 20 Menschen, die nicht ans Telefon gehen, keine E-Mails beantworten. Sie sind nicht vermisst, sondern tot. Es gibt Kinder, die nicht zur Schule kommen.

Colbourne glaubt, dass es weitaus mehr Opfer gibt als die offizielle Zahl nahelegt:

Die Rede ist von 79. Wir sind nicht dumm, es sind Hunderte.

May: Alle bislang überprüften Gebäude durchgefallen

Premierministerin Theresa May kündigte eine landesweite Untersuchung an. Darin müsse festgestellt werden, wie es zu dem jahrzehntelangen Gebrauch von brennbaren Fassadenteilen an Hochhäusern im ganzen Land kommen konnte. Rund 600 Gebäude im ganzen Land, die mit einer ähnlichen Verkleidung wie der Grenfell-Tower versehen sind, sollen nun überprüft werden. Von 120 getesteten Gebäuden fielen bislang alle durch, wie Premierministerin Theresa May mitteilte.

Doch es gibt Zweifel daran, ob die eiligen Tests überhaupt verlässliche Ergebnisse liefern. Geprüft wird nicht an den Gebäuden selbst, sondern im Labor an tellergroßen Stücken, die aus den Fassaden herausgeschnitten wurden. Nach welchen Kriterien die Fachleute diese überprüfen, teilte die Regierung nicht mit. Ein Sprecher des zuständigen Ministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur lediglich, die Tests seien von unabhängigen Experten empfohlen worden.

Welche Maßnahmen ergriffen werden, würden die jeweiligen Behörden vor Ort entscheiden. An manchen Gebäuden habe man bereits damit begonnen, Fassadenteile abzumontieren, andere wurden geräumt, wie vier Gebäude im Londoner Stadtteil Camden. Viele Menschen weigerten sich, ihre Wohnungen zu verlassen, aus Angst, keine angemessene Unterkunft zu erhalten.

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(rt deutsch/dpa)

 

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