Iran setzt auf Europa als Vermittler in der Katar-Krise

 Iran setzt auf Europa als Vermittler in der Katar-Krise
Der iranische Außenminister Javad Zarif bei der Eröffnung des Olso-Forums, Norwegen, 13. Juni 2017.
Der iranische Außenminister wies Europa am Montag dazu an, seinen Einfluss zu nutzen, um den Dialog im Persischen Golf zu fördern und die Krise in Katar zu beenden. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain beschuldigen Katar der Terrorfinanzierung.

Javad Zarif, der iranische Außenminister, sagte am Montag in Berlin, dass die Beschuldigungen der Terrorfinanzierung seines Landes und Katars nur ein Manöver seien, das die Golfstaaten nutzten, um von ihren eigenen Problemen abzulenken:

An einem Tag ist es Iran, an einem anderen Katar. Es ist nur ein Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen, der Rechenschaft für dieses fundamentale ... Versagen, welchem sich der Staat nicht angenommen hat, und den Forderungen seiner Bewohner.

An diesem Montag landete Zarif in Berlin, wo er im Außenministerium empfangen wurde. Es ist die erste Station auf seiner europäischen Tour, um an den jährlichen Treffen des „European Council on Foreign Relations" (ECFR) teilzunehmen. Zarifs Aussage entspricht der Linie des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, der in seiner ersten Amtsperiode das Nuklearabkommen mit Russland, China, den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland unterzeichnet hat.

Am 5. Juni schlossen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain die Grenzen zu Katar. Die deutsche Bundesregierung fordert den Dialog und eine diplomatische Lösung, mischt sich aber nicht ein. Steffen Seibert, Regierungssprecher, zur Position der Bundesregierung:

Es ist die klare Auffassung der Bundesregierung, dass die Blockade eines Landes nicht zielführend ist.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sieht in der Krise eine Eskalation bis hin zum Krieg. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sah er "gute Chancen" für eine Lösung.

Zwar bot sich auch der US-Präsident als Vermittler an, bezog aber Stellung für Saudi-Arabien. Trumps erste Auslandsreise führte ihn nach Riad, wo er den Iran als Terrorfinanzier darstellte und die Ansichten seines Gastlandes teilte. Gleichzeitig besiegelte er einen Waffenhandel. Zunächst sollen amerikanische Rüstungsgüter für 110 Milliarden Dollar erworben werden. Das Gesamtgeschäft beläuft sich auf eine Summe von 350 Milliarden Dollar. Ein Geschäft, mit dem Trump die amerikanische Wirtschaft fördern will. 

Aus Saudi-Arabien ausgewiesene katarische Kamele sammeln sich an der Grenze. Weil Katar zuwenig Fläche hat, durften die Tierbesitzer ihre Kamele bisher in Saudi-Arabien weiden lassen, Katar 20. Juni 2017.

Katar erhielt von seinen Nachbarstaaten eine Forderungsliste mit 13 Punkten. Ein Teil der Forderungen ist der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit dem Iran. Würde Katar allen Forderungen zustimmen, so würde es seine Souveränität verlieren.

Zarifs Besuch in Berlin wurde von Protesten begleitet, deren Ton der neuen Doktrin der Trump-Regierung entsprachen und den Iran als Terrorfinanzier sehen. Die Kampagne der Demonstration gegen Zarif trägt den Namen "Stop the Bomb".