Katar-Krise: Konsterniertes Golfemirat ruft bei Lawrow an

Katar-Krise: Konsterniertes Golfemirat ruft bei Lawrow an
Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, 5 Juni 2017.
Die jüngste diplomatische Offensive unter Federführung Saudi-Arabiens hat Katar von einem Tag auf den anderen in der Golfregion isoliert. Der Außenminister des Landes hat in seiner Verzweiflung nun sogar Russland telefonisch kontaktiert.

Wie die Nachrichtenagentur TASS berichtet, hat der Außenminister Katars, Mohammed bin Abdulrahman al-Thani, seinen Amtskollegen aus der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, in einem Telefongespräch angesichts der diplomatischen Eskalation mit seinen Anrainerstaaten konsultiert. 

TASS erwähnt im Zusammenhang mit dem Gespräch eine daran anschließende Erklärung aus dem Büro Lawrows. In dieser heißt es, die Parteien haben den zunehmenden Spannungen zwischen Katar und einigen arabischen Ländern besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das russische Außenministerium erwähnte, dass die Initiative zu dem Gespräch von Katar ausging.

In der Erklärung hieß es weiter:

Die Parteien verleihen ihrer ernsten Sorge Ausdruck, es könne ein neuer Brennpunkt von Spannungen innerhalb der arabischen Welt entstehen.

Lawrow machte deutlich, dass die Differenzen auf dem Verhandlungstisch beigelegt werden sollen, und zwar

durch einen Dialog, der auf wechselseitigem Respekt aufbaut in Anbetracht zuvor ungekannter Herausforderungen, insbesondere der Bedrohung durch den Terrorismus.

Der Anlass zur Golfkrise: Mehrere arabische Länder brechen Beziehungen zu Katar ab

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Russland aktiv versuchen wird, seinen Einfluss inmitten der Krise zwischen den arabischen Staaten geltend zu machen. Zum einen betrachtet Moskau die Angelegenheit als eine, welche die betroffenen Akteure untereinander zu klären haben. Zum anderen hat die Russische Föderation in jüngster Zeit eine weitgehend äquidistante Haltung zu beiden Akteuren an den Tag gelegt.

Russland pflegte weitgehende Äquidistanz zu beiden Ländern

Auf der einen Seite übte Moskau mehrfach Kritik daran, dass beide Staaten in Syrien eine destabilisierende Rolle gespielt hatten und im Verdacht stehen, dort agierenden terroristischen Gruppen Rückendeckung gegeben zu haben. Auf der anderen Seite arbeitet Russland mit beiden Staaten in Wirtschaftsfragen zusammen, wenn es darum geht, gemeinsame Interessen zu verfolgen. Dies betrifft unter anderem die Bemühungen der OPEC, den weltweiten Ölpreis durch Abkommen über die Drosselung der Ölproduktion zu stabilisieren.

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Vor einigen Tagen hat Saudi-Arabiens Kronprinz und Außenminister Mohammed bin Salman den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, in Moskau besucht. In diesem Zusammenhang sprachen die beiden Spitzenpolitiker unter anderem auch über mögliche Investitionen der Saudis in russische Ölvorkommen in der Arktis.

Moskaus Mahnung zum Dialog unterstreicht Primat des Kampfs gegen Terror

Die Forderung Lawrows nach einem "Dialog auf der Basis wechselseitigen Respekts" lässt sich jedoch auch als kritische Anmerkung zu dem Schritt der Saudis gegen Katar lesen, da sich ein solcher mit dem jüngst verhängten Kontaktabbruch nicht vereinbaren lässt. Insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden terroristischen Bedrohung hat Moskau bereits mehrfach die Notwendigkeit unterstrichen, den gemeinsamen Kampf gegen den Terror nicht hinter politische Differenzen auf anderen Ebenen zurücktreten zu lassen.

Die Bereitschaft Russlands, sich in dem nunmehrigen Konflikt in aktiver Weise hervorzutun, ist jedoch enden wollend. Wenn zwei Länder, die in der Vergangenheit ein unklares Verhältnis zu terroristischen Gruppierungen in mehreren Ländern erkennen ließen, einander jetzt gegenseitig terroristische Verbindungen vorwerfen, ist das eher eine bittere Ironie der Geschichte als ein Handlungsauftrag an Moskau als nicht involviertem Drittstaat.

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