Fake-News-Vorwürfe: CNN soll Demonstration gegen den IS in London fabriziert haben

Fake-News-Vorwürfe: CNN soll Demonstration gegen den IS in London fabriziert haben
"Nur gefilmt" - ein Video zu den Vorbereitungen zur CNN-Berichterstattung zeigt etwas anderes.
Nach dem Anschlag in London mit sieben Toten zeigte CNN einen Beitrag über Muslime, die gegen den IS demonstrieren. Doch ein Mitschnitt der Veranstaltung wirft Fragen auf. Der Vorwurf: CNN hat die Demonstration arrangiert. Der Sender weist die Vorwürfe zurück.

Auf der London Bridge und dem Borough Market hatten drei mutmaßliche Islamisten am Samstagabend mindestens sieben Menschen getötet und Dutzende verletzt, darunter zwei Deutsche. Die Polizei hat die Angreifer erschossen. Die Behörden identifizierten zwei der mutmaßlichen Terroristen als Khuram Shazad Butt (27) und Rachid Redouane (30). Beide wohnten im Ostlondoner Stadtteil Barking.

Auch in Deutschland sorgte der Terror an diesem Wochenende für Schlagzeilen. Das Festival Rock am Ring wurde am Freitag kurzfristig unterbrochen – wegen des Verdachts auf einen möglichen Anschlag. Der sichtlich aufgebrachte Konzertveranstalter Marek Lieberberg verlangte in einer Wutrede unter anderem Demonstrationen von Muslimen gegen den Terror. Lieberberg sagte wörtlich:

Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen die Gewalttäter richten. Ich hab' bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: Was macht ihr da eigentlich?

Nun hat es offenbar eine Demonstration in London gegeben, auf der Muslime gegen den Terror des so genannten Islamischen Staates demonstrierten. Oder doch nicht? Ein Video zeigt, wie mehrere Personen ungefähr ein Dutzend Demonstranten hinter eine Polizeiabsperrung führen. Eskortiert von zwei Polizisten, gruppieren diese die Demonstranten anschließend unter Anweisungen einer Reporterin des Senders CNN vor den Kameras der wartenden Presse. Die Demonstranten halten bedruckte Papierseiten in den Händen, die sich gegen den IS wenden. Unter anderem sind Parolen wie "Der IS wird verlieren" oder auch "Der IS ist nicht der Islam" zu lesen.

Reporterin wartet auf kameragerechte Gruppierung

Man kann deutlich sehen, wie die Reporterin die Gruppe nach ihren Vorstellungen positioniert. Vor allem ein junger Mann in einem weißen T-Shirt ist praktisch die ganze Zeit in Augen- und Ohrenkontakt mit der Reporterin. Der junge Mann wird direkt in die Mitte der Gruppe der Demonstranten platziert. Als die Reporterin offenbar mit der Szenerie zufrieden ist, beginnt sie ihre Berichterstattung. Und zwar mit den Worten:

Liebe Zuschauer, was ich Ihnen jetzt gerne zeigen möchte, ist eine wundervolle Szene […]

US-Senator Ed Markey; USA, 3. Februar 2012.

Wer als Zuschauer die Vorbereitungen inklusive der eindeutigen Regieanweisungen an die Demonstranten nicht gesehen hat, wird zwangsläufig von einer spontanen muslimischen Demonstration gegen den Terror ausgehen. Doch in dieser Form hätte es die Demo ohne das Zutun von CNN gar nicht gegeben. Nachdem das Video im Internet zu kursieren begonnen hatte, gab es harte Kritik gegenüber dem Sender. Der US-Blogger Mike Cernovich warf CNN sogar das Produzieren von Fake News vor.

Der Sohn von US-Präsident Donald Trump, der an CNN mehrfach ähnliche Anschuldigungen gerichtet hatte, zeigte sich in einem Tweet "wenig überrascht" vom Verhalten des Senders.

Reaktion von CNN verstärkt sogar den Argwohn

CNN reagierte einen Tag später auf die Vorwürfe und wies diese zurück:

"Die Polizei ließ Demonstranten durch die Absperrung, damit diese dort ihre Schilder zeigen können. CNN und andere Medien haben sie dabei lediglich gefilmt", schrieb der Sender auf Twitter.

Diese Reaktion von CNN gießt jedoch eher noch Öl ins Feuer. Denn der heikle Video-Mitschnitt belegt eindeutig, dass hier nicht nur gefilmt wurde. Zwar sind die Demonstranten vermutlich echt, doch deren Auftreten und Außenwirkung hat der Fernsehsender kräftig mitinszeniert.

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