"Mit derzeitigem amerikanischem Kurs in Syrien riskiert Trump Flächenbrand"

"Mit derzeitigem amerikanischem Kurs in Syrien riskiert Trump Flächenbrand"
Verteidigungsminister James Mattis und Armeegeneral Joseph Vogel nach einer Pressekonferenz in Washington, USA, 11. April 2017.
US-Präsident Donald Trump ist auf Konfrontationskurs mit Syrien, dem Iran und auch Russland. Auch US-Analysten warnen vor einer Syrien-Strategie, die zu einem Flächenbrand führen könnte. Die Regierung ist sich uneins, welche Ziele in Syrien zu verfolgen sind.

Am Sonntag schossen die USA ein syrisches Kampfflugzeug ab. Ein ernstzunehmender Vorfall, der erste dieser Art seit 18 Jahren, mit weitreichenden Folgen. Der Kampfjet der syrischen Armee führte laut Aussagen aus Damaskus Operationen gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) im Landgebiet um Rakka durch, als er abgeschossen wurde.

Dieser Angriff erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Syrisch Arabische Armee und ihre Verbündeten im Kampf gegen IS-Terroristen vorankommen, und diese in der syrischen Wüste mehrfach besiegen konnte", heißt es in der Erklärung. 

Bereits im April hatte Trump den Beschuss eines syrischen Militärstützpunktes angeordnet, als Vergeltung auf einen angeblichen syrischen Giftgasangriff durch Assads Regierung. Beweise für einen solchen stehen bis heute aus. Der sinkende Einfluss des Islamischen Staates in Syrien steht in keiner Korrelation mit den Aktionen der US-Truppen. 

Ad-hoc-Entscheidungen ohne strategische Tiefe

Die "Japan Times" zitiert in diesem Zusammenhang einen Analysten namens Charles Lister, der am Middle East Institute in Washington tätig ist:

Die ist das Resultat taktischer Entscheidungen durch einen Kommandeur vor Ort, dessen einziger Fokus darin liegt, ein bestimmtes Theater in Syrien hervorzurufen. Er agiert, um seinen Einfluss zu schützen [...] Dies ist eine reine Abfolge taktischer Entscheidungen, die eine Reihe von sehr ernsthaften strategischen Konsequenzen erfordert.

Es fehlt der Weitblick in der Syrienpolitik Trumps. Kurz nach seiner Amtsübernahme hatte es geheißen, dass auch ein Friedensschluss mit Assad denkbar wäre, aber diese Aussage verhallte schnell. Die Regierung in Washington ist hin- und hergerissen zwischen der Erkenntnis, dass der Gegner der Islamische Staat ist, und einem Versuch sich im Nahen Osten gemeinsam mit den Golfstaaten zu positionieren.

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Ein US-Offizieller, der anonym bleiben wollte, erklärt dazu:

Wir sind gegen Assad, aber unser eigentlicher Feind ist der Islamische Staat, der auch gegen Assad ist. Unsere fähigsten Verbündeten sind die Peschmerga-Kämpfer, aber die Türkei, die ein NATO-Verbündeter ist und ein Gastgeber auf einem Luftstützpunkt, ist zentral für unsere Bemühungen. Die Türken aber sehen die Kurden als Feinde an.

Trump, die Araber und Israel sind sich einig, dass der Iran der neue Feind der USA ist und ein Terrorunterstützer. Nach den Attentaten in Teheran, die der Islamische Staat für sich beansprucht hatte, waren die Kondolenzen aus Washington nur halbherzig. So hieß es aus den USA:

Wir trauern und beten mit den unschuldigen Opfern der terroristischen Angriffe im Iran und der Iraner, die durch solch schwierige Zeiten gehen. Wir unterstreichen, dass Staaten, die den Terror finanzieren, riskieren, Opfer jenes Bösen zu werden, das sie fördern.

Der Iran führte nach dem Attentat Vergeltungsangriffe durch Mittellangstreckenraketen auf Stellungen des Islamischen Staates in Syrien aus.