Katar-Krise eskaliert weiter: Militärs aus unterschiedlichen Staaten in der Region eingetroffen

Katar-Krise eskaliert weiter: Militärs aus unterschiedlichen Staaten in der Region eingetroffen
Die Marine von Katar bei einer gemeinsamen Übung mit der US-Navy, 16. Juni 2017.
Katar und Iran gingen vor wenigen Wochen einen großen Schritt aufeinander zu, um das größte Erdgasvorkommen der Welt gemeinsam auszubeuten. Die Entscheidung hat Konsequenzen für den globalen Gasmarkt. Auch europäische Firmen haben Optionen im Konflikt.

Die diplomatische Krise um den kleinen Golfstaat Katar nimmt größere Ausmaße an. Am Wochenende sagte der amerikanische Außenminister Rex Tillerson einen lange geplanten Besuch in Mexiko ab, um sich der Krise auf dem Golf zu widmen. Gleichzeitig liefen am Wochenende mehrere amerikanische Kriegsschiffe im katarischen Hafen Hamad ein, um dort gemeinsam mit der Marine des Landes ein Manöver im Persischen Golf abzuhalten.

Auf der anderen Seite der wichtigen Schifffahrtsstraße halten unterdessen die Republik Iran und China gemeinsame Übungen ab. Laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA trainiert ein Kriegsschiff des Landes gemeinsam mit zwei chinesischen Marinebooten und Hubschraubern vor dem Hafen Bandar Abbas an der Straße von Hormus. Die chinesischen Staatsunternehmen gehören zu den wichtigsten ausländischen Partnern der iranischen Öl- und Gasindustrie.

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Auf katarischem Territorium trafen am Wochenende außerdem türkische Truppen ein. Sie werden gemeinsam mit dem Militär des Landes Übungen durchführen, wie Katars Verteidigungsminister am Montag erklärte. Die Türkei unterstützt Doha außerdem mit Nahrungsmitteln, seitdem die Nachbarländer die Landgrenze des Emirats geschlossen haben.

Alle beteiligten Länder verbindet, dass sie starke wirtschaftliche Interessen in der Region haben. Die kleine Golfmonarchie Katar und die Republik Iran bewirtschaften gemeinsam das weltweit größte Vorkommen an Erdgas, das Pars-Gasfeld mitten im Persischen Golf. Nachdem Katar in den vergangenen zwölf Jahren darauf verzichtet hatte, ein völkerrechtlich umkämpftes Vorkommen im Süden des Feldes auszubeuten, bereitet sich das staatliche Unternehmen Qatar Petroleum seit April darauf vor, diesen umstrittenen Schatz zu heben.

Das Gasfeld erstreckt sich von der Küste Katars quer über fast die gesamte Breite des Persischen Golfs. Von den insgesamt 10.000 Quadratkilometern liegen zwei Drittel in katarischem Hoheitsgebiet. Insgesamt sollen dort unglaubliche 1.300 Billionen Kubikfuß Erdgas förderbar sein. Allein die Ausbeute im südlichen Teil des Nordfeldes soll 2 Milliarden Kubikfuß pro Tag erbringen.

Der Bau des zweiten Strangs der Nord-Stream-Gasleitung entzweit Berlin und Washington.

Diese Entscheidung war sicher auch dadurch motiviert, dass gegenwärtig die USA und Australien aggressiv auf den Markt für verflüssigtes Gas (LNG) drängen. Bisher hielt Katar in diesem Feld der Energiewirtschaft die unumstrittene Führung. Praktisch zeitgleich hatte die Republik Iran angekündigt, die Förderung auf dem Pars-Feld auszuweiten.

Bereits im November hatte das Land einen vorläufigen Deal mit dem französischen Unternehmen Total unterzeichnet. Bisher ist Total das erste westliche Energieunternehmen, das seit der Aufhebung der westlichen Sanktionen ein großes Abkommen mit Teheran unterzeichnet hat. Insgesamt sollen neue Verträge als 40 Milliarden US-Dollar an ausländischen Investitionen in die iranische Gasförderung bringen.

Bisher beteiligen sich fast ausschließlich europäische Unternehmen an dem Bieterverfahren, darunter Shell, ENI aus Italien, die russischen Konzerne Gazprom und Lukoil sowie Wintershall aus Deutschland. Zur Beruhigung des europäischen Investoren mögen nicht nur die aufgehobenen Sanktionen beigetragen haben, sondern auch dass der Chef von Qatar Petroleum, Saad al-Kaabi, betont, dass die Ausbeutung von Pars im Einvernehmen mit dem Iran erfolgt.

Vermutlich ist es genau diese Art der Zusammenarbeit mit dem Iran, die Saudi-Arabien mit der verhängten Blockade torpedieren will. Dass es zumindest nicht um die angebliche Bekämpfung des islamistischen Terrors gehen kann, daran erinnerte am Wochenende der katarische Botschafter in den USA, Scheich Sheikh bin Hamad Al Thani.

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In einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal erinnerte das Mitglied der Königsfamilie daran, dass die meisten Attentäter des 11. September 2001 aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten stammten. Zudem seien gerade die Emirate vom US-Finanzministerium als Sponsor von terroristischen Gruppen benannt worden.

Sollte das katarische Herrscherhaus jedoch vor der Großmacht am Golf einknicken, würden Saudi-Arabien und die USA über ein Instrument verfügen, mit dem der Iran beliebig in Konflikte verwickelt werden kann. Immerhin hängt die Förderung des völkerrechtlich schwierig zu bewertenden Ölfeldes zunächst am gegenseitigen Einvernehmen. Ganz sicher haben die selbst erklärten Erzfeinde des Irans - Saudi-Arabien, die USA und Israel - kein Interesse daran, dass das Land zusätzliche Erdgasreserven erschließt.

Dies betrifft zum einen die allgemeine Handlungsfähigkeit des Irans. Obwohl das Land bereits jetzt einer der größeren Erdgasförderer ist, verwendet der Iran diese Ressource bisher fast vollständig zum internen Verbrauch für die Energiegewinnung, die Industrie und die Stromerzeugung. Dabei liegen im südlichen Pars-Feld beinahe 40 Prozent der gesamten iranischen Vorkommen. Nur in die Türkei exportiert der Iran bisher nennenswerte Quantitäten. Allerdings bereitet sich das Land darauf vor, in den weltweiten Gasmarkt einzusteigen.