FIFA-Bericht: David Cameron und Prinz William namentlich genannt in WM-Korruptionsskandal

FIFA-Bericht: David Cameron und Prinz William namentlich genannt in WM-Korruptionsskandal
Prinz William und David Cameron bei Olympia 2012
Der kürzlich vollständig veröffentlichte Garcia-Report zum WM-Vergabeprozess für die Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 legt nahe, dass der ehemalige Premierminister Südkoreas eine Wahlabsprache vorschlug, was den Ethikregeln der FIFA widerspricht.

Die Veröffentlichung folgt einer Enthüllung in deutschen Medien. Die Untersuchung von Korruptionsvorwürfen und anderen Verstößen rund um die Bewerber, welche die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ausrichten wollten, hat US-Ermittler Michael Garcia 2014 durchgeführt. Garcia war auch ehemaliger Vorsitzender des Untersuchungsausschusses des FIFA-Ethikkomitees.

Nachdem die Bild-Zeitung zuerst einige Auszüge des Berichtes veröffentlicht hatte, entschied sich die FIFA etwas später dazu, am Dienstag den gesamten Bericht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen - "im Sinne der Transparenz".

England und Südkorea sollten einander bei den Abstimmungen unterstützen

Der Bericht legt nahe, dass das Schicksal von Englands Bewerbung in den Händen der höchsten Regierungskreise lag. Immerhin werden Vorwürfe laut, der ehemalige Premierminister David Cameron und Prinz William hätten gegen die Ethikregeln der FIFA verstoßen. Dies soll durch eine betrügerische Absprache mit Südkorea geschehen sein. Dieses Land strebte es an, die WM 2022 auszurichten.

Cameron traf sich demnach mit dem damaligen FIFA-Vizepräsidenten Mong-Joon Chung kurz vor der Abstimmung im Dezember 2010 und "bat Mr. Chung, für Englands Bewerbung zu stimmen". Chung stimmte angeblich zu unter der Bedingung, dass die englische Delegation anschließend für die südkoreanische Bewerbung bei der Vergabe der WM 2022 stimme.

Die geheime Unterhaltung soll im Zimmer Prinz Williams in einem Schweizer Luxushotel stattgefunden haben, wobei der Herzog von Cambridge Berichten zufolge auch persönlich zugegen war.

Prinz William ist nicht der einzige britische Adelige, dessen Name in dem Bericht auftaucht. Laut einem der bizarrsten Vorwürfe, die im Bericht zitiert werden, soll der ehemalige Präsident des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL, Nicolas Leoz, bei der britischen Delegation die Möglichkeit einer Erhebung seiner Person in den Ritterstand ausgelotet haben.

Ritterschlag gegen WM-Stimme?

Zeugen der Diskussion zwischen der britischen Delegation und den Vertretern von Leoz behaupten, jener habe bei einem der Treffen geäußert, dass es "schön wäre, wenn irgendwann Dr. Leoz die Möglichkeit hätte, die Queen zu treffen".

Der Bericht besagt jedoch auch, dass der Vorsitzende des englischen Bewerbungskomitees, Andy Anson, "niemals Teil einer Konversation war, in der Dr. Leoz persönlich jemanden, der mit England 2018 in Verbindung stand, angefragt habe, ob eine Ritterwürde in Betracht käme oder sonst irgendeine Ehrenbezeigung oder Auszeichnung".

Ein anderes Kapitel im Bericht enthüllt eine Reihe seltsamer Forderungen, welche vermutlich der mittlerweile geschasste Vizepräsidenten Jack Warner an die britische Delegation stellte. Dieser war 2015 lebenslang von der FIFA gesperrt worden für "verschiedene Formen des Fehlverhaltens" während seiner Zeit als hochrangiger FIFA-Funktionär.

England bemühte sich, auch die skurrilsten Forderungen zu erfüllen

So drängte Warner, der aus Trinidad & Tobago stammt, die englische Bewerbung angeblich dazu, seinem, wie er ihn nannte, Adoptivsohn einen Teilzeitjob bei einem englischen Top-Team zu verschaffen.

Außerdem soll er "um Gefälligkeiten für ein Team aus Trinidad & Tobago gebeten" haben, welches ihm gehört.

Eine der bizarrsten Anfragen bezieht sich auf sein Heimatdorf Longdenville, welche er zur "Partnerstadt" eines englischen Dorfes gemacht haben wollte, um das internationale Prestige des Ersteren zu erhöhen.

Garcia kam hinsichtlich der Ansinnen zu dem Schluss, dass "England 2018 in vielen Fällen dem nachkam oder zumindest versuchte, die ungebührlichen Forderungen zu befriedigen", welche laut Bericht die FIFA-Funktionäre vorgetragen hatten.

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