Diplomatische Krise in Katar: Trump bietet sich als Vermittler an

Diplomatische Krise in Katar: Trump bietet sich als Vermittler an
Katars Emir Sheikh Tamim Bin Hamad Al-Thani mit Donald Trump; Riad, Saudi-Arabien, 21. Mai 2017.
In der schwersten Krise der Golf-Region droht das Auseinanderbrechen des Golfrats. Die USA boten sich als Vermittler an. Gleichzeitig ist man in Washington uneins darüber, die Muslimbruderschaft zu Terroristen zu erklären. Auch eine Militärbasis ist in Gefahr.

Die USA haben ihre Hilfe angeboten, um die diplomatischen Spannungen in der Golfregion zu lösen. Die derzeitigen schweren Differenzen gelten vielerorts bereits als die bislang schwerste diplomatische Krise in der Region. Bahrain, Saudi-Arabien, der Jemen, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Wochenende den vollständigen Abbruch der Beziehungen zu dem energiereichen Staat erklärt. Auch die Malediven schlossen sich dem Boykott an. Donald Trump will nun mit allen Beteiligten sprechen. Der Emir Sabah al-Salim al-Sabah aus Kuwait bemühte sich ebenfalls um Vermittlung. Noch am Montagabend sprach er mit seinem katarischen Kollegen Tamim bin Hamad Al Thani.

Ein Leak machte während des Wahlkampfes in den USA öffentlich, dass die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton von Terrorfinanzierungen durch Katar und Saudi-Arabien gewusst habe. Saudi-Arabien warf Katar nun vor, "verschiedenste terroristische und sektiererische Gruppen" zu unterstützen, die "das Ziel der Destabilität in der Region verfolgen". Der ägyptische Außenminister sprach von einem antagonistischen Verhalten Katars gegenüber seinem Land.

Innerhalb der Regierung Trumps ist ein Streit um die Muslimbruderschaft entbrannt. Die Gruppe steht im Zentrum des diplomatischen Boykotts gegen Katar. Die Muslimbruderschaft finanziere den Terror, sagen ihre Kritiker. Während Stephen Bannon die Muslimbruderschaft als eine ausländische Terrororganisation anerkannt sehen will, sind der Verteidigungsminister James Mattis und der nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster anderer Ansicht. Sie verweisen auf die tiefe militärische Verbindung der USA zu Katar. 

Straßenszene aus Doha, Katar, 31. August 2016.

Terror-Einstufung hätte Ende der US-Luftwaffenbasis in Katar zur Folge

Nun befürchten pro-katarische Teile der US-Führung, dass die Saudis ihre durch einen 350-Milliarden-Dollar-Deal neu gewonnene, noch engere Beziehung zu den USA nutzen werden, um diese dazu zu drängen, Katar auf die Liste jener Staaten zu setzen, welche den Terror unterstützen. In diesem Fall müsste Donald Trump die größte US-Luftwaffenbasis im Nahen Osten, die sich gegenwärtig in Katar befindet, verlegen.

Frank Gaffney vom Zentrum für Sicherheit erklärt dazu: 

Es besteht nun eine reale Gefahr, dass Präsident Donald Trump, der ins Amt kam und einen anderen Ansatz gegenüber dem ganzen Phänomen versprach, was er als radikal islamischen Terrorismus bezeichnet hat und jetzt islamischen Extremismus nennt, derselben Verführung verfällt, aus der die Brüder [Muslimbrüder] schon während der vergangenen Präsidenten Nutzen ziehen konnten.

Im Bezug auf die Anschläge von Großbritannien sagte Gaffney:

Ich denke, was die Briten betrifft, es ist nicht mehr nur Terrorismus. Was die Briten anbelangt, handelt es sich um einen islamischen Aufstand.

Der ehemalige Verteidigungsminister Robert Gates betont in diesem Zusammenhang:

Die Muslimbruderschaft ist ein ideologischer Vorläufer von Al-Kaida und dem IS.

Die Muslimbruderschaft könne aber nicht als eine homogene Gruppe angesehen werden. Der Premierminister von Marokko gehöre ebenfalls einem Ableger der Muslimbruderschaft an. Im Jemen unterhalte die Bruderschaft langjährige Verbindungen mit Al-Kaida, in Ägypten gibt es einen aktiven radikalen Arm. Gates empfiehlt der US-Regierung daher, mehr Informationen zu sammeln, bevor die Muslimbruderschaft gänzlich als Terrororganisation deklariert wird.

Mohammad bin Saleh al-Sada, Doha, Katar, 17. April 2016.

Der Jemen argumentierte für den diplomatischen Boykott damit, dass Katar Verbindungen zur Houthi-Bewegung unterhalte, der vorgeworfen wird, im Bürgerkrieg von Jemen gestützt durch die Iraner zu agieren.

Bricht der Golfrat auseinander?

Die Sanktionen gegen Katar beinhalten die Kappung von Transportverbindungen, die Schließung der Grenzen und die Verbannung von Qatar Airlines aus den Lufträumen der Boykott-Länder. In Katar kam es bereits zu Hamsterkäufen aus der Furcht vor Lebensmittelengpässen.

Der Sender Al-Jazeera, der schon bald sein Quartier in Riad aufgeben muss, zitierte den Golf-Experten Giorgio Cafiero:

Ich denke, dass Kuwait, sowie die Omanis [...] fürchten, dass die Auswirkungen der Spannungen bald eskalieren, auf eine Art, die die Interessen aller sechs Mitglieder der GCC (Golfrat) untergraben.

Es bestünde eine reale Gefahr, dass der Golfrat auseinanderfiele.

In einer offiziellen Erklärung der Regierung Katars verkündete das Außenministerium sein Bedauern darüber, dass Katar das Opfer einer "Kampagne aus Lügen" wurde. Katar halte sich an die Bedingungen, die an eine aktive Mitgliedschaft im Golfrat geknüpft sind. Der Boykott richte sich gegen die Souveränität Katars.

(rt deutsch/dpa)

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