Bringt Trump eine Predator-Drohne mit zum G-20-Gipfel in Hamburg?

Bringt Trump eine Predator-Drohne mit zum G-20-Gipfel in Hamburg?
Eigentlich kaum vorstellbar: eine Predator-Drohne über Hamburg (Fotomontage)
In einem Beitrag für die Juli-Ausgabe des Playboy schildert Sicherheitsexperte und Journalist Jay Tuck, mit welchem High-Tech-Arsenal der US-Präsident und sein Secret Service vermutlich nach Hamburg anreisen. Es sei eine Lehrstunde für die deutsche Polizei.

Der US-Sicherheitsexperte und Journalist Jay Tuck begann seine deutsche TV-Karriere 1971 als Lokalreporter beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Bis 2003 war er beim NDR als investigativer Reporter tätig, unter anderem bei NDR-Panorama und WDR-Monitor. Später berichtete er als Kriegskorrespondent für die ARD-Tagesschau aus zwei Golf-Kriegen. Zwölf Jahre lang leitete er als verantwortlicher Redakteur die ARD-Tagesthemen. In 35 Berufsjahren beim Deutschen Fernsehen hat Tuck laut Wikipedia über 600 Berichte und Dokumentarfilme produziert.

Seit seinem Ausscheiden bei der ARD im Jahr 2002 arbeitet Jay Tuck in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Airtime Dubai Ltd. - einem internationalen Medienunternehmen mit engen Beziehungen zu den arabischen TV-Sendern der Region. Al-Jazeera (arabisch)  strahlte sein Technologie-Magazin Understanding Tomorrow fünf Jahre lang für wöchentlich für ca. 40 Millionen Zuschauer aus. Zudem schrieb er ein Buch mit dem Titel "Evolution ohne uns" zum Thema künstliche Intelligenz. Man kann demnach davon ausgehen, dass Tuck erstens sehr gut vernetzt ist, und zweitens weiß, wovon er spricht.

Die Heron TP wird von einem 895 kW (1200 PS) starken Turboprop-Triebwerk angetriebene Version, daher der Zusatz TP, ist mit 26 m Spannweite, 13 m Länge, 4650 kg Abflugmasse und 1000 kg Nutzlast deutlich größer als die Basisversion.

In einem Beitrag in der Juli-Ausgabe des deutschen Playboy erläutert Tuck, mit welcher High-Tech-Spionage-Technik während des G20-Gipfels am 7. und 8. Juli in Hamburg zu rechnen sein wird. Unter dem Titel "Sie können dich sehen – Sie werden dich kriegen" listet er verschiedene Spionagetechnologien der US-Amerikaner auf, die vermutlich in Hamburg zum Einsatz kommen werden – und die es in sich haben. So soll laut Insidern die Spionage-Drohne MQ 1-Predator mit von der Partie sein. Die Drohne, die schon in Afghanistan und in Syrien mit Hellfire-Raketen unterwegs ist, lässt sich auch mit Aufklärungselektronik ausstatten.

Aus einer Flughöhe von ungefähr 5,5 Kilometern soll sie mit ihren Überwachungskameras halb Hamburg erfassen. Möglich macht das laut Tuck ein "geheimes Spionage-Package" mit dem Namen Argus-IS. Mittels dieser Technologie sei es möglich, Hunderttausende von Menschen zu erfassen – einzeln und in Echtzeit.

Bewegungen von Verdächtigen in Echtzeit

Ausgestattet mit einer Bildschärfe von 1,8 Millionen Pixel könne man durch 65 aktive Fenster zugleich schauen. Damit die unglaublichen Datenmengen verarbeitet werden können, werde eine Hochleistungssoftware namens RIOT (Rapid Information Overlay Technology) genutzt. Die Technik stamme von dem US-Rüstungsunternehmen Raytheon, das auch Spionage-Sensoren für Drohnen und Exoskelette für US-Soldaten entwickelt.

Tuck schildert RIOT als eine "Suchmaschine der Superlative", die ausschließlich an Militärs, Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden verkauft werde. Die Technologie sei für enorme Informationsmengen ausgelegt, so genannte Extreme-Scale Analytics. Ihre Geschwindigkeit sei "atemberaubend". Sei eine Zielperson erstmal ausgemacht, dann spucke das Programm umfangreiche Eckdaten aus - darunter Telefonate und Kontakte, SMS-Texte und E-Mails sowie GPS-Standorte. Zudem zeige RIOT die Bewegungen eines Verdächtigen auf einer Landkarte – in Echtzeit. Bei Bedarf auch für zurückliegende Tage, Monate oder Jahre.

Zudem errechne RIOT komplexe Ereignisketten. Tuck schreibt:

Geht Person A in ein Café mit Person B, die sich mit Person C im Chat austauscht, die wiederum Bargeld an Person D überweist, werden alle beteiligten Menschen und ihre Verbindungen erfasst. Sie werden per Gesichtserkennung identifiziert, ihre Besucher fotografisch festgehalten und in einer übersichtlichen Tortengrafik abgebildet.

Filmszene aus

All dies geschehe binnen weniger Minuten. Zudem gehörten zum Arsenal der US-Amerikaner in Hamburg auch Systeme wie Stingray von der Harris Corporation: ein System, das in der Lage sei, Sendemasten zu simulieren. Als so genannter IMSI-Catcher locke es Mobiltelefone in der Umgebung zum Andocken an. Dann könne es Gespräche mitschneiden, SMS-Nachrichten speichern und womöglich sogar den gesamten Speicherinhalt eines Smartphones ohne Wissen des Inhabers downloaden. Die Technologie sei in der Lage, tausende Mobiltelefone gleichzeitig anzuzapfen. Auch Signale durch Wände und Kleidungsstücke ließen sich empfangen.

"Die Besten im Westen"

Außerdem erwähnt Tuck ein System namens Watchhound von Berkeley Varitronic. Die Spionagetechnik könne drahtlose Aktivitäten in Echtzeit aufspüren und Stimmen, SMS-Texte oder sogar Mobiltelefone im Stand-by-Modus orten. Zudem protokolliere es Mobil-Nummern und Uhrzeiten. Doch damit nicht genug. Auch die National Geospacial-Intelligence Agency (NGA), deren Sitz, so Tuck, auf einem geheimen Militärgelände größer das CIA-Hauptquartier liege, mische mit. Die NGA, die als "die Besten im Westen" gelten, würden, was die Erkennung aus der Luft angehe,

ihre Künste [in Hamburg] ebenso anwenden wie über Nordkorea oder in Konfliktgebieten in Nahost.

Derartige Technologie sei für die deutsche Polizei allenfalls eine Traumvorstellung, so Tuck. Die deutsche Technologie gelte im internationalen Vergleich als "altbacken", die Fahndung und Forensik als "veraltet". Zudem seien die IT-Systeme der deutschen Polizeibehörden im Vergleich zu den US-amerikanischen Kollegen antiquiert. Tuck schreibt:

Bestes Beispiel: die bundesweite Gemeinsame Ermittlungsdatei, die im Jahr 2012 eingeführt wurde – für 2,3 Millionen Euro. Die Software ist mit den unterschiedlichen Landessystemen nicht kompatibel. Will ein Ermittler Daten aus einem anderen Bundesland verwenden, muss er sie manuell aus dem einen System herausnehmen und per Hand in das andere eintragen. Eine Schnittstelle existiert nicht. Heißt: Ein flüchtiger Krimineller aus Bayern muss nur über die Grenze nach Thüringen gelangen, schon ist er in relativer Sicherheit.

Tuck verweist in dem Zusammenhang auf den Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri und auf die neonazistische Terrorgruppe NSU. Aus diesen Beispielen ließe sich ersehen, wie leicht entscheidende Hinweise in der Konfusion und im Kompetenzgerangel der Länderdienste verloren gingen. Auch der deutsche Datenschutz beschneide die technischen Möglichkeiten der Ermittler. Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 habe das Bundeskriminalamt (BKA) die Berliner Polizei darum gebeten, ein Foto des flüchtigen Attentäters zu veröffentlichen.

Doch die Berliner Polizei veröffentlichte das Bild nur in verpixelter Form. In Hamburg wurde es offenbar sogar tagelang zurückgehalten – laut Tuck gegen die dringende Bitte des BKA. Im Norden sei der politische Wille, persönliche Daten zu schützen, besonders ausgeprägt, schreibt Tuck mit Verweis auf Kripo-Beamte. Deswegen sei es eine Ironie des Schicksals, so schreibt Tuck, dass nun ausgerechnet Argus-IS über Hamburg kreise und Informationen über deutsche Staatsbürger sammele – ohne Kontrolle deutscher Behörden.

Freie Hand für modernste Drohnentechnologie

Wie Telepolis in einem Artikel von 2013 berichtete, sind die US-Militärs die einzige Auslandsarmee, die in Deutschland mehrere Dutzend Drohnen stationiert hat. Seit 2005 verfügen sie über unbefristete Aufstiegsgenehmigungen. Eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hatte ergeben, dass die USA von der Bundeswehr eine offizielle Zulassung für den Betrieb von 57 Aufklärungsdrohnen in Deutschland erhalten haben. Demnach befinden sich die Drohnen auf US-Basen in Bamberg, Hohenfels, Vilseck, Grafenwöhr und Illesheim. Laut Telepolis handelt es sich bei den in Deutschland stationierten Drohnen offenbar um die Typen Raven, Hunter und Shadow. Während die "Raven" eher klein ist und per Hand gestartet wird, kann die "Hunter" über 4.000 Meter aufsteigen und fliegt mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde.

Die "Shadow" als größte der in Deutschland stationierten US-Drohnen hat je nach Ausführung eine Spannweite von bis zu zehn Metern und ein Abfluggewicht von mehr als 700 Kilogramm. Sie kann über zehn Stunden in der Luft bleiben.

Militärische genutzte Drohnen werden in drei Klassen eingeteilt: Die Typen "Raven" und "Shadow" gehören zur "Kategorie 1", sie dürfen nur innerhalb eines gekennzeichneten militärischen Übungsgeländes betrieben werden. Laut Telepolis ist es auch möglich, sie auf abgesperrtem Gelände zu fliegen, wenn darüber ein Sperrgebiet für den zivilen Luftverkehr ausgewiesen ist bzw. sonstige Flugbeschränkungen bestehen.

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