Erstes Treffen zwischen Donald Trump und Moon Jae-in zur Korea-Krise unter schlechten Vorzeichen

Erstes Treffen zwischen Donald Trump und Moon Jae-in zur Korea-Krise unter schlechten Vorzeichen
Ein Südkoreaner macht ein Selfie mit einer Pappfigur Trumps während einer Veranstaltung zum Wahlkampf in Seoul, Südkorea, 9. November 2016.
Das geplante Treffen zwischen Trump und seinem südkoreanischen Amtskollegen steht unter schlechten Vorzeichen. Während der südkoreanische Präsident auf Diplomatie setzt, holt Trump immer wieder verbal gegen Pjöngjang aus. Die Südkoreaner protestierten erneut gegen THAAD.

Von dem geplanten Treffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und seinem südkoreanischen Amtskollegen Moon Jae-in in der kommenden Woche haben die Südkoreaner keine hohen Erwartungen. Die Ansichten der beiden Staatsführer sind zu unterschiedlich. Auch der südkoreanische Präsident zeigt sich skeptisch vor der ersten persönlichen Zusammenkunft. Washington hatte die "Ära der Geduld mit Nordkorea" für beendet erklärt. 

Streit um THAAD

Während des Wahlkampfs kündigte Moon Jae-in an, dass er das umstrittene THAAD-System neu diskutieren will. Was die Südkoreaner vor nordkoreanischen Raketentests schützen sollte, hatte zu wirtschaftlichem Boykott Pekings gegen Seoul geführt. Im Zuge der Erklärung der Amerikaner, dass das Raketenabwehrsystem einsatzbereit sei, forderte Trump die Kostenübernahme für das System. Seoul aber wiegelte ab und begründete dies damit, dass es schließlich die Amerikaner selbst seinen, die das THAAD-System bedienten und nicht die Südkoreaner. Ärger gab es über nicht dokumentierte THAAD-Reketenwerfer. 

Die Entscheidung zur Lieferung THAADs entschied die Übergangsregierung Südkoreas. Sie wurde abrupt getroffen, nachdem die Nordkoreaner Raketentests durchführten. Die Bürger fühlten sich hintergangen und protestierten gegen die Aufstellung. 

THAAD-Raketenabwehrsystem während eines Testeinsatzes in den USA, 25. April 2017.

Diplomatie versus Kriegsrethorik

Moon Jae-in, der neu gewählte südkoreanische Präsident, setzt auf Diplomate. Moon ist Menschenrechtsanwalt und selbst Sohn nordkoreanischer Flüchtlinge. Aber die vorherige Regierung unter Park Geun-hye, die durch Proteste des südkoreanischen Volks ihres Amtes enthoben wurde, schnitt alle diplomatischen Wege ab. 

Die wiederkehrenden Raketentests Nordkoreas verurteilen Seoul und Pjöngjang gleichermaßen. Während Donald Trump immer mehr Kriegsgerät und Manöver in der Region durchführen lässt, will Moon die Südkoreaner lehren gegenüber den Amerikanern "nein" zu sagen und sieht in der Abrüstung einen Weg aus der Krise.

Die Winterspiele Südkoreas im Jahr 2018 will Moon nutzen, um die Wege der Diplomate wieder möglich zu machen. Der Sport stellt für Moon eine Plattform abseits der Politik dar. Eine Einladung an Nordkorea sprach Moon bereits aus.

THAAD-Raketenabwehrsystem während eines Testeinsatzes in den USA, 25. April 2017.

China versus Südkorea

Wie seine Vorgänger, setzte der US-Präsident auf die Unterstützung Chinas, um Nordkorea wirtschaftlich in den Bankrott zu schicken und so einen Zusammenbruch des Landes zu erreichen. Aber auch er wurde enttäuscht. Zwar rügt China die Nuklearwaffenambitionen Pjöngjangs, aber Peking sieht sich in einer Zwickmühle. Einerseits will sie Nordkorea von seinem Atomwaffenprogramm abbringen, aber ein Zusammenbruch des Landes hätte weitreichende Folgen für China. US-Truppen vor der Haustür Chinas, amerikanisches Kriegsgerät, Flüchtlingsströme und ein Angriff aus Nordkorea wären die möglichen Szenarien mit denen sich Peking konfrontiert sähe. 

In einem Interview mit der Washington Post sagte Moon Jae-in: 

Während der Periode, als Südkorea eine aktivere Rolle spielte, war der inter-koreanische Dialog friedvoller und es gab weniger Spannungen zwischen den USA und Nordkorea. 

Die südkoreanische Regierung fühlt sich von Washington aus dem Dialog zwischen China und den USA ausgeschlossen. Stimmen in der südkoreanischen Bevölkerung wurden laut, dass sie sich wie von den Amerikanern kolonialisiert fühlten. Südkoreanische Historiker demonstrierten, nachdem sich durch ein Interview Trumps zeigte, dass der US-Präsident wenig Kenntnis über die Geschichte der Region hat. Bei einem ersten Treffen zwischen Trump und Xi Jinping berichtete Trump von seiner geschichtlichen Einweisung durch seinen chinesischem Amtskollegen. Die Koreaner waren schockiert als Trump über die Historie der Region resümierte und der Ansicht war, dass Nordkorea einmal zu China gehörte. Auch machte er in einem Fox-News Interview keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Regierungsoberhäuptern Nordkoreas. Er bezeichnete sie lediglich als "The Gentleman".

Eine Touristenführerin mit einer Brosche mit Gesichtern Kim Il-sungs und Kim Jong-ils, Nordkorea, 5. Mai 2016.

Der Tod Otto Warmbiers

Nordkorea bezeichnete sich am Freitag als "grösstes Opfer" und nahm damit Bezug auf den Tod Otto Warmbiers. Der US-Student war sechs Tage nach seiner Freilassung aus nordkoreanischer Haft in den USA verstorben. Die Eltern Warmbiers verhinderten eine Obduktion, die klare Aufschlüsse darüber zugelassen hätte, was genau zum Tod ihres Sohnes geführt hat. Schon bei der Ankunft Ottos war der 22 Jahre alte Student nicht ansprechbar und reagierte nicht auf seine Umwelt. Er war im letzten Jahr zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden, nachdem er angeblich ein Poster gestohlen hätte. Trump äußerte sich zum Tode des jungen Amerikaners und drohte erneut damit, das Problem Nordkorea lösen zu wollen.