Libyen: Gaddafis Sohn offenbar von Miliz freigelassen

Libyen: Gaddafis Sohn offenbar von Miliz freigelassen
Saif al-Islam Gaddafi während der Gerichtsverhandlung in Zintan, Libyen, 25. Mai, 2014
Die Miliz Abu Bakr al-Sadik aus der westlibyschen Stadt Sintan gab die Freilassung des Gaddafi-Sohnes Saif al-Islam bekannt. Wo sich der zum Tod verurteilte Saif al-Islam aktuell aufhält, ist unbekannt. Der Internationale Strafgerichtshof fordert seine Auslieferung.

Eine bewaffnete Gruppe in Libyen hat die Freilassung Saif al-Islams, des einst einflussreichsten Sohns des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi, bekannt gegeben. Ein Gericht in Libyen hatte ihn 2015 in einem international kritisierten Verfahren zum Tode verurteilt. Er habe sich des Kriegsverbrechens und der Korruption schuldig gemacht, hieß es in der Urteilsbegründung.

Die Brigade Abu Bakr al-Sadik, die neben weiteren Milizen die westlibysche Stadt Sintan kontrolliert, teilte am Freitagabend auf Facebook mit:

Er ist ab jetzt frei und hat die Stadt verlassen.

Informationen über den Aufenthaltsort des 44-Jährigen wurden nicht bekannt. Ein Anwalt des Gaddafi-Sohnes, Karim Khan, erklärte in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP, er könne die Freilassung seines Mandanten "im Moment weder bestätigen noch dementieren". Schon im Juli 2016 hatte es Berichte über eine Freilassung gegeben, die sich aber falsch herausstellten.

Die Freilassung soll auf der Grundlage eines Amnestie-Gesetzes erfolgt sein, welches die internatioanl nicht anerkannte Regierung im Osten des Landes erlassen hatte. Das Gesetz soll Gaddafi-Leuten ermöglichen, in die Politik zurückzukehren. Es ist unklar, ob der Sohn Gaddafis das vorhat. Die Freilassung von Saif al-Islam dürfte in Tripolis in jedem Fall als Provokation empfunden werden. In Libyen gibt es drei rivalisierende Verwaltungen, die seit dem Sturz von Machthaber Gaddafi 2011 untereinander und mit zahlreichen Milizen und Clans um die Macht kämpfen.

Saif al-Islam wurde im November 2011 von Milizen, die aus früheren Rebellengruppen hervorgegangen waren, festgenommen. Vier Jahre später verurteilten ihn libysche Richter zum Tode. Die UNO und verschiedene Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Verfahren. Sie bezweifelten, dass der Gaddafi-Sohn einen fairen Prozess bekommen habe. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hatte im Jahr 2011 gegen Saif al-Islam einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt.

(rt deutsch/dpa)