Flüchtlinge aus Rakka: „US-Koalition bombt wahllos und trifft Zivilisten anstatt ISIS“

Flüchtlinge aus Rakka: „US-Koalition bombt wahllos und trifft Zivilisten anstatt ISIS“
Die zivilen Opfer der US-unterstützten Operation, um Rakka wieder einzunehmen, nehmen täglich zu – und diejenigen, die das Glück hatten, zu überleben und aus der IS-Stadt zu fliehen, beschuldigen die amerikanisch geführte Koalition des "zufälligen" Bombardements sowie des willkürlichen Gebrauchs von weißem Phosphor.

Seit November halten die Bombardements gegen IS-Terroristen in und um der syrischen Provinz Rakka an. Allein am Mittwoch flogen die US-Koalitionskräfte 14 Angriffe gegen "taktische Einheiten" des IS in der Region. Während die amerikanisch geführte Koalition darauf besteht, dass es sich ausschließlich um Positionen von Terroristen handelt, fallen den Angriffen routinemäßig auch Zivilisten zum Opfer oder werden verwundet.

Die US-geführte Allianz "bombardiert willkürlich jedermann", erzählte eine Frau in Rakka, die in ein Krankenhaus in Qamischli, im Nordosten Syriens, gebracht wurde der RT Video Agentur Ruptly.

"Wenn du zu Hause sitzt, kann eine Bombe auf dich fallen. Es sind Häuser über ihren Bewohnern zusammengebrochen, und sie konnten nicht mehr rauskommen. All das geschah wegen der Luftangriffe", beschrieb sie die Situation in Rakka.

Diejenigen, die aus Rakka geflohen sind, hinterfragen sowohl die Intensität der US-geführten Bombenangriffe als auch die Belagerungsstrategie. Sie behaupten, dass mehr als die Hälfte der Terroristen offen aus der Stadt geflohen sind. Die Überlebenden sind besonders besorgt über die Verwendung von weißem Phosphor.

"Die Flugzeuge bomben mit Phosphor [Bomben]. Es trifft zufällig jeden, es trifft nicht ISIS. ISIS ist weg, aber [die Koalition] bombardiert willkürlich" , sagte die Frau, die mit Ruptly sprach.

"Man sieht, dass der Feind [ISIS] Landminen auslegt. Warum benutzt man das Flugzeug? Man kann hier filmen und sehen, dass niemand da ist, also warum bombt man? Die Leute sterben umsonst, und niemand hilft ihnen", fügte sie hinzu.

Weißer Phosphor ist eine Brandwaffe, die brennt, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommt, wodurch extreme Hitze und der charakteristische weiße Rauch entstehen. Trotz der hohen Verlustrate, die sich aus solchen Bomben ergibt, wird ihre Verwendung nicht explizit durch das Völkerrecht verboten, wenn sie gegen Kampfziele außerhalb von Zivilgebieten eingesetzt wird.

Am vergangenen Mittwoch verurteilte Human Rights Watch die Verwendung von Bomben mit weißem Phosphor durch die US-geführte Koalition als Teil der "Operation Inherent Resolve" im Irak und in Syrien.

"Egal wie weißer Phosphor verwendet wird, er stellt ein hohes Risiko von schrecklichen und lang anhaltenden Schäden in überfüllten Städten wie Rakka und Mosul sowie allen anderen Gebieten, an denen sich Zivilisten ballen, dar", sagte Steve Goose, Direktor der Waffenabteilung von HRW.

Abgesehen von der ständigen Bombardierung sind verminte Straßen eine weitere große Hürde, die Zivilisten an der Flucht aus der Stadt hindern. Verminte Straßen sind eine übliche und zugleich brutale Taktik, der sich Dschihadisten bedienen, um zivile Opfer zu maximieren und die Deckung für ihren eigenen Rückzug zu gewährleisten.

"Sie stellten gewöhnlich [Minenwarn-] Schilder auf, jetzt verminen sie [IS] in der Nacht. Niemand sieht sie. Dann gehen die Leute raus, und die Minen explodieren. Man kann nicht einmal aus dem eigenen Haus gehen", sagte ein Junge, der immer noch schockiert war von dem, was er in Rakka erlebt hat.

Am Mittwoch sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, er sei "zutiefst bestürzt" über die "Tiefe des menschlichen Leidens" in Syrien.

"Zivilisten werden weiter getötet, verletzt und vertrieben. Ich bin auch beunruhigt, dass auf Orte der Zuflucht wie Krankenhäuser und Schulen weiterhin gezielt wird", sagte Guterres und fügte hinzu, dass er besonders besorgt über "die gefährliche Situation für Zivilisten in Rakka" ist.

Washington unterstützt die syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), eine multi-ethnische, aber überwiegend kurdische Allianz von Kräften in einer Offensive, die als "Operation Euphrates Rage" bekannt ist. Die Kampagne, die im November vergangenen Jahres begonnen wurde, zielt darauf ab, Rakka zu umschließen und wieder einzunehmen.

Die anhaltende Belagerung der terroristischen Festung verursachte mindestens 300 zivile Todesopfer und die Vertreibung von rund 160.000 Menschen, sagte eine UN-Kommission letzte Woche.